Eine Minute innehalten und an die Opfer denken. Europaweit gab es gestern Mittag um 12 Uhr eine Schweigeminute. So auch am Gymnasium in Höchstadt. Der Schüleraustausch mit Frankreich werde heuer sicher anders ausfallen, sagt Lehrerin Sabine von der Emde-Frank (siehe Kommentar unten). Die Trauer und das Entsetzen über die Barbarei der IS-Terroristen in Paris ist auch bei den Menschen im Landkreis Erlangen-Höchstadt groß.


Gedenkmarsch in Erlangen

In Erlangen gibt es heute Abend, 18.30 Uhr, einen Gedenkmarsch. Das deutschfranzösische Institut und die Stadt haben dazu aufgerufen. Treffpunkt ist der Rathausplatz, von dort aus geht es auf den Hugenottenplatz. Es gehe darum, Trauer zu zeigen und ein solidarisches Zeichen gegen Terror zu setzen.

Christian Deisel, Verkehrspolizei Erlangen: "Die Kollegen sind sensibilisiert"

"Klar bewegt uns das Schicksal der Menschen in Paris", sagt Christian Deisel, Sprecher der Verkehrspolizei Erlangen. Das Entsetzen über die Gewalttat sei groß. Für die Kollegen auf Streife hätten die Anschläge aber zunächst keine weiteren Auswirkungen. "Es gibt momentan keine verstärkten Kontrollen. Sie sind sowieso schon stark. Aber die Kollegen sind sensibilisiert. Sie sind jedoch per se auf Gefahrensituationen eingestellt." Bei Autokontrollen mache es wenig Unterschied, ob ein Polizist einen Drogenschmuggler, einen Menschenschlepper oder einen Terroristen vor sich hat. Gefährlich könne es immer werden. "Das soll aber nicht heißen, dass wir business as usual machen."

Lubna Al-Hosari, Asyl-Kümmerin in Höchstadt: "Ich habe Angst, wie alle in Europa"

"Ich habe von meinen Brüdern, die das Fußballspiel gesehen haben von den Explosionen in Paris erfahren", sagt Lubna Al-Hosari, die sich als Angestellte der Stadt Höchstadt um Flüchtlinge kümmert. Am nächsten Tag habe sie über CNN das Ausmaß erfahren. "Auf Facebook war bei vielen syrischen Flüchtlingen der syrische Pass, der bei einem der Täter gefunden wurde, ein Thema. Alle haben Angst, dass nun alle Muslime oder Flüchtlinge als Terroristen gelten." Gestern sei sie erschrocken als sie am Nürnberger Hauptbahnhof Polizisten mit Maschinenpistolen gesehen hat. "Ich habe Angst, wie alle in Europa. Mein Herz ist mit den Menschen in Paris. Wir sind doch alle Menschen."

Sabine von der Emde-Frank, Lehrerin Gymnasium Höchstadt: "Hoffentlich findet der Austausch statt"

"Ich weiß nicht, was wird. Es ist noch alles unsicher. Aber ich hoffe, der Austausch findet statt", sagt Sabine von der Emde-Frank. Die Französischlehrerin am Gymnasium Höchstadt organisiert regelmäßig den Schüleraustausch mit der französischen Partnerschule. Sie stehe per E-Mail in Kontakt mit den Kollegen in Frankreich. "Die müssen nach dem Schock natürlich erstmal zu sich kommen." Nach Paris werde man aber sicher nicht fahren. "Schon 2005, als es Unruhen in den Banlieues gab, hatte die Regierung für Schülergruppen verboten nach Paris zu kommen. Und nun herrscht wieder der Ausnahmezustand. Vielleicht fahren wir stattdessen nach Versailles. Wir werden sehen."

Marion Galster-Schalk, Busunternehmerin: Marion Galster-Schalk, Busunternehmerin"Deshalb werden wir nichts ändern"

"Wir haben Paris momentan nicht im Programm. Zum Glück", sagt Marion Galster-Schalk, Busunternehmerin aus Wachenroth. Paris ist ein beliebtes Ausflugsziel. Viele fahren in den Weihnachtsferien oder zu Silvester dorthin. Doch selbst wenn die französische Hauptstadt gerade im Angebot der Busreiseziele wäre: "Ich denke, ich würde nicht hinfahren. Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Im Moment hätte ich ein mulmiges Gefühl", sagt Galster-Schalk. Trotz der Angst dürfe man sich aber nicht vom Terror beeinflussen lassen: "Wir werden weiterhin die Ziele anfahren, genau so, wie wir es geplant haben. Wir werden uns deshalb nicht verändern." Es bleibe einem ja auch gar nichts anderes übrig.

Astrid Dresel, Reisebüro in Höchstadt: "Jetzt erst recht ins Pariser Leben"

"Sollen wir dem Terror weichen? Soll Angst und Schrecken unser tägliches Handeln bestimmen? Soll die Fußball-EM doch nicht in Frankreich stattfinden? Wenn nein, wo wäre sie sicherer aufgehoben?" Diese Fragen stellt sich Astrid Dresel, Leiterin eines Reisebüros in Höchstadt. Ihre Antwort: "Jetzt erst recht ins Pariser Leben". Dresel geht nicht davon aus, dass der Tourismus leiden wird. Von ihrem Verband habe es schon einen Aufruf gegeben, anstatt einen Rückzieher aus dem Geschäft mit Frankreich-Reisen zu machen, eine Sonderreise Paris zu veranstalten. Bewusst die Kunst und Kultur, die Mode, die Geschichte oder ganz einfach das leichte Leben erleben. Es gehe darum, ein Zeichen zu setzen.