Nein, ein Leben ohne Musik gehe gar nicht, beantwortet Ingrid Geyer die an sie gerichtete Frage. Seit früher Jugend ist Musik ein fester Bestandteil im Leben der waschechten Mühlhäuserin. Mit Unterbrechungen sitzt sie seit mehr als dreißig Jahren auf dem Orgelstuhl der evangelischen Pfarrkirche Maria und Kilian. Am 7. Mai, dem Sonntag "Jubilate", wird die Organistin im Gottesdienst für ihre langjährigen Dienste geehrt.

"Dem Bär's Walter sei Pfeiferla", sagten die Leute gerne, erinnert sich ihre Mutter Betti Bär. Denn als Kind sei die kleine Ingrid meist pfeifend unterwegs gewesen. Schon im Elternhaus sei gerne gesungen worden, erzählt Ingrid Geyer. In der Schule war es dann Lehrer Dietrich Schicha, der sie zum Flötenspiel führte. "Als Teenager", etwa in der fünften Klasse, habe sie bei Eleonore Engert in Mühlhausen mit dem Klavierunterricht begonnen. Das lag nahe, denn "meine Tanten hatten ein Klavier".

Als die Klavierlehrerin aus Mühlhausen wegzog, hatte Mutter Betti Bär die Idee, Ingrid könnte Orgelunterricht nehmen. Das habe der Pfarrer unterstützt: Der Dekanatskantor, Kirchenmusikdirektor Werner Krahnert aus Bamberg, habe seinen Schülern, unter ihnen auch die junge Ingrid, vor Ort Orgelunterricht erteilt.

"Nach der Konfirmation, so mit 14 oder 15 Jahren, war die Lust nicht so wahnsinnig groß", erinnert sich Ingrid Geyer. In dieser Zeit seien andere Dinge wichtiger gewesen. Auch während der Ausbildung zur Pharmazeutisch technischen Assistentin (PTA), die sie in Nürnberg absolvierte, rückte das Orgelspiel etwas in den Hintergrund. So richtig in der Kirche begann sie mit der Begleitung von Tauffeiern beim damaligen Pfarrer Franz Winter. "Meine erste Hochzeit war 1983 die von Hermann und Karin Gamperling", erinnert sich die Organistin. Die beiden kannte sie aus der Landjugend.

1986 legte sie in Bamberg die "Kleine Kirchenmusikerprüfung" ab und die Chorleiterprüfung gleich mit. Seit vielen Jahren leitet Ingrid Geyer den gemischten Chor des örtlichen Gesangvereins und sie ist Gruppenchorleiterin der Sängergruppe Höchstadt.

Allein könne man das Amt der Organistin jedoch nicht ausüben. Man brauche Unterstützung, daher wechseln sich zwei oder drei Organisten jeweils an den Sonntagen ab.


Bereicherung fürs Leben

Einen Lieblingskomponisten oder ein Lieblingswerk hat die Mühlhäuserin nicht. Aber es zieht sie sehr zur neueren Kirchenmusik. "Da hat sich sehr viel getan in den letzten Jahren!" Ihr größter Wunsch wäre Nachwuchs aus der eigenen Gemeinde. "Wir nehmen jeden, der anfangen möchte, mit Handkuss." Weil sie das Orgelspiel als sehr bereichernd fürs Leben empfindet, kann sie es nur weiter empfehlen. Nicht nur, wenn die Sonnenstrahlen an einem schönen Sonntagmorgen durch die Fenster der noch leeren Kirche fallen. "Man erfährt auch so viel an Glaubensbildung!"