Wäre doch eigentlich eine gute Möglichkeit, um alle alten Sachen loszuwerden, die man nicht mehr braucht. Das denken sich sicher viele Bewohner in Etzelskirchen, denen in den vergangenen beiden Tagen Zettel in den Briefkasten flatterten, auf denen eine angeblich ungarische Familie eine Sammlung für kommenden Montag, 24. Oktober, ankündigt.

Gesammelt wird alles, was man sich nur vorstellen kann: Fahrräder, Schaukeln, Autoreifen, Monitore, Möbel, Schmuck, Besteck, Uhren, Computer, Rasenmäher bis hin zu abgemeldeten alten Autos und vielem mehr. "Wir nehmen alles, was sie nicht brauchen", steht auf dem Zettel, der nicht ganz fehlerfrei gehalten ist. Die Sachen sollen vor dem Haus deponiert und zwischen 12 und 18 Uhr abgeholt werden.


Nicht zulässig

Im Umweltamt des Landratsamtes Erlangen-Höchstadt hat dieser Zettel die Beamten aktiv werden lassen. "Die Sammlung ist nicht zulässig", teilt Sachgebietsleiter Hans Leuchs mit. Er warnt die Bevölkerung, sich daran zu beteiligen. Wer ohne Erlaubnis sammelt, müsse mit einer Geldbuße von mindestens 100 Euro rechnen. Bei Wiederholungstätern könne das Bußgeld auch höher ausfallen.

Die eingesammelten Sachen werden dem Sammler abgenommen und entsorgt. Eine Sammlung sei immer anmeldepflichtig. Als Bürger dürfe man auch nicht einfach seine Sachen rausstellen, mahnt das Landratsamt. Wie Leuchs mitteilt, habe das Amt die Polizei bereits informiert.

Für Höchstadts Polizeichef Jürgen Schmeißer stellt sich die Frage, ob es sich hier wirklich um Nothilfe handelt, oder ob sich jemand gewerbsmäßig ungerechtfertigt bereichert. Schmeißer sieht die Sammelaktion "emotional nicht unbedingt verwerflich".

Er versteht aber das Landratsamt, das nicht möchte, dass alle möglichen Sachen auf der Straße oder dem Gehweg herumstehen. Das Amt will die Bürger darüber informieren, dass mit der Sammlung nicht einer armen Familie geholfen wird, sondern eine Bereicherungsabsicht im Vordergrund steht.


Sammler schon einmal gestellt

Der Initiator dieser Sammlung ist der Polizei bereits bekannt. Wie Schmeißer erläutert, waren die gleichen Zettel im August in Herzogenaurach verteilt worden. Beim Einsammeln der Sachen hat ihn damals eine Streife ertappt und er bekam eine Anzeige.

Der Höchstadter Polizeichef ist allerdings nicht davon überzeugt, dass ein Bußgeld den Sammler in der Zukunft von seinem Vorhaben abhält. Schmeißer: "Selbst 500 Euro Bußgeld zahlt er gerne, wenn er mit der Sammlung 3000 Euro machen kann." Trotzdem werde die Höchstadter Polizei am Montag versuchen, den illegalen Sammler in Etzelskirchen wieder zu erwischen.