Das Weisendorfer Amt für Freizeit und Kultur erweitert sein Angebot um je einen Selbstverteidigungskurs für aktive Senioren sowie für Blinde und Sehbehinderte. "Selbstverteidigung beginnt im Kopf - nicht mit der Faust", sagte in einem Pressegespräch dazu Kursleiter Tom Neser, der in Erlangen die Kampfkunstschule Zanshin betreibt.
Der Kurs "50plus - Körper & Geist im Einklang für mehr Sicherheit" beginnt am Mittwoch, 3. Februar, in der Grundschule und umfasst sechs Einheiten. Wie Neser erläuterte, sind keine Vorerfahrungen nötig. Auch Teilnehmer mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit sind jederzeit willkommen und können mitmachen. "Wenn ein Platz frei ist, mache ich auch mit, denn ich gehöre jetzt auch zu dieser Generation", meldete Bürgermeister Heinrich Süß (UWG) sein Interesse an.
Die Kurse werden der Zeilgruppe entsprechend aufgebaut, denn im Alter sind andere Techniken und Bewegungen erforderlich, erklärte der Trainer dazu. "Aus den Kursteilnehmern werden aber keine Kampfmaschinen gemacht", meinte Neser schmunzelnd, denn es gehe nicht darum, den Gegner "kinoreif" außer Gefecht zu setzten.
"Vor allem soll das Selbstbewusstsein der Menschen gestärkt werden, das ist bei vielen Senioren sehr wichtig", wünscht sich der Bürgermeister. Nach den Worten von Neser ist es nötig, Gefahren und Situationen richtig einzuschätzen, und dazu gehören Achtsamkeit, Aufmerksamkeit und Konzentration.


Keine Grundfitness erforderlich

In dem Kurs werden einfache Verteidigungstechniken gelernt, die ohne großen Kraftaufwand zu schaffen sind. Im Gegensatz zu den Selbstverteidigungskursen für Jüngere stehen bei der Selbstverteidigung für Senioren nicht ausgefeilte Kampfkunsttechniken wie beim Karate oder Ju-Jutsu im Vordergrund. Deshalb ist auch keine Grundfitness erforderlich. Sich wehren sei keine Frage der körperlichen Kraft und habe eher mit Geschicklichkeit und Treffsicherheit zu tun, erklärte Neser. Vor allem Selbstwahrnehmung, Konzentration und einfache Schlagtechniken werden trainiert.
Selbst Menschen mit Behinderung werden immer wieder zu Opfern von Gewaltexzessen. Damit sie Angreifern nicht wehrlos ausgeliefert sind, bietet das Amt für Freizeit mit "Yin Yang" einen Zweitageslehrgang für Blinde und Sehbehinderte an. Das visuelle Defizit werde bei ihnen durch den meist besser ausgeprägten Hör- und Tastsinn ausgeglichen. Dabei sei das vorrangige Ziel, den Angreifer zu kontrollieren, festzuhalten und auf Hilfe zu warten. Dies entstehe ausschließlich durch Körperkontakt, Gefühl für die Bewegung und das Gleichgewicht in Verbindung mit "Chi Sao", den "klebenden Händen".
Tom Neser ist einer der Wenigen in Bayern, der Blinden und Sehbehinderten die Selbstverteidigung beibringt. "Da muss auf den Einzelnen individuell eingegangen werden", erklärte er den Selbstverteidigungskurs für Blinde.