In welche Theatervorstellung können Besucher schon mit kurzen Hosen gehen oder sich ein Eis vom Italiener mitbringen? Vor der Kulisse des Herzogenauracher Schlosses und im Schlosshof brachte die Landesbühne Oberfranken beim diesjährigen Theatersommer wieder zwei wahrhaft gelungene Bühnenwerke zur Aufführung.

In diesem Jahr hatten sowohl die Schauspieler als auch die Besucher Glück mit dem Wetter und die Vorstellung am Samstag "Der eingebildete Kranke" war schon vor Beginn ausverkauft. Eingebildete Krankheiten und eingebildete Lieben können das Leben ganz schön versauen. Das wusste schon vor weit mehr als 300 Jahren Molière, als er seine längst weltberühmte Komödie "Der eingebildete Kranke" schrieb, die am 10. Februar 1673 in Paris uraufgeführt wurde. Bei der Umsetzung im Herzogenauracher Schlosshof zeigte sich, dass das Thema auch heute nichts von seiner Aktualität verloren hat und das Publikum nach wie vor begeistern kann und auch immer wieder am Szenenapplaus zu merken war.

Erfahrungen scheinen bekannt

Eine besonders schauspielerische Leistung liefert in dem Stück Thomas Glasmeyer in der Titelrolle des Argan ab. Er gibt einen Hypochonder par excellence, der es in höchster Vollendung versteht, zu lamentieren und bei jedem Arztbesuch und seinem scheinbar ach so besorgniserregenden Gesundheitszustand schon sein nahes Ende vermutet. Dabei unterstützt ihn sein Hausarzt Purgon (Markus Veith), der ihm teure Medikamente verschreibt und bei seinem Patienten weiter schlimme Krankheiten vermutet. So wird die Abhängigkeit des eingebildeten Kranken zu einem einträglichen Geschäft für Arzt und Apotheker.

Die Folge, neue Medikamente, neue Arztrechnungen, scheinbar machten auch Besucher schon eine derartige Erfahrung, wie der Applaus vermuten ließ. Die Gier des Arztes war nicht zu übersehen und zu überhören und auch weitere Vorlieben, nämlich wohl proportionierte Frauenkörper und die lüsternen Blicke, waren kaum zu übersehen.

Da ein Arzt im Haus durchaus auch Vorteile haben kann, beschloss Argan seine hübsche Tochter Angelique (Marina Esslinger) mit dem Hausarzt Purgun zu vermählen, um diesen ständig in seiner Nähe zu haben, schließlich habe auch die Tochter eine Verantwortung für den Vater.

Allerdings hatte das listige Dienstmädchen Toinette (Heidi Lehnert) ihren Herrn schon lange durchschaut und sie stellte sich auf die Seite von Angelique, denn diese hatte sich schon längst in Cléante (Marc Borchert) verliebt. Wenn es auf der einen Seite Argan mit Argusaugen immer wieder gelingt, irgendwelche Wehwehchen an sich zu entdecken, ist er andererseits blind, was die Gefühle seiner zweiten Frau Beline (Laura Mann) betrifft. Wenn sie sich rührend um ihren Gatten kümmert, ihn tätschelt und liebkost und ihr dabei die Geldgier förmlich aus sämtlichen Poren springt, übersieht er diese und stellt nur fest: "Was liebt mich diese Frau. Ihre Zärtlichkeit für mich grenzt ans Wunderbare!"

Göttliche Gesangseinlage

Die Situation scheint aussichtslos für Angelique, mit ihrem Geliebten Cléante (Marc Borchert) zusammen zu kommen, auch wenn Dienstmädchen Toinette (Heidi Lehnert) ihr zur Seite steht, die die wahren Motive Belines ebenfalls durchschaut hat. Beline arbeitet daran, mit ihrer Freundin Madame de Bonnefoi (Clarissa Hopfensitz) Argan zum Ändern seines Testamentes zu ihren Gunsten zu überreden.

Schließlich gelingt es Argans Bruder Berald (Stephan Bach), der ihm eindringlich ins Gewissen redet und ihm verdeutlicht, dass er keinen Menschen kennt, der weniger krank ist als er. "Es sterben mehr Menschen an ihren Arzneien als an ihren Krankheiten", diagnostiziert er beim Betrachten Argans zum Nachdenken zu bewegen. Einfach göttlich seine Gesangseinlage nach der Melodie "Oh mein Papa", wenn er singt "Oh du Klistier, du bist des Bruders Freudenquell!"

Als Arzt verkleidet, der im besten fränkischen Dialekt Argan anstelle von Medikamenten Schwarte, Bratwürste und Klöße als Mittel gegen seine Beschwerden nahe legt, gelingt Toinette zwischendrin ein kleines, vorzügliches Intermezzo.Da es aber keine Medikamente gegen die Starrköpfigkeit Argans gibt, müssen Berald und Toinette gleichzeitig mit Engels- und gespaltenen Zungen auf ihn einreden, indem sie eine List anwenden und ihn überzeugen, sich tot zu stellen, um somit zu erfahren, wie sehr ihn seine Frau wirklich liebt. Als vermeintlich Gestorbener erkennt er endlich die wahre Liebe seiner Tochter und die wirklichen Absichten seiner Frau. Einem Happy End steht nichts mehr im Weg.