Die neu gestaltete Hauptstraße könnte so schön sein. Es sind keine Schlaglöcher mehr in der Straße zu sehen, Fußweg und Fahrbahn sind angeglichen. Im Frühling erblühen dann noch die Blumen in den Kübeln und die Cafés laden zum Verweilen ein. Die Sanierungsarbeiten vom Marktplatz bis zur Bamberger Straße sind soweit abgeschlossen.

Das Problem sind jedoch die vielen Autos, die durch die Hauptstraße fahren. An das Schritttempo halten sich die wenigsten, geparkt wird kreuz und quer, obwohl es nur auf den ausgewiesenen Parkflächen erlaubt ist. "Wir haben so schön umgebaut und was haben wir? Nur Chaos", sagt dazu Stadtrat Josef Beßler (JL). Ein neues Verkehrskonzept soll für Ordnung sorgen.

Das beauftragte Ingenieurbüro Valentin Maier unterscheidet beim Verkehrskonzept für Höchstadts Innenstadt zwischen einem verkehrsberuhigtem Bereich und einem verkehrsberuhigtem Geschäftsbereich. Was sich fast gleich anhört, beinhaltet aber einen großen Unterschied. Demnach sollen der Marktplatz (und auch die Kleine Bauerngasse) verkehrsberuhigte Bereiche bleiben.

Die Hauptstraße ist ebenfalls auf ihrer gesamten Länge als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen, deutlich gemacht durch die blau-weißen Schilder. Die sollen den Autofahrern signalisieren: Hier gilt Schritttempo, also eine Geschwindigkeit zwischen sieben und zehn Stundenkilometern. Geh- und Fahrbahn werden nicht abgegrenzt. Alle Verkehrsteilnehmer sind dabei gleichberechtigt, es herrscht Mischverkehr. Der Grund dafür ist, dass im Sommer Cafés und Restaurants außen bestuhlt werden und mehr Besucher unterwegs seien.


Tempo 20 in manchen Straßen

Die restliche Innenstadt soll zum verkehrsberuhigten Geschäftsbereich werden. Geh- und Fahrbahn sind voneinander getrennt, es herrscht kein Mischverkehr und keine Gleichberechtigung der Verkehrsteilnehmer. Die Geschwindigkeit für Autofahrer ist in diesem Bereich auf 20 Stundenkilometer begrenzt.

Die Polizei kritisiert hierzu, dass eine Beschilderung der Zone 20 nicht ausreiche, damit Verkehrsteilnehmer wissen, wie sie sich verhalten müssen. Die Polizei empfiehlt, zusätzlich Verkehrszeichen anzubringen. SPD-Stadtrat Norbert Bechstein stellte die Frage, ob der Autofahrer überhaupt einen Unterschied zwischen Schrittgeschwindigkeit und Tempo 20 merke. Jürgen Schmeißer, Leiter der Polizei Höchstadt, sagt dazu: "Man muss das dem Bürger oft genug kommunizieren." Gerade am Anfang müsse man die Leute belehren, damit sich ein Lerneffekt einstelle. "Wir wollen die Situation nicht mit der Axt verbessern, sondern mit Vernunft." Raser sollen durch gelegentliche Kontrollen der Polizei enttarnt werden.

Mittlerweile wurden Geräte zur Geschwindigkeitsmessung installiert. Ein lachender oder trauriger Smiley zeigen darauf an, ob der Autofahrer zu schnell unterwegs ist. Bürgermeister Gerald Brehm (JL) ist sich außerdem sicher: "Wenn die Cafés erst einmal draußen bestuhlen, dann pendelt sich das von alleine ein. "


Antrag: Schritttempo vor St. Anna

Der Arbeitskreis Verkehr ist ebenfalls unzufrieden mit der derzeitigen Situation in der Hauptstraße. Er schlug in einem Schreiben vor, den verkehrsberuhigten Bereich auf weitere Straßen der Innenstadt auszuweiten. Beschlossen wurde, dem Stadtrat einen Änderungsantrag vorzulegen, in dem die Obere Brauhausgasse und die Straße In der Brannerstatt mit in den verkehrsberuhigten Bereich aufgenommen werden sollen.


Verkehr kommunal überwachen

Der Seniorenbeirat beantragte ebenso wie der Arbeitskreis Verkehr, eine kommunale Verkehrsüberwachung einzurichten. Die solle dann sowohl für fahrende Autos, als auch für Falschparker zuständig sein. Der Verkehrsausschuss hat daher einstimmig beschlossen, dem Stadtrat eine kommunale Verkehrsüberwachung vorzuschlagen.


Parkplatz deutlicher einzeichnen

Nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch das Parkverhalten in der Hauptstraße bereiten Probleme. "Die Leute parken, wie sie wollen", moniert Axel Rogner (JL). Laut Polizeichef Schmeißer sei kurzes Halten grundsätzlich erlaubt, sobald das Auto verlassen werde, handele es sich jedoch um Parken.

Beßler (JL) kritisierte außerdem, dass der Behindertenparkplatz vor der Apotheke nicht gut zu erkennen sei. Dritte Bürgermeisterin Irene Häusler (JL) fügte an, dass der außerdem immer durch Autos belegt sei, die dort gar nicht parken dürfen. Der Ausschuss beschloss einstimmig, den Behindertenparkplatz neu zu kennzeichnen und das Schild dafür sichtbarer anzubringen.