Nikolaus Lang kennt die Lonnerstadter Mühle noch in Betrieb. In seiner Lehrlingszeit Mitte der 60er Jahre brachte der Mailacher Getreide vom elterlichen Hof zum Schroten hierher. "Unsere Mailacher Mühle war da schon nicht mehr im Betrieb." Fünf bis zehn Doppelzentner brachte er Woche für Woche.

1,50 Mark hat es gekostet, einen Zentner schroten zu lassen. Das wusste Lang nicht mehr, aber der Zettel mit den Mahllohnsätzen ist erhalten. Denn der letzte Lonnerstadter Müller Georg Scharold hatte irgendwann genug gehabt und seine Mühle einfach nicht mehr aufgesperrt.

Die alten Mehlsäcke mit den Aufdrucken der Besitzernamen lagen noch in der Kiste, das Werkzeug an seinem Platz und die breiten Lederriemen verbanden noch die eisernen Antriebswellen. Zur Freude von Paul Bruckmann, der die Mühle gekauft und restauriert hat. Mit viel Sachverstand, denn Bruckmann ist Mühlentechniker, nutzt aber das erneuerte Mühlrad nur mehr zur Stromerzeugung.


Relativ moderne Mühle



Bruckmann hat eine relativ moderne Mühle erworben. Nach einem Brand um 1870 baute der damalige Müller die Mühle nach neuestem Stand der Technik wieder auf. Mit vier Walzenstühlen anstelle der Mühlsteine, Paternostern für den Mehltransport und einem motorgetriebenen Sackaufzug. Über alle vier Stockwerke des Gebäudes wurde das gemahlenen Getreide befördert, um durch das eigene Gewicht durch die Siebe des Plansichters zu rutschen oder auf die Walzenstühle zu fallen. Tag und Nacht. Solange der Mühlbach ausreichend Wasser führte.

"Am Walzenstuhl war eine Glocke, die hat uns immer geweckt", erzählt Hansotto Neubauer, Enkel eines Müllers aus dem Spessart. Die Buben mussten dann aus dem Bett und den Schieber aufziehen, damit Mehl nachrieselte.
Feuer durch eine Mehlverpuffung hat nicht nur die Lonnerstadter Mühle zerstört. "Bis heute die größte Gefahr in der Müllerei," sagt Bruckmann. Einen solchen Mühlenbrand hat Neubauer selber erlebt. "Nur im Schlafanzug wurden wir Buben zu Nachbarn gebracht."