Die jungen Fahrradfahrer staunten am Dienastag am frühen Morgen nicht schlecht, als sich ihnen zwei Polizeibeamte in den Weg stellten. Die beiden Polizeioberkommissare Bernd Lösch und Stefan Berro hatten an einem der meistbefahrenen Schulwege Position bezogen. Weil dem PI-Leiter Norbert Hacker und auch dem Verkehrserzieher Bernd Lösch in den letzten Wochen aufgefallen war, dass Schüler morgens immer wieder ohne Licht unterwegs waren, wurde eine Kontrolle eingerichtet.

Erst vermuteten die beiden Beamten, dass die Schüler aufgrund des frostigen Wetters mit dem Bus fahren würden, was an den vorbeifahrenden und gut besetzten Herzo-Bussen auch zu sehen war. "Vielleicht stehen wir an der steinernen Brücke auch falsch, oder die wissen von der Kontrolle", meinte Lösch nach fast einer halben Stunde. Aber das änderte sich schnell, je näher der Schulbeginn rückte. Aus der Steggasse und der Tuchmachergasse kamen die jungen Radfahrer, und manche hatten es besonders eilig.

An den beiden Beamten, die sich an der Auffahrt zur Brücke und der Einmündung Tuchmachergasse postiert hatten, kam aber niemand vorbei. Bernd Lösch wurde von nicht wenigen Schülern mit "Guten Morgen Herr Lösch" begrüßt, schließlich hatte der Verkehrserzieher die meisten davon schon unter seinen Fittichen.

Verspätungen vermeiden

Kontrolliert werden sollte nur die Beleuchtung, schließlich sollte deswegen niemand zu spät kommen. Ein großer Teil der rund 200 Schülerinnen und Schüler durfte den Kontrollpunkt auch passieren. Bei 24 von ihnen reichten aber die Mängel von der Beleuchtung, die nur noch leicht flackerte oder gar nicht eingeschaltet war bis hin zu Fahrrädern, an denen überhaupt keine Beleuchtung angebracht war.

Wenn das Thema nicht so ernst wäre, müsste man über die Ausreden schmunzeln, denn eine solche hatten die Schüler alle blitzschnell parat. Von "gestern ging's noch", oder "als ich losfuhr, funktionierte es" über "hab's bloß nicht eingeschaltet", bis hin zu "ich weiß nicht, wie das angeht" war alles vorhanden. "Außerdem ist es schon hell genug" oder "die Straßenlampen brennen doch".

Ob das Fahren ohne Licht cool ist oder einfach nur nachlässig, in jedem Fall kann es ein tragisches Ende nehmen. Fahrradfahrer ohne Beleuchtung sind für andere Verkehrsteilnehmer schlecht bis gar nicht zu sehen. Wenn sie dann gesehen werden, kann es manchmal schon zu spät sein. Heißt der Gegner "Auto", hat der Fahrradfahrer immer das Nachsehen. "Ohne ausreichende Beleuchtung auf dem Rad zur Schule zu fahren, ist unverantwortlich", sind sich Bernd Lösch und Stefan Berro einig. Außerdem fiel auf, dass dunkle Bekleidung bei den Kids voll im Trend liegt, reflektierende Strahler oder Jacken waren wenig anzutreffen.

Die beiden Beamten kannten trotz der vielen Ausreden kein Pardon, und die nicht verkehrssicheren Räder mussten stehen bleiben. Auch ein "ich schiebe bis zur Schule" stieß auf kein Gehör, schließlich kennt Lösch seine Pappenheimer, einige sogar mit Namen. "Wenn wir sie nicht mehr sehen können, dann steigen sie wieder auf", meinte Lösch wissentlich lächelnd.

Ohne Luft zur Schule schieben

Also hieß es, Fahrrad stehen lassen und absperren. So ganz ohne Murren ging das natürlich nicht ab. Ein Schüler mit einem ziemlich teuren Rad musste mangels Schloss die Luft aus dem Vorderrad lassen und bis zur Schule schieben. Während der gesamten "dunklen Jahreszeit" müssen sich die Schüler auf weitere Kontrollen einstellen. Da bei solchen Aktionen leider nur ein sehr geringer Teil der Schüler erreicht werden kann, appelliert die Polizei an alle Eltern, im Interesse ihrer Kinder die Ausrüstung der Fahrräder zu überprüfen. Insbesondere eine funktionierende und auch eingeschaltete Beleuchtung reduziert das Unfallrisiko, insbesondere in der jetzigen Jahreszeit, in der auch Autofahrer mit teils angefrorenen Scheiben unterwegs sind, enorm.