Sie ist eine der letzten Kirchweih des Jahres - die Kerwa im Aurachtaler Ortsteil Neundorf. Und das bekommen Gäste wie Akteure oftmals gleichermaßen zu spüren. Doch auch diesmal ließen sich viele Menschen, trotz der kalten Temperaturen, den Höhepunkt der "Neidorfer Kerwa", den Umzug mit der "Kerwas-Sau", nicht entgehen.
Unter den Schaulustigen befand sich auch Manfred Führer, der Bürgermeister der Aurachachtaler Partnergemeinde Reichen fels in Kärnten. Er verfolgte gemeinsam mit den drei Aurachtaler Bürgermeisten das Spektakel.


Begeisterte Reichenfelser


Im letzen Jahr waren zwei Reichenfelser Bürger bei der "Neidorfer Kerwa" dabei und erzählten daheim von der Kultveranstaltung im fränkischen Neundorf mit seinen rund 170 Einwohnern. Die österreichischen Gäste konnten ihren Bürgermeister und viele Reichenfelser von dem kleinen fränkischen Dorf überzeugen, und so kam aus der Partnergemeinde in diesem Jahr gleich ein ganzer Reisebus nach Aurachtal.

Die Kerwa in Neundorf ist bei Insidern seit jeher ein Begriff. Viele Kirchweihfreunde nternehmen gerne einen Abstecher in das kleine Dorf an der Landkreisgrenze. Der Aurachtaler Ortsteil Neundorf wurde 1341 erstmals urkundlich erwähnt und 1978 in die Gemeinde Aurachtal eingegliedert.


Stadel statt Wirtshaus


Schon in früheren Jahren, damals war es eine reine Wirtshaus-Kerwa, ging in Neundorf die Post ab und noch heute machen Gschichtle von längst verstorbenen Originalen die Runde.

Das Wirtshaussterben ging aber auch an Neundorf nicht vorüber. Das Dorfwirtshaus gibt es zwar noch, macht aber keine Kerwa mehr und das legendäre Schopper-Wirtshaus wurde abgerissen. Kein Grund für die Neundorfer, die Kerwa aufzugeben - die Kultveranstaltung nennt sich jetzt halt "Stodl-Kerwa."

In der Ortsmitte wurde eine Scheune von Gerhard Stadie in einer Gemeinschaftsaktion um- und ausgebaut, sogar ein Bierkeller befindet sich um Untergrund und der Stodl ist auch beheizbar. Dort gastiert auch in jedem Jahr die Theatergruppe des Heimat- und Gartenbauvereins und außen steht dann "Theater-Stodl."


Irgendwann kommt alles raus


Zurück zur Kerwa. In einem kleinen Dorf, wie es Neundorf eben ist, bleibt nichts verborgen und irgendwann kommt alles mal raus. Die Ortsburschen, die sich überwiegend aus Mitgliedern der Feuerwehr zusammensetzen, und die Madle organisieren jedes Jahr die Kerwa und haben keine der Begebenheiten vergessen. Hinter der Kerwa steht das ganze Dorf. So wird wie früher in jedem Haus gebacken, die Küchle, Kuchen und Torten werden dann am Sonntag im Stodl serviert.

Den musikalischen Auftakt am Freitag machte "Pipeline" aus Neustadt, das Duo spielt so ziemlich alles was angesagt ist, von Walzer bis Hardrock. Dem Vernehmen nach soll die Nacht sehr kurz gewesen sein. "Weil's da so schön warm war, semmer halt a wenig länger da blieb'n", hieß es am Samstagmittag. Die (meisten) Ortsburschen waren aber wieder fit, holten den Baum, der innerhalb kürzester Zeit stand und bereiteten sich auf die kalte Nacht der Baumwache vor.


Legendärer Frühschoppen


Ebenfalls in Neundorf ein Begriff sind "Klaus & Meggy". Wenn die beiden Musiker auftreten, ist nicht nur gute Stimmung, sondern auch ein langer Abend garantiert. "Die müssen furchtbare Sachen in die Gläser eini' gschitt hamm, ich bin jetzt noch ganz damisch", meinte ein Reichenfelser, verborgen hinter einer Sonnenbrille, am Sonntagnachmittag zu seinem Bürgermeister.

Besonders legendär ist in Neundorf der Kerwasfrühschoppen am Montag, der nahtlos über den Dämmerschoppen in den Abend übergeht. Da werden stundenlang Kerwaslieder gesungen und unter den Ortsteilen sowie den Besuchern wird so mancher Wettstreit ausgetragen. Dass dies auch musikalisch gelang, dafür sorgte "Rohrer-Spatz."


Die Kerwa-Sau geht voran


Und - weil eben in einem kleinen Dorf wie Neundorf nichts vergessen wird, warteten zahlreiche Zuschauer darauf, wen es diesmal beim Umzug erwischt. Besonders gespannt waren natürlich etliche Neundorfer, denen im Laufe des Jahres ein Missgeschick passierte, ob es wohl sie treffen würde. Angeführt von der "Kerwa-Sau", der Blasmusik und den Ortsburschen fuhren die Wagen ins Dorf.

Am Ende des Umzuges, auch das ist schon eine lange Tradition in Neundorf, machen die Kerwaswagen und die Ortsburschen einen Stopp am Ehrenmal. Dort wird dann der Verstorbenen gedacht und an diejenigen erinnert, die nicht mehr dabei sein können.


Wer war Herbert?


Aber sie kamen diesmal einigermaßen gut weg, es traf allererst einen in kommunalen Kreisen bekannten ehemaligen Neundorfer, der jetzt in Münchaurach wohnt. "Der oder Das Schlamm-barth" prangte am Wagen und an der Seite war das Geschehnis genüsslich nachzulesen. Allerdings betonte der vermeintlich Angesprochene, von dem beschriebenen Ausrutscher in den Mühlbach nichts zu wissen: "Es gibt noch mehr Leute die Herbert heißen", meinte er.

Eine besonders schlaue Idee hatte der Fritz. Er machte sich mit dem Staubsauger auf Spinnenjagd, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit. Fritz war ständig mit dem Sauger unterwegs. Das missfiel natürlich auch seiner Frau Petra, da immer wieder der Staubsauger lärmte und auch der Sohn nicht schlafen konnte. Das Pikante daran war, dass die Spinnen im Staubsaugerbeutel ja nicht tot sind, also hat sie Fritz kurzerhand eingefroren.

Die Neundorfer wissen natürlich wer gemeint war, lachten schadenfroh und waren froh, nicht gespielt worden zu sein. Diese Schadenfreude könnte ihnen aber im nächsten Jahr vergehen, wenn es heißt: "Ja do hot's wos geb'n und des woar recht schee, do wer mer des nächste Johr widder her geh'!"