"Nachspielen kann jeder", sagt Helmut Zeiler. Er und sein Bruder Alfons sind die kreativen Köpfe der sechsköpfigen Gruppe "Die scho widdä", die ausschließlich "selbst gestrickte" Lieder und Kompositionen zum Besten gibt. Die "Frangnband", wie sich die Gruppe auch nennt, zusammengewürfelt aus Spielern aus Bamberg, Höchstadt und Umgebung, präsentiert sich am heutigen Freitag um 22 Uhr im Bayerischen Fernsehen in der Sendung "Franken sucht den Supernarr".
Im ersten Halbfinale wetteifern die sechs Franken zusammen mit acht weiteren Kandidaten und Gruppen, die sich als außergewöhnliche Faschingstalente aus ganz Bayern um Titel und Sieg bewerben. Jeweils drei Bewerber aus dem ersten und dem zweiten Halbfinale (am 31. Januar) kommen weiter ins Finale am 7. Februar. Dem oder den Siegern winkt dann ein Live-Auftritt in der Kultsendung "Fastnacht in Franken" aus Veitshöchheim. Was nicht nur ein Millionenpublikum verspricht, sondern auch Sprungbrett für eine weitere Karriere sein kann.
"Die scho widdä" spielen weder den Zillertaler Hochzeitsmarsch noch irgendeinen Titel von Andrea Berg. Sie covern grundsätzlich nichts. "Wir sind beharrlich geblieben und haben uns nicht überreden lassen, andere Sachen als die eigenen zu spielen", betont Helmut Zeiler. Die Vielfalt hat dennoch nicht darunter gelitten: Helmut (Teufelsgeige, Akkordeon) und Alfons Zeiler (Gitarre, Klarinette, Saxophon), Lothar Wagner (Bass), Lothar Voit (Gesang), Manfred Wagner (Akkordeon) und Robert Fritsch (Blasinstrumente) spielen praktisch jede Art von Musik - immer aber "auf fränkisch". Traditionelles wie Walzer und Polka ebenso wie Tango, Reggae oder Rock 'n' Roll. Bei Bier- und Brauereifesten, auf fränkischen Kellern und bei diversen Kulturvereinen sind sie aufgetreten und fanden mit ihrer spaßigen "hand- und hausgemachten Wirtshausmusik" ein begeistertes Publikum.
Helmut und Alfons Zeiler sind als gebürtige Pommersfeldener praktisch im Schatten von Schloss Weissenstein aufgewachsen. Ihr Cousin Lothar Wagner, "Balo" genannt, was ihn als "Bass-Lothar" von "Jolo", dem "Jodel-Lothar", Lothar Voit aus Possenfelden unterscheidet, kann sogar von sich behaupten, "im Schloss geboren zu sein". Hinzu kommt "Fritschi", Robert Fritsch, ebenfalls ein Pommersfeldener Urgewächs und mit allem vertraut, was das Blech an Blasinstrumenten hergibt.
Manfred Wagner, Akkordeonspieler aus Bamberg, ist als Letzter zur Gruppe gestoßen, hat aber die Initiative ergriffen: "Mensch, das wär' was für uns", sagte sich der Bamberger, der die Supernarr-Sendungen schon in den Vorjahren beobachtet hatte. Ohne, dass die übrigen Bandmitglieder etwas wussten, forderte er Bewerbungsunterlagen an, sandte Fotos und Demos ein. "Ich hatte es schon fast vergessen", sagt er, als sechs Wochen später die Einladung zum Casting im Nürnberger Studio Franken ins Haus geflattert kam.
60 eigene Spielstücke hat die "Frangnband" inzwischen im Repertoire. "Mit unserer Musik passen wir nicht in das normale Schema", sind sich die Zeiler-Brüder einig. Alfons Zeiler, laut seinem Bruder "für die romantische Schiene und sehr persönliche Lieder zuständig", hat bereits im Alter von 14 Jahren die "Traummelodie", eine immer noch zauberhafte Komposition geschrieben.
"Das läuft alles im Kopf ab", sagt Alfons, der passionierte Jäger, dem viele Stücke in der Stille auf dem Hochstand einfallen. "Zuallererst braucht man aber ein Thema." Und Thema ist "alles, was um uns rum passiert", sagt Helmut Zeiler. Ihm kommen die meisten Stücke beim Autofahren. Wenn er in seinem Beruf als Kaufmann lange Strecken nach Passau oder Köln zu bewältigen hatte, fuhr er oft "schnell mal raus auf die Raststätte, um die Texte zu Papier zu bringen". Für ihn zählt übrigens die gleiche Maßgabe wie bei den Olympischen Spielen: Dabei sein ist alles! "Allein wenn wir unsere eigenen Stücke einem großen Publikum vorspielen können, ist das eine tolle Sache."