Es ist ein "klares Bekenntnis zum Standort Herzogenaurach", wie es Puma-Chef Björn Gulden betonte, und ein "weiterer Treueschwur zur fränkischen Heimat", wie es der bayerische Finanzminister Markus Söder formulierte. Mit dem traditionellen Spatenstich haben die Bauarbeiten zur Erweiterung der Firmenzentrale an der Nordumgehung, dem Hans-Ort-Ring, begonnen.

Mit einem Gesamtvolumen von 40 Millionen Euro wird gegenüber der Verwaltung ein sechsstöckiges Gebäude errichtet. Es wird 22 Meter hoch und ebenso breit und 122 Meter lang werden. Fertig werden soll es bis März 2018, wie der Projektleiter Harry Huk erläuterte.

Das Besondere ist die Verbindung der Gebäude, die ja auf beiden Seiten der Nordumgehung liegen. Eine Fußgängerbrücke macht's möglich. Sie überspannt in etwa achteinhalb Metern Höhe auf einer Länge von 85 Metern die Stadtautobahn. Gehalten wird das 173 Tonnen schwere Stahlbauwerk durch einen 37 Meter hohen Pylon — eine statische Herausforderung, wie es Huk erläuterte. Der Einbau der Brücke wird durchaus spannend. Im September soll der Pylon errichtet werden, die Brücke ist dann bis Juni 2017 geplant. Sie wird in vier Teilen geliefert und dann zusammengesetzt.

Spannend ist das auch für den Chef. "Mit der Brücke schaffen wir ein echtes Tor zur Stadt."

Für Puma bedeutet der Neubau aber nicht nur nur eine Erweiterung der Firmenzentrale, sondern auch eine Zentralisierung, wie Huk feststellte. Denn dann kann der zweite Standort in der Würzburger Straße mittelfristig aufgegeben werden. Kaufinteressenten hat man laut Huk bereits, die Gespräche laufen auch schon. Abreißen möchte die Immobilie dort niemand, sagte der Projektbetreuer. Aber es sei möglich, dass es auch eine andere Nutzung als Büros geben kann.

In der zweiteiligen neuen Zentrale steht auch mehr Platz für die Mitarbeiter zur Verfügung. Die Kapazität von bisher 900 Beschäftigten werde auf 1100 ansteigen, sagte CEO Gulden. Alle 340 Mitarbeiter aus der Würzburger Straße werden umziehen. Platz hat der Neubau aber für 550 Personen. Des Weiteren entstehen auch 277 Stellplätze. Die Zusammenlegung bringt laut Gulden "kurze Wege für schnelle Entscheidungen."


Beschreibung

Für die Entwurfsplanung und den Bauantrag zeichnet das Architekturbüro Klaus Krex aus Nürnberg verantwortlich, wie schon beim Bau der ersten Zentrale ab 2007. Harry Huk war auch da schon Projektleiter. Die am Bau beteiligten Firmen sind zum überwiegenden Teil regional ansässige Unternehmen, sagte er. Als Generalunternehmer wird die Baufirma Völkel und Heidingsfelder aus Nürnberg eingesetzt.

Der neue sechsgeschossige Gebäudekomplex, bei dem rund 1400 Tonnen Stahl und 9500 Kubikmeter Beton verbaut werden, wird laut Puma-Pressemitteilung "durch seine raumhohe Verglasung über lichtdurchflutete Großraumbüros verfügen, die durch mobile, schallschluckende Einrichtungselemente bedarfsgerecht für Projekte und Arbeitsgruppen umgestaltet werden können." Neben dieser Flexibilität setzt die Raubkatze auch auf Sportmöglichkeiten, um das Leitbild als schnellste Sportmarke der Welt zum Ausdruck zu bringen. Neben einem rund 500 Quadratmeter großen Fitnessstudio wird den Mitarbeitern ein Außenbereich mit jeweils einem Beachvolleyball-Feld und einem Basketballplatz sowie einer 500 Quadratmeter großen Multifunktionsfläche zur Verfügung stehen, wird berichtet.

Und noch etwas wird im Neubau beherbergt sein. Für Helmut Fischer, früherer Werbeleiter und jetziger Berater der Firma sowie das Puma-Urgestein aus Herzogenaurach schlechthin, wird ein Traum wahr. Die neue Zentrale bekommt auch ein großes, zentrales Sportarchiv. Das wurde am Rande des Spatenstichs bekannt gegeben.

Wie das angrenzende Puma Vision Headquarters am Puma Way 1 soll auch der Neubau höchsten Umweltschutz-Maßstäben gerecht werden, berichtet das Unternehmen weiter. Durch eine moderne Betonkerntemperierung in Verbindung mit Luft-Wasser-Wärmepumpen soll das Gebäude umweltverträglich grunderwärmt und grundgekühlt werden. Der Großteil des Brauchwasserbedarfs wird mit Regenwasser aus einer 300 Kubikmeter fassenden Zisterne gedeckt. Die Herzo Werke sind zur Belieferung von Fernwärme vorgesehen. Geplant sind außerdem Ladestationen für Elektrofahrzeuge und -fahrräder. heißt es in der Pressemitteilung abschließend.



Smalltalk am Rande


Auch ein Minister lernt nie aus. Für Markus Söder, den Herrn der bayerischen Finanzen, war der Spatenstich der erste Kontakt mit Lothar Matthäus. Er sei immer ein Fan des Franken gewesen, als einer besten Fußballer der Welt , sagte Söder. Auch wenn es Matthäus dann nach Gladbach zog und später "auch noch nach München", und eben nicht nach Nürnberg, wie der bekennende Clubfan ergänzte. Abseits des Mikrophons hatte der Politiker den Sportler eingangs noch gefragt, bei welchem der beiden Herzogenauracher Fußballvereine er denn gespielt habe.
Das erfuhren die Gäste dann bei der offiziellen Plauderrunde, als der Landtagsabgeordnete und amtierende FC-Vorsitzende Walter Nussel den Herzogenauracher lobte. Aber nicht nur der FC, selbst Puma wäre ohne Matthäus "nicht das was es ist", wie Pressesprecher Ulf Santjer bei der kleinen Talkrunde feststellte. Lothar selbst sprach dann auch sein Lob aus. Und zwar der Fußball-Kollegin Nadine Keßler. Die 28-Jährige ist genauso wie der 55-jährige Rekord-Nationalspieler Weltfußballer(in). Aber die Champions-League "hat sie dreimal öfter gewonnen als ich", sagte der Franke. Für die Teilnehmer war der Besucher zweier Weltfußballer und vielfacher Titelträger in der Sportstadt allemal ein Erlebnis.


Rote Helme

Seine Freude drückte auch Bürgermeister German Hacker (SPD) aus, Zunächst über die gelungene Farbwahl bei den knallroten Helmen zum Spatenstich — ganz im Gegensatz zum schwarzen Minister. Und dann darüber, dass das Markenzeichen der Stadt Herzogenaurach, nämlich die Sportartikel-Industrie, eine weitere Wertschätzung erfuhr. "Andere haben das Auto erfunden", sagte Hacker. "Aber die Sportartikel kommen nun mal aus Herzogenaurach."