Groß war der Andrang am Samstag bei Schaeffler in Höchstadt, als das Ausbildungszentrum seine Türen für alle Interessierten öffnete. Ausbilder und Azubis gaben den zahlreichen Besuchern qualifizierte Antworten und Auskünfte zu den Möglichkeiten der Berufsausbildung in der Firma. Auch über Online-Bewerbungen (künftig die einzige Möglichkeit der Bewerbung bei INA Schaeffler) konnte man sich schlau machen und erhielt Einblick in das Auswahlverfahren.

Die "aktiven Azubis" berichteten umsichtig und kompetent über ihre Erfahrungen im bisherigen Berufsleben und gaben viele wertvolle Tipps und Anregungen für die Berufswahl. In der weiträumigen, hellen Ausbildungshalle wurden praxisnah alle Ausbildungsberufe vorgestellt.

Kooperation zwischen Schaeffler Höchstadt und der Hochschule Mannheim

Auf besonderes Interesse stieß die Kooperation des Ausbildungszentrums mit der Hochschule in Mannheim, die das duale Studium Maschinenbau anbietet. Die beiden Azubis David Mildenberger und Christian Glass erklärten dies näher: "50 Prozent des Studiums entfallen auf die theoretische und 50 Prozent auf die praktische Ausbildung", so Glass. Die praktische Ausbildung erfolge im Betrieb mit Beteiligung an interessanten Projekten und in Mannheim bekomme man in anderthalb Jahren die theoretischen Grundlagen vermittelt. "Ein besonderer Vorteil ist, dass das erworbene theoretische Wissen sofort in der Praxis angewendet werden kann." Dadurch sei das duale Studium nicht ganz so theorielastig wie Uni-Studiengänge. Das duale Studium wird in Höchstadt angeboten. Dazu gibt es dann in Erlangen oder Herzogenaurach noch das "Two in One", welches die betriebliche Ausbildung mit dem Maschinenbaustudium an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule in Nürnberg verbindet. In viereinhalb Jahren absolvieren Schulabgänger so eine Betriebsausbildung, ein Grundstudium, ein Praxissemester, eine Facharbeiterprüfung, das Hauptstudium und den Bachelorabschluss.

Vor allem Mädchen will Schaeffler anlocken

Da bei INA Schaeffler gegenwärtig 80 Prozent der Azubis männlich sind, sollen vor allem auch Mädchen für technische Berufe begeistert werden. Dafür gibt es den Girls Day und Info-Techniktage extra für Mädchen.
Auch die Bemühungen um Optimierung der Fertigungsprozesse und Steigerung der Effektivität der Produktion schlagen sich in der Ausbildung nieder. Einer der Schwerpunkte hierbei ist das CNC-Drehen und Fräsen. Alle Parameter werden durch Computerprogramme gesteuert und laufen automatisch ab. Der Arbeitsprozess, der am Computer programmiert wurde, wird nur noch überwacht und die Genauigkeit geprüft.
Auch das "Move" ist ein Projekt zur Steigerung der Effektivität des gesamten Fertigungsprozesses, wie Azubi Tim Blankenbühler erläuterte. "Dabei spüren Azubis Reserven im Fertigungsprozess auf." In vier Gruppen aufgeteilt treten Azubis einen Wettstreit an, mit dem Ziel, in der Werkstatt möglichst viele Schwachstellen im Fertigungsprozess zu finden, um Material- und Zeit einzusparen.

Eduard Franke, Schüler der Mittelschule, hat im vergangenen Jahr bei INA schon sein Praktikum absolviert und fand Gefallen an der Ausbildung. Nun will er sich für einen Ausbildungsplatz bewerben.

Zum Praktikum gab der Ausbilder Walter Dressel detaillierte Auskünfte.

"Die Schüler sind eine Woche bei uns. Am Anfang steht ein wenig Theorie und ein paar Filme über die einzelnen Berufsmerkmale." Im Praxisteil lernen die Praktikante dann den Umgang mit dem Messschieber. Ziel des Praktikums ist zum Beispiel die Herstellung einer Gewindeplatte. Hierbei könne man das richtige Anreißen und das Schneiden auf Länge lernen, "selbstverständlich alles per Hand mit der Säge". Auch gefeilt, gekörnt, zentriert und poliert werde mit der Hand. Für Bohrungen lernen die Praktikanten die Bohrmaschine und andere Werkzeuge kennen. Das fertige Werkstück wird dann anhand eines Bewährungsbogens selbst kontrolliert.

Die Betreuung der Praktikanten erfolgt durch die Azubis im 2. Lehrjahr.

Der Ausbilder kontrolliert nur und gibt entsprechende Ratschläge. Der Kontakt der Praktikanten mit konventionellen Werkzeugmaschinen wie Dreh-, Bohr- oder Fräsmaschinen ist auch gewährleistet. Am Ende des Praktikums stehen dann Tests und Gespräche.

Dressel gab abschließend noch einen Überblick über den Verlauf der Ausbildung bei INA Schaeffler. Die Ausbildungszeit dauert dreieinhalb Jahre. "Besonders gute Auszubildende können schon nach drei Jahren abschließen." Die Berufsschule wird in Herzogenaurach besucht und umfasst zwei Tage pro Woche. Ausgebildet wird im Höchstadter Ausbildungszentrum im gewerblichen, technischen und kaufmännischen Bereich.

Viele der jugendlichen Besucher machten regen Gebrauch von den angebotenen praktischen Übungen mit der Feile oder ließen sich einzelne Arbeitsgänge von den Azubis an den Maschinen erklären. Ein kleines, an diesem Tag selbst gefertigtes Produkt konnten sie als Andenken an diesen Schnuppertag mit nach Hause nehmen.