Ein Ruck geht durch das Karpfenland! Nach zehn Jahren geht der Verein Karpfenland Aischgrund von der reinen Ehrenamtlichkeit in die Professionalität: Mit "Karpfenland Travel", einer Incoming-Agentur unter dem Dach des Vereins, und starken Partnern wollen die Profis Sandra Hammer und Helmut Dresel Bewegung in den Aischgrund bringen. Allerdings benötigt das Tourismus- und Karpfen-Vermarktungsprojekt Unterstützung: Neben den zugesagten Mitteln aus dem Europäischen Fischereifonds wollen Partner, Sponsoren, Mitglieder, Kommunen und die Gastronomie das Projekt anschieben, wie in der Hauptversammlung des Vereins deutlich wurde.

15 Gemeinden gehören dazu

Alle waren sie gekommen, die "Paten", die Karpfenland-Vorsitzender Gerald Brehm mit ins Boot nehmen will: Die Bürgermeister von etlichen der insgesamt 15 Gemeinden im Karpfenland, das sich von Adelsdorf über Ipsheim hinaus bis nach Marktbergel erstreckt. Die Teichgenossenschaften als wichtige Verbundpartner waren ebenso vertreten wie Kreissparkasse und Banken, Unternehmer und natürlich Höchstadts "Karpfenpapst" Martin Oberle. Sie alle setzen bei der Tourismus- und Karpfenvermarktung auf die Vernetzung des gesamten Aischgrunds.

Vorsitzender Gerald Brehm hielt eine zündende Rede über all das, was sich in zehn Jahren ehrenamtlicher Arbeit in den Landkreisen Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und Erlangen-Höchstadt entwickelt hat. Nun sei die Ehrenamtlichkeit an ihre Grenzen gekommen. Eine Förderung aus EU-Mitteln ermögliche die Agentur "Karpfenland Travel". Zwei Projekte wurden eingereicht: Die Ausbildung von Karpfenland-Führern und die Incoming-Agentur, bzw. deren Personalkosten, die mit 80 Prozent gefördert werden. Brehm hat jedoch weitere Projekte in petto: "Wir wollen Weltkulturerbe werden!" Die 1200 Jahre andauernde bäuerliche Teichwirtschaft rechtfertige diese Würdigung.

Karpfen und Kultur verbinden

Dem Höchstadter Stadtoberhaupt schwebt außerdem ein "Kala-Markt" für Karpfen, Wein, Bier und regionale Produkte gepaart mit einem Kulturprogramm in der Innenstadt vor. Und - Brehm will die Gemeinde Pommersfelden mit dem Schloss ins Karpfenland integrieren. Paul Graf von Schönborn sei von der Idee begeistert.
Die Gesamtverantwortung für den Aischgrund "geht nur mit einem Schulterschluss", betonte Adolf Wedel von der Teefirma Martin Bauer. "Wir stehen hinter dieser Idee und gehen den Weg mit." Wedel sieht die Region unter dem Aspekt der "drei K's": Karpfen, Kräuter Kren.

"Auch wir sind dabei, wenn es darum geht, die noch fehlenden 20 Prozent heranzuschaffen", versicherte Kreisparkassendirektor Herbert Fiederling. Der Vorsitzende der Teichgenossenschaft, Walter Jakob zeigte sich "stolz darauf, dass die Teichwirtschaft das verbindende Glied im gesamten Karpfenland ist". Abende wie dieser seien für ihn ein Highlight: "Man merkt, dass man getragen wird!" Adelsdorfs Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) sieht den Aischgrund unter der Überschrift "Leben, wo es am schönsten ist." Die Kommunen hätten für diese Lebensqualität sehr viel geleistet.

Ein leidiges Thema war für Brehm die vom Finanzamt nachgeforderte Umsatzsteuer. Inzwischen sei man mit dem Finanzamt weitgehend im Reinen. Es laufe auf einen Kompromiss hinaus. Allein für die Jahre 2007 und 2008 wurden 6289 Euro, insgesamt jedoch 15.000 Euro eingefordert. Nach Brehms Worten "ein Hammer, mit dem niemand gerechnet hat". Im Moment setzt Brehm auf eine "Good-Will-Vereinbarung" mit der Behörde. "Wenn wir ein paar tausend Euro zurück bekommen, werden wir die Petition zurückhalten." Ein Vorschlag, den die Versammlung einstimmig billigte.

Haushalt einstimmig verabschiedet

Ebenso einstimmig wurde der Haushalt 2013 - vorgetragen von Monika Firnkäs - verabschiedet. Die Personalkosten machen darin rund 87.000 Euro aus. Was die Agentur an Leistung erbringt, stellten Sandra Hammer und Helmut Dresel vor. Die beiden Profis verstehen sich als Koordinatoren und Vermittler für Reisen, Stadtführungen, historisch-kulinarische Genusstouren, Natur- und Kräuterwanderungen, Kinder-, Ferien- und Erlebnistouren.

Die Agentur organisiert darüber hinaus die Schulung künftiger Karpfenland-Reiseleiter. 24 Personen hätten sich bereits zur Reiseleiter-Schulung fest angemeldet. "Das sind alles Bausteine, die das Büro anbietet", betonte Dresel. An einem starren Rasterprogramm will der Reiseexperte jedoch nicht festhalten. Der Kunde sei König und jeder solle sich im Angebot wiederfinden. "Schauen Sie uns auf die Finger. Besuchen Sie uns in der Agentur", forderte Hammer die Anwesenden auf. Sitz von "Karpfenland Travel" ist Obere Brauhausgasse 3 in Höchstadt.