Tiefe Ergriffenheit legte sich am Samstagabend über das dunkle, nur von Kerzen beleuchtete Gotteshaus St. Georg in Höchstadt, als die Regensburger Domspatzen mit dem Lied "Heilige Nacht" das Weihnachtskonzert unter Leitung von Domkapellmeister Roland Büchner beendeten. Auch Innenminister Joachim Herrmann (CSU), der Ehrengast des Nachmittags, war beeindruckt. "Das war wunderbar, herrlich, nicht zu beschreiben!", hörte man von allen Seiten am Ende des Konzertes.

Das Programm setzte sich aus bekannten und weniger bekannten Weihnachts- und Adventsliedern, teils chorisch, teils solistisch dargeboten - am Piano begleitet vom Dirigenten - zusammen.

Der 13-jährige Yannick Schmitz aus Abenberg bei Roth ist einer der jungen Solisten und singt im Alt 1. " Ich bin gerne bei den Domspatzen und auch im Internat. Wenn man sich daran gewöhnt hat, ist das Heimweh bald weg. Für mich ist es echt wie ein zweites Zuhause", erklärt er. Schön sei das Miteinander im Kaff (liebevoller Name für das Internat). Es sei fast wie eine eigene Stadt und in der Freizeit werde vom Schwimmbad bis zum Sportplatz alles geboten. "Mein älterer Bruder ist Domspatz, und da hab ich mir mal alles angeschaut, hab vorgesungen - und jetzt bin ich auch dabei", freut er sich. Als Musikinstrument lernt er die Geige.

"Mir gefallen in diesem Konzert die Lieder, die eine Mischung aus alter und neuer Musik sind. Das ist echt eine Herausforderung für den Chor. Das "Kommst du, Licht der Heiden" von Heinrich von Herzogenberg mag ich besonders gern."

Der 18-jährige Florian Schuster singt Bariton und ist Stadtschüler, also nicht im Internat. "Ich hab von Anfang an gerne gesungen und großes Interesse an der Musik gezeigt", erklärt er. "Ab der zweiten Klasse besuchte ich die Musikalische Früherziehung und dann bin ich aufs Domgymnasium gewechselt - und habe es nie bereut." Das Schöne sei die perfekte musikalische Ausbildung und das familiäre Umfeld. "Unsere Schule ist klein - nur 450 Schüler." Florian lernt Klavier und Orgel und bei manchen Konzerten sitzt er selbst in der Chorpause an der Orgel.

Gabriel Konjaev spielt

Diesmal hat er frei, denn der Höchstadter Organist Gabriel Konjaev spielt meisterhaft wie immer zum Einzug die "Festival Toccata" von Percy Fletcher und in der Pause das Choralvorspiel "Nun komm der Heiden Heiland" von J. S. Bach. Florians Lieblingslieder sind die Praetoriuslieder "Enatus est Emanuel" und "Es ist ein Ros entsprungen". Aber eigentlich mag er alle Stücke wie "O laufet ihr Hirten" oder "Maria durch ein Dornwald ging". Der junge Sänger will nach dem Abitur Kirchenmusik studieren.

Bei den alljährlichen Momenten der Besinnung in der Weihnachtsmarktzeit lässt Dekan Kilian Kemmer diesmal Sportler zu Wort kommen und der Innenminister, der auch für den Sport zuständig ist, spricht in der Konzertpause seine Worte der Besinnung. "Der Mensch braucht die richtige Balance zwischen Bewegung und Ruhe und Besinnung", so der Minister. "Es gibt viel, was uns bewegt, aber auch, was wir bewegen können, um die Welt ein Stück weit zu gestalten."

Roland Büchner, seit 1994 Dirigent des Domchores, ist sehr beliebt bei seinen Sängern. Auch der Dirigent selbst ist mit seinen Sängern sehr zufrieden. "Die Musik auf allerhöchstem Niveau fordert viel, besonders von den Kleinen. Wenn sie das akzeptieren und wissen, dann macht es viel Spaß."

Schon bei den Proben, aber auch bei jedem Vortrag spürt der Zuhörer, mit welcher Konzentration und Disziplin die Sänger bei der Sache sind und wie warmherzig, präzise, knapp und ruhig der Dirigent sie führt. Obwohl nur wenig Adventsliteratur auf dem Programm steht, passen die vielen Weihnachtslieder - entweder im vertrauten Gewand oder in neuen reizvollen Chorsätzen - in die stille Zeit.

Es war ein Spätnachmittag, den jeder in der gut gefüllten Kirche voll und ganz genießen konnte - ein Kunstgenuss ohne Gleichen. Die Domspatzen sind dank ihrer hervorragenden musikalischen Ausbildung mit Recht ein Spitzenchor, der Reinheit und Klarheit mit weichem Klang verbindet und der alle musikalischen Herausforderungen spielend aufnimmt und bewältigt