Er nahm an vier Fußball-Weltmeisterschaften teil und holte dreimal den Titel. Er wurde zum Sportler des Jahrhunderts ernannt und gilt als bester Fußballer aller Zeiten. Er schoss 1281 Tore und ist mit 77 Treffern Rekordtorschütze der brasilianischen Nationalmannschaft. Edson Arantes do Nascimento, genannt Pelé, ist die schwarze Perle Brasiliens. Und: Pelé ist ein Puma. Als langjähriger Star der Sportmarke hat es den Ausnahmefußballer auch nach Herzogenaurach verschlagen; zwar nur dreimal in seiner Laufbahn, aber die hatten es in sich.

Ein Herzogenauracher kennt Pelé, der heute seinen 75. Geburtstag feiert, sicher besser als die meisten anderen: Helmut Fischer. Der Marketingexperte, der bei der Raubkatze die Verträge mit den Sportlern aushandelte, erinnert sich noch gut an das Jahr 1982. Damals kam Pelé nach Franken, um elf Jahre nach seinem Rückzug aus der Nationalmannschaft seine neue Kollektion vorzustellen.


Mit Olympiasiegern

"Das war ein Riesenempfang im Auracher Hof", erinnert sich Fischer. Klaus Wolfermann und John Akii-Bua waren dabei, zwei Olympiasieger von 1972. Und natürlich Pelé. "Ich hab damals die Fotos gemacht", sagt Fischer. Und berichtet, dass Akii-Bua, der Hürdenläufer aus Uganda, damals ein Flüchtling war. Er floh vor Idi Amin. Asyl fand er in Herzogenaurach, wo Pumachef Armin Dassler ihm eine Unterkunft besorgte.

Vier Jahre später traf Fischer Pelé ein zweites Mal. Und da lernte er ihn richtig kennen, als einen "geduldigen und zurückhaltenden Menschen". Der aber immer auch ein Auge auf die Frauen warf. "Pelé war ein Charmeur. Der hat nichts lieber gesehen als die Frauen", schmunzelt Fischer. Geduldig sei er gewesen, als es galt, die Stürme der Autogrammjäger zu bewältigen, erinnert sich der Herzogenauracher weiter. Fischer begleitete Pelé damals auf eine Promotion-Tour durch Deutschland. "Wir haben unsere besten Kunden besucht", sagt er. Und immer habe es Autogrammstunden gegeben. "Pelé war eine Ikone", berichtet Fischer. Der Andrang sei so groß gewesen, dass es der Fußballstar nicht schaffte, alle Autogrammkarten zu unterschreiben."Ich hab ihm halt geholfen", sagt der Puma-Mann augenzwinkernd. Da kam wohl das ein oder andere "Do Amigo Pelé" nicht komplett aus der Feder des Brasilianers.

Es war auch im Jahr 1986, als Pelé sich ins Herz der Stadt begab, in die Hauptstraße nämlich. Damals öffnete der Pumashop Lindner sein Domizil gegenüber dem Modehaus Mayer. Dort wo jetzt der FT-Servicepoint ist. Und Pelé kam und gab Autogramme. So einen Tumult in der Hauptstraße habe man selten gesehen, sagt Fischer. Und erinnert sich an die Chefin Anni Lindner, die wohl gar nicht so zufrieden war. "So viele Leute, und so wenig Umsatz", soll sie gesagt haben. Die beste Marketingaktion eines Sportladens aller Zeiten hat damals wohl mehr Pumachef Armin Dassler beeindruckt, aber weniger die Geschäftsfrau. Fischer muss schmunzeln, wenn er die Anekdote erzählt. "So war sie halt."


1958 vor dem Fernseher

Zum letzten Mal bisher war der Brasilianer 2006 in Herzogenaurach, während der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Pelé war damals als Repräsentant von Puma unterwegs. Zur WM 2014 erinnerte sich Pelé an Herzogenaurach und Fischer. Für einen Fernsehspot ließ er per Luftkurier seinen WM-Schuh von 1970 aus Herzogenaurach einfliegen. Er bedankte sich anschließend mit einem persönlichen Brief.

Und dann erinnert sich der 65-jährige Helmut Fischer, der 1978 zur Raubkatze kam und 2011 in Altersteilzeit ging, aber heute noch als Berater tätig ist, an ganz früher. 1958 spielte Pelé seine erste WM. "Wir saßen damals im FC-Sportheim", erinnert sich der heute noch bei den Alten Herren aktive Fußballer, "auf dem Boden, vor dem einzigen Fernsehgerät." Die Schülerspieler durften das Finale mit anschauen. Und da gewannen die Brasilianer gegen Gastgeber Schweden. Für die Herzogenauracher Fernsehzuschauer umso wichtiger, da ja Schweden zuvor Deutschland besiegt hatte und alle zu Brasil halfen.

"Seither", so Fischer, "war ich Fan von Pelé". Er spricht es aber "Behle" aus, wie Franken halt so sind. Auch nach all dieser langen Zeit.