So was von nass - der Dauerregen am Samstag erschwerte das Baumaufstellen für die Lonnerstädter Kerwasburschen in nicht unerheblichem Maße. Dennoch schafften sie es natürlich. Wegen etlicher Liter Wasser auf den Quadratmeter im Laufe eines Tages ließen sich die Burschen noch lange nicht von der Kerwa-Tradition abbringen. Im Verlauf einer guten Stunde stand die Fichte. Belohnt wurde die Aktion vom Beifall der Zuschauer, die sich vom Regen ebenfalls nicht verdrießen ließen.

Schwer und glitschig

Die Dauerdusche von oben störte die rund 30 Jungs an sich ja weniger. "Ein guter Kerwabursch hält das aus", meinte Hasso alias Frank Haßlauer, der als Chef im Ring fungiert. Aber die Prachtfichte saugte sich auf ihrem langen Weg vom Wald über den Ortsteil Fetzelhofen bis zur Stammwirtschaft "Sonne" in Lonnerstadt natürlich voll mit Wasser und wurde immer schwerer und glitschiger. 35 Meter war sie ursprünglich lang gewesen. Schon im Wald hatte man sie um drei Meter verkürzt, damit sie auch sicher im Hof der "Sonne" Platz fände. Vor Ort erwies es sich dann als notwendig, noch ein Stück abzuschneiden. Die Photovoltaikanlage der Gastwirtschaft sollte schließlich nicht beschädigt werden. Letztendlich mussten sogar noch ein paar Äste der prachtvollen Krone daran glauben - der Dauerregen hatte die "Kupfn" so schwer gemacht, dass man lieber kein Risiko eingehen wollte.

Doch wären diese Adaptionen im Geheimen geschehen, hätte sie kein Mensch bemerkt. Ungefähr knapp 30 Meter lang und mit immer noch dichtem Kopf zeigt sie jetzt an: In Lonnerstadt ist Kirchweih.
Ein kleines Jubiläum begehen konnte bei dieser Gelegenheit Robert Kraft, Altbursche und "am unteren Ende" immer noch dabei. Seit nunmehr zehn Jahren ist er als Einschläger tätig. Das heißt, er sorgt mit Kraft und "Beichala" (Beil) dafür, dass der Stamm ordentlich in die vorbereitete Öffnung rutscht und dort richtig verkeilt wird.
Während die Burschen an sich in Lonnerstadt immer noch der unverheirateten Zunft angehören müssen und Schluss im Schacht ist, sobald sie in den Stand der Ehe treten, ist das Einschlagen immer noch Aufgabe der Erfahrensten. 2003 hat Robert geheiratet und ist dann gleich auf diese wichtige Position gewechselt. "So ist man immer noch dabei", lachte der Altbursch' und schwang gekonnt das Beil.

Ebenso lange dabei gewesen wäre Markus Lenk, der gewöhnlich gemeinsam mit Robert diese Aufgabe erfüllt. Er konnte jedoch am Samstag wegen einer privaten Feier nicht mitmachen. So kam "Babbi", langjähriger Ortsbursch und nach seiner Heirat im vergangenen Jahr heuer erstmals eigentlich nicht mehr mit von der Partie, zu der Ehre, an Markus´ Stelle immer noch ein bisschen mitmischen können.

Der Sonntag zeigte sich wenigstens etwas trockener. Da präsentierte der Heimatverein ein buntes Programm. Mittags gab es Kaffee und Kuchen, selbst gebackene Küchle, auch zum Mitnehmen. Eine halbe Stunde lang tanzte der Fränkische Volkstanzkreis Steigerwald mit Sitz in Lonnerstadt, anschließend gaben "Emmi Weiß und die Aurachspatzen" fränkische Musik zum Besten. Zum Abschluss tanzten die "Crazy boots" Line Dance Lonnerstadt e.V .

Bäuerliche Wohnung geöffnet

Die historische Wohnung im Kleebauernhaus war zur Besichtigung geöffnet, ebenso wie am Montag, 14 bis 17 Uhr. In der "Sonne" ist am Montagvormittag der beliebte Frühschoppen mit vielen Gästen. Die Burschen werden um 15 Uhr noch den "Geger rausschlogn", um 18 Uhr wird die Kerwa eingegraben. Dann klingt die Kirchweih aus und alle freuen sich aufs nächste Jahr.