"In diesem Fall hatte der Bauherr unseres Erachtens einen Anspruch auf die Erteilung der Baugenehmigung", teilte das Landratsamt Erlangen-Höchstadt dem FT auf die Anfrage mit, warum die Behörde einem Vorhaben zustimmte, das der Höchstadter Bauausschuss vorher mit 6:4 Stimmen abgelehnt hatte.

Es geht immer noch um den Antrag von Martin und Ingrid Hock auf "Neubau eines Pferdestalls mit einer landwirtschaftlichen Maschinen- und Bergehalle". Der Stall soll unmittelbar unterhalb des Geländes der Firma Medwork am Gewerbegebiet Aischpark entstehen und stand im Bauausschuss schon mehrmals auf der Tagesordnung.


CSU war dafür

Anfang Mai hatte der Ausschuss das Vorhaben mehrheitlich abgelehnt. Die Vertreter von Junger Liste und SPD stimmten der rund 300 Quadratmeter großen Halle nicht zu und folgten damit den Argumenten der Verwaltung. Das Vorhaben liege im Außenbereich und im festgesetzten Überschwemmungsgebiet der Aisch. Auch die Abwasserbeseitigung sei nicht geklärt.

Die Vertreter der CSU im Ausschuss sahen das anders. Sie und auch die Antragsteller verwiesen schon in der Sitzung darauf, dass Wasserwirtschaftsamt und Landratsamt zustimmen würden. Das hat die Stadt Höchstadt inzwischen auch schriftlich bekommen.

Das Landratsamt habe "das durch die Stadt verweigerte Einvernehmen ersetzt", teilt stellvertretende Pressesprecherin Ramona Roth mit. Die Ablehnung des Bauausschusses sah das Amt als "rechtswidrig" an. Das Vorhaben liege zwar im Überschwemmungsgebiet, die Wasserrechtsbehörde könne aber "die Errichtung einer baulichen Anlage unter engen Voraussetzungen von Einzelbauvorhaben genehmigen, wenn sie hochwasserangepasst ausgeführt wird".

Diese wasserrechtliche Genehmigung sei durch das Umweltamt erteilt worden und auch das Wasserwirtschaftsamt hatte keine fachlichen Bedenken, so Ramona Roth. Zudem sei der Bauherr Landwirt und das Vorhaben laut einer Stellungnahme des Amtes für Landwirtschaft privilegiert.

Die bäuerliche Zukunft ihrer Familie sieht Ingrid Hock bedroht: "Wenn wir dort nicht bauen dürfen, ist es mit dem letzten landwirtschaftlichen Betrieb in Höchstadt vorbei." Die Hocks betreiben einen Bauernladen mit eigenen Produkten und bieten Kutschfahrten an. Den Betrieb möchten sie an ihre beiden Söhne übergeben, die ihn ebenfalls im Nebenerwerb weiterführen sollen.

Alle Flächen am Aischpark - fast 15 000 Quadratmeter - hätten sie von der Stadt gekauft oder getauscht, sagt Ingrid Hock. Und gerade wegen der Landwirtschaft müsse man in den Außenbereich. Dort soll jetzt eine Maschinenhalle und ein kleiner Stall für zwölf Pferde gebaut werden.

Der Standort für dieses Vorhaben gefällt Gerald Fischer überhaupt nicht. Der geschäftsführende Gesellschafter der Firma Medwork, die endoskopisches Instrumentarium herstellt und weltweit vertreibt, fürchtet einen Pferdestall unweit seiner Grundstücksgrenze. Medwork arbeite mit Reinraumtechnik im medizinischen Bereich und dann die Gerüche eines nebenan stehenden Pferdestalls ...

Als Fischer das Grundstück gekauft hat, hätte er gerne auch mehr genommen. Er durfte mit seinem Firmengelände aber nicht ins Hochwassergebiet und habe Baugrenzen einhalten müssen. Diese Grenzen würden jetzt aufgehoben, ärgert sich der Unternehmer, der allein in Höchstadt über hundert Mitarbeiter beschäftigt.

Ob Gerald Fischer rechtlich gegen die vom Landratsamt erteilte Baugenehmigung vorgeht, lässt er offen. Falls der Stall gebaut wird, werde sein Unternehmen aber am Standort Höchstadt wohl "nicht weiter produktionstechnisch investieren". Er will zudem der Frage nachgehen, ob dieses Bauvorhaben im Hochwassergebiet überhaupt als privilegiert eingestuft werden kann.

Höchstadts Bürgermeister Gerald Brehm (JL) ist mit der Entscheidung des Landratsamtes "nicht zufrieden". Die Stadt wolle niemanden blockieren, aber beim Ausbau der Fortuna Kulturfabrik und den Planungen für das Einkaufszentrum an der B 470 habe das Überschwemmungsgebiet auch nicht angetastet werden dürfen.
Brehm versteht Investor Fischer: "Der ist davon ausgegangen, dass im Überschwemmungsgebiet nicht gebaut wird."

Besonders ärgern den Bürgermeister auch verbale Attacken des Antragstellers. Nicht der Bürgermeister habe allein entschieden, sondern die Mehrheit im Ausschuss. Brehm: "Niemand kann die Stadt durch persönliche Diffamierungen unter Druck setzen."