"Die Aktion sollte sich nicht so sehr gegen die Familie richten", sagte Irlinger am Freitag nach einem Gespräch mit Vertretern der Mahnwache. Das gerichtspsychologische Gutachten zur Frage, ob die acht bis 13 Jahre alten Kinder unter der Lebensform ihrer Eltern Schaden nehmen, erwartet der Landrat bis Jahresende.

Nach Berichten über die "Neue Gruppe der Weltdiener" hatte sich unter anderem eine Facebook-Gruppe "Rettet die Sektenkinder von Lonnerstadt" gegründet. Regelmäßig fanden seitdem Mahnwachen vor dem Haus der Familie statt.

Für das Jugendamt sei es besonders wichtig, weiter Zutritt in das Haus zu erhalten, betonte Irlinger. Mittlerweile sei aber "ein regelrechtes Detektivsystem aufgebaut" worden. So würden Klassenkameraden die Kinder ausfragen und die Informationen dann an ihre Eltern weitergeben, die die Mahnwache unterstützten. Nach Berichten über die "Neue Gruppe der Weltdiener" waren Vorwürfe laut geworden, die Behörden kümmerten sich zu wenig um die drei Kinder.

Weder Medikamente noch Versicherung

Demnach sollen sie unter anderem ohne Medikamente und Krankenversicherung aufwachsen. Die aus einem "Guru", dessen Partnerin und einer fünfköpfigen Familie bestehende Sekte versteht die Kinder als "Erwachsenenseelen in Kinderkörpern" und behandelt sie entsprechend.

Er hoffe, dass nun Verständnis für das Vorgehen der Behörden da ist. "Wir haben intensiv und heftig diskutiert", sagte Irlinger. Am Ende hätten sich beide Seiten aber angenähert. Auch sei angedeutet worden, dass zunächst auf weitere Aktionen verzichtet werde.

Zugleich hielt Irlinger an seiner Position fest. "Es gibt nichts, was wir falsch machen im Augenblick", sagte er. Das Jugendamt werde reagieren, wenn es neue Kenntnisse gebe, etwa das Ergebnis eines bis Ende des Jahres erwarteten psychologischen Gutachtens oder Unterernährung und schwere Krankheiten der Kinder. "Und das alles unter der Überschrift Kindeswohl", fügte er hinzu. Kriterien für eine Gefährdung der Kinder lägen aber derzeit nicht vor.

Organisatoren widersprechen

Unterdessen zeigten sich die Mahnwachen-Organisatoren um Christina Plank und Thomas Paulwitz verwundert ob der Darstellungen des Landrats. Man habe ganz bestimmt kein Detektivsystem aufgebaut, vielmehr sei es so, dass ein, zwei Mütter von sich aus auf die Organisatoren zugekommen seien, "aber die fragen die Kinder nie aus für uns", sagte Christina Plank.

Vor allem sind die Organisatoren enttäuscht von der Gesprächsatmosphäre am Donnerstag, sie kritisierten in erster Linie das Verhalten des Landrats. Mit den Vertretern des Jugendamtes seien wesentlich konstruktivere Gespräche möglich gewesen als mit dem Landkreischef. Momentan seien keine Mahnwachen geplant, sagten die Organisatoren.