Wer kümmert sich stundenweise um die pflegebedürftige Mutter, wenn die Kinder berufstätig sind? Wohin mit Kindergarten- und Schulkindern, wenn die Eltern Schicht arbeiten? Diese Fragen zu Versorgungs- und Betreuungslücken beschäftigen eine Vielzahl von Familien. Gerade für Alleinerziehende, ältere Einzelpersonen, aber auch für zugezogene ausländische Familien ist eine Unterstützung hilfreich und sehr wertvoll.
Dazu kommt, dass sich der demografische Wandel mehr und mehr bemerkbar macht. Deshalb haben sich in den letzten Jahren in einer Reihe von Gemeinden Nachbarschaftshilfen oder Netzwerke zusammengefunden, die Kinder ebenso wie Senioren betreuen.
"Die Nachbarschaftshilfe durch beispielsweise Einkaufs-, Fahr- und Besuchsdienste für ältere Menschen ist in einer Gemeinde sehr wichtig" betont Jutta Leidel von der Kontaktstelle für bürgerschaftliches Engagement des Landkreises Erlangen-Höchstadt. Schließlich seien in den Dörfern nahezu alle Einkaufsmöglichkeiten verschwunden und auch ein Arztbesuch sei für Senioren schon eine halbe Weltreise. Aber auch Kinder und Jugendliche können in Form von Schüler-Coaches, Lesepaten und dergleichen unterstützt werden.

Vorbild kommt aus Kronach

Jutta Leidel organisierte inzwischen schon zwei Netzwerktreffen im Landkreis, bei denen sich Menschen der Nachbarschaftshilfen und Netzwerke kennenlernen, Erfahrungen austauschen und neue Ideen entwickeln konnten. "Mein Ziel ist es, dass sich in jeder Gemeinde des Landkreises eine Nachbarschaftshilfe organisiert", erklärte Leidel bei dem dritten Treffen in Großenseebach. Ihr sei auch bewusst, dass bei vielen Menschen, die eigentlich Hilfe benötigen, die Hemmschwelle sehr hoch ist, um Unterstützung zu bitten. Deshalb seien eben die Dorfbewohner gefordert, um eine Nachbarschaftshilfe aufzubauen, wie es zum Beispiel in Heßdorf und Großenseebach bereits geschehen ist. Jutta Leidels Vision sind Nachbarschaftshilfen, die sich über die Gemeindegrenzen hinaus vernetzen.
Deshalb hatte Jutta Leidel zum dritten Treffen ins Großenseebacher Rathaus neben den Nachbarschaftshilfen auch Vertreter von Sozial- und Wohlfahrtsverbänden, Pflegediensten und Beratungsstellen eingeladen, um eine mögliche Zusammenarbeit auszuloten und über bestehende Angebote zu informieren.
Wie ein landkreisweites Netzwerk funktioniert, stellte Antje Angles vom BRK Kronach vor. "Lebensqualität für Generationen" heißt das deutschlandweit einmalige Projekt mit einer festangestellten Betreuungs- und Versorgungsmanagerin. Der Hintergrund: In nahezu allen stadtfernen Regionen Franken leben insgesamt immer weniger, aber immer ältere Menschen. Im nördlichen Landkreis Kronach sei auch wegen der Abwanderung der jüngeren Bewohner in die Städte dieser demografische Wandel früher und deutlicher zu spüren als andernorts, also brauchte man auch früher als andernorts Lösungen für die dadurch entstehenden Probleme.
Der Verband arbeitet im Rahmen des Netzwerks "Lebensqualität für Generationen" mit der Seniorengemeinschaft Kronach zusammen - und das mit Erfolg. Antje Angles stellte den 30 Teilnehmern in Großenseebach vor, wie Verbände, Pflegedienste und Nachbarschaftshilfen zusammenarbeiten. Mit ins Boot geholt wurden Landkreis und Gemeinden ebenso wie Firmen und weitere Partner. So konnten die meisten Versorgungs- und Betreuungslücken geschlossen werden. Die Unterstützung beginnt beim Babysitting und geht über Kita- und Schulkinder bis zu den Senioren. Mittels einer umfangreichen Datenbank werden Hilfesuchende und Helfer zusammengebracht.
Antje Angles sprach in Großenseebach von einem Erfolg. Die Lebensqualität der Familien sei die höchste in der Region, Familien ziehen nicht mehr weg, sondern zu. Dadurch sei auch der Mangel an Arbeitskräften zurückgegangen. "Unser Betreuungssystem wirkt wie ein Stoppschild gegen den demografischen Wandel", schloss Antje Angles.