"Mensch statt Marge." Mit diesem Slogan wendet sich die Gewerkschaft IG Metall gegen die aktuellen Pläne des Siemens-Vorstandes, den Konzern umzustrukturieren. Bei einem bundesweiten Aktionstag protestierten die Gewerkschafter am Freitag gegen einen drohenden Stellenabbau. Auch in Erlangen hatte die IG Metall zu einer Kundgebung aufgerufen.

5500 Jobs wackeln bei Siemens in Erlangen

Etwa 900 Menschen versammelten sich am Vormittag auf dem Rathausplatz. Gekommen sind Mitarbeiter aus den verschiedensten Sparten des Technologiekonzerns, denn zur Zeit plant die Unternehmensspitze einen Komplettumbau aller Bereiche. Nach Informationen der IG Metall wackeln allein in Erlangen 5500 Stellen. Dazu kommen in der Region noch die Jobs an den Standorten in Nürnberg, Forchheim, Kemnath und Amberg.

Von "Margenwahnsinn" auf Seiten der Konzernspitze spricht Robert Kensbock, Mitglied des Gesamtbetriebsrats und des Aufsichtsrats bei Siemens. In seine Rede übte er Kritik an unrealistischen Umsatz- und Gewinnerwartungen in der Vergangenheit. Kensbock rief den Vorstand dazu auf, nicht nur "auf die schnelle Gewinnerwartung zu schielen" und verlangte, "keine massiven Einschnitte" in die zahlreichen Geschäftsfelder von Siemens zuzulassen.

"Abbau von Bürokratie: ja. Abbau von Arbeitsplätzen: nein."

Er forderte ein "Personal- und Innovationskonzept", das die Stellen an allen deutschen Standorten sicher stellt. Kensbock machte deutlich, dass die Arbeitnehmerschaft Reformen gegenüber nicht per se verschlossen sei, allerdings nicht, wenn es gegen die Sicherheit der Stellen gehe: "Abbau von Bürokratie: ja. Abbau von Arbeitsplätzen: nein." Mit dieser Aussage erntete der Betriebsrat lautstarke Zustimmung bei den Teilnehmern der Kundgebung, die mit Fahnen und Trillerpfeifen auf sich aufmerksam machten.

Bundesweit 18.000 Jobs bedroht

Bundesweit sind bei Siemens nach Angaben der IG Metall bis zu 18.000 Arbeitsplätze von der Umstrukturierung bedroht. Siemens-Chef Joe Kaeser hatte angekündigt, die vier bisherigen Sektoren Energie, Industrie, Medizintechnik sowie Infrastruktur und Städte aufzuheben. Die Zahl der Divisionen sollen von 16 auf neun reduziert werden. Der Konzern solle so schlanker und wettbewerbsfähiger werden.

Auch Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik (SPD) sprach zu den Protestierenden. Es sei zwar eine gute Nachricht, dass Siemens am Standort Erlangen festhalten will. Janik rief dazu auf, aber trotz des Versuchs eine wettbewerbsfähigere Struktur zu schaffen, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.

Der Name des Vorstandsvorsitzenden von Siemens, Joe Kaeser, musste herhalten für eine Gag-Aktion der IG Metaller: Bei den "Kaeser-Häppchen", die die Gewerkschafter den Rednern auf dem Tablet servierten, hielten sich alle mit einem hämischen Kommentar zurück. "So ein Käse", so die Botschaft an die Pläne des Vorstands.