Vor wenigen Tagen 19 Jahre alt geworden und seit Freitag Bierkönigin in Röttenbach: Nadine Gumbert ist die fünfte Majestät auf dem Bierthron in der 5000-Seelen-Gemeinde. Nur wenige Tage hat sie nach der Anfrage von Bürgermeister Ludwig Wahl (FW) im Juli gebraucht, um zuzusagen. Diadem und Schärpe erhielt sie von Vorgängerin Tatjana Thönnißen überreicht.

"Ich finde es unheimlich interessant, die Gemeinde zu vertreten", erzählt sie über ihre Beweggründe für den schnellen Entschluss. "Schwierig war es nur, die ganze Sache geheim zu halten. Überall wird ja spekuliert und gefragt, wer etwas weiß. Ich musste immer ein möglichst unbeteiligtes Gesicht dazu machen." Erschwerend kam noch hinzu, dass ihr Freund Sven ein Kerwasbursch ist. Er wusste natürlich Bescheid, aber auch er hat allen gegenüber dichtgehalten.

Ausgewählt wurde sie nach Wahls Vorstellungsworten im vollgefüllten Festzelt, weil sie eine echte Röttenbacherin ist und enorm engagiert im örtlichen Vereinsleben. Schon seit ihrer Geburt ist sie Mitglied der Röttenbacher Blasmusik - passiv zwar, aber immer dabei. Sie ist Tänzerin des Jahres bei den "Besenbindern", dem Karneval-Club Röttenbach, gemeinsam mit ihren Kolleginnen dort Deutsche Meisterin im Schautanz und überall mit Freude dabei.

Beruflich als Tourismuskauffrau beim ADAC tätig, kennt sie sich auch in der Region und darüber hinaus sehr gut aus. Ihre neue Würde ist ihr also quasi auf den Leib geschneidert. "Ich weiß noch nicht genau, was auf mich zukommt an Verpflichtungen. Aber ich werd' sie schon meistern", zeigte sie sich überzeugt.

Ihre erste Amtshandlung war gleich der Bieranstich, bei dem sie dem Bürgermeister assistiere. Wahl hatte von Gastwirt Herbert Sauer heuer erstmals eine Schürze zum Schutz der Kleidung überreicht bekommen - eine Anspielung wohl auf das kleine Malheur, das ihm letztes Jahr beim Anstich passiert war. Heuer spritzte aber nichts - im Gegenteil. Obwohl der Hahn nach zwei Schlägen richtig saß, wollte das Bier nicht richtig fließen. Ein kleiner Pfropf am Ventil, und schon konnten die Maßkrüge gefüllt werden.

Die ersten Schlucke erhielten die Kerwasburschen, die heuer auf zehnjähriges Bestehen zurückblicken können. Hervorgegangen aus dem Stammtisch "Alte Bräuche", zum größten Teil die Eltern der jetzigen Kerwasburschen, planen die "Hopfendoldis" die Gründung eines Vereins. Darin sollen sich ältere und jüngere Kerwabewahrer zusammenschließen und ihre Freude an den alten Bräuchen an die Nachfolgenden weitergeben.

Auch Oberortsbursche Tobias Sandel will dann ins zweite Glied zurücktreten und hofft auf einen geeigneten Nachfolger. "Jetzt ist aber erst mal Kerwa", meinte der Tobi "Unser Jubiläum, das feiern wir später, und dann sehen wir auch, ob das mit dem Verein was wird."

Der Kerwaauftakt am Freitag hatte wie jedes Jahr zahlreiche Ehrengäste angelockt. Bundes- Landes- und Lokalpolitiker aller Couleur, die örtlichen Vertreter beider Kirchen, Banken-, Wirtschafts- und Behördenvertreter, alle waren gekommen, um gemeinsam mit den Röttenbacher Bürgern zu feiern. Der Baum am Samstag maß 30 Meter - ein stattliches Exemplar also, das die Röttenbacher Kerwa verkündet.