Die aufgereihten Schönheiten im Schatten der Kirche St. Magdalena sorgten für Aufsehen und glänzende Augen. Es handelte sich aber nicht um erotische Stars und Sternchen oder Models aus Film und Fernsehen, sondern um Autos zu Beginn des vorigen Jahrhunderts und noch früher. Die Vehikel stammen aus einer Zeit als die Autos noch keine elektrische Hupen hatten, stattdessen eine Hupe aus Messing mit einem Blasebalg und dem herrlichen, klassischen "Oogah"-Geräusch, auch bekannt als der Klang der Hupe eines T-Ford. Bei den älteren Modellen sucht man auch vergebens die Blinkleuchten, stattdessen zeigten Fahrer und Beifahrer den Richtungswechsel mit einer Winkelkelle an.


Holzgerüst mit Blech

Zwischen 1908 und 1927 wurden von Ford in den Vereinigten Staaten etwa 15 Millionen Stück gebaut. Leider existiert heute nur noch etwa ein Prozent aller gefertigten Exemplare. Der Wagen hatte als Fahrgestell einen Leiterrahmen aus vernieteten U-Stahlprofilen, der Achsen, Motor, Kraftübertragung und die Karosserie aufnahm. Die auf einem Holzgerüst mit Blech beplankte Karosserie war ab Werk in vielen Varianten lieferbar. Henry Ford legte Wert auf einfachste Bedienung und Reparaturfreundlichkeit, so gab auch kein Getriebe mit Kupplung und Wählhebel. Sogar auf eine Kühlwasserpumpe und Ölfilter wurde verzichtet und auch eine Kraftstoffanzeige sucht man vergebens und es gibt auch keine Kraftstoffpumpe und keinen Ölmessstab.


Langlebige Autos

Die Konstruktion ist simpel und dadurch äußerst langlebig, fast alle Reparaturen können ohne Spezialwerkzeuge ausgeführt werden. Ersatzteile konnte man seinerzeit in jedem Eisenwarenladen in den USA bestellen, vieles war auf Lager. Unter den Autos aber auch Modelle von Buick, Cadillac, Renault und Peugeot. Die Stärke der Motoren begann bei 8 PS und ging immerhin bis 40 PS und 4700 Kubikzentimeter Hubraum.
Die außergewöhnlich betagten Fahrzeuge tuckerten durch die Region und die Oldtimerparade der Messingklasse legte in Herzogenaurach einen Stopp ein. Wie magisch angezogen pilgerten die Passanten zum Kirchenplatz, unterbrachen ihre Besorgungen und zückten die Handys, um die Knattermobile aus den Anfängen des automobilen Zeitalters abzulichten. Nach einem Empfang bei Bürgermeister German Hacker (SPD) im Rathaus und dem Mittagessen im Roten Ochsen und einer Stadtführung, tuckerten die Oldtimer nach Höchstadt und präsentierten sich vor der Aischtalhalle.
Waren das noch Zeiten, als Autos nicht mit Elektronik vollbepackt, und Chrom sowie Blech, Messing und Holz bei den Karosserien nicht von Leichtbau-Maßnahmen geprägt waren. Stattdessen bevölkerten klassische Mobile die Straßen, (fast) immer unverwechselbar und jedes davon mit seiner ganz eigenen Note. "Darf man sich da einen aussuchen", fragte Pfarrer Helmut Hetzel, der die Parade ebenfalls bestaunte.
Die Höchstadter Wolfgang Kinder und Reinhard Grasse holten die über 100 Jahre alten Autos in den Landkreis und so prangte an den Fahrzeugen auch der Hinweis Karpfenland.

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