Schließlich kam er doch noch zustande: der historische Spatenstich, der in Mühlhausen, ja im gesamten Landkreis, eine neue Ära einläutet. Denn die Windkraftanlagen von Mühlhausen werden die ersten im Kreis Erlangen-Höchstadt sein. Da war ein Gläschen Sekt durchaus angebracht.
Zunächst drohte am Freitagabend ein heftiger Gewitterschauer den symbolträchtigen Schritt, zu dem sich Offizielle und Gesellschafter der Bürgerwindenergie Mühlhausen auf dem "Pöppelberg" versammelt hatten, zu verhindern. Dann aber wurde es licht auf der Anhöhe zwischen Mühlhausen und Decheldorf, unweit des Pfennigsteins.
Obwohl es eigentlich nur noch um den formellen Auftakt ging, war dies sicher ein wichtiger Moment für alle, die sich in die vier Windkraftanlagen eingebracht haben. Die Infrastruktur sei bereits hergestellt, erklärte Erich Wust vom Markt Erlbacher Projektbüro "Wust, Wind und Sonne", der zugleich Geschäftführer der Bürgergesellschaft ist.
Wust und seine Tochter Nadine Paulus, die das Bürgermodell managen, haben in Mühlhausen zwar kein bestelltes, wohl aber ein gut vorbereitetes Feld vorgefunden, als sie das Projekt im Frühjahr 2012 in der Marktgemeinde vorstellten. Vor allem Otto Kirchner habe gute Vorarbeit geleistet und die Grundstückseigentümer vereint, betonte Wust. "Tiefgreifende Widerstände hat es hier nicht gegeben."
Als Vorbehaltsfläche für Windenergie sei die Fläche im Regionalplan ohnehin schon ausgewiesen gewesen. Auch das Landratsamt habe sich hinter die Anlage gestellt. Innerhalb weniger Monate habe die rechtskräftige Baugenehmigung vorgelegen. Angeschoben und dazu beigetragen, dass die modernen Windmühlen im Rahmen eines Bürgermodells realisiert werden können, habe auch der Markt Mühlhausen.
Dass etliche Verträge erst in den letzten Wochen unterzeichnet wurden, hatte Wust nicht verunsichert: "Wir haben es hier mit Geschäftspartnern zu tun, bei denen das gesprochene Wort noch gilt."

20,5 Millionen werden investiert


In die Windkraftanlagen bringen sich 226 Gesellschafter mit einer Kapitalanlage von sieben Millionen Euro ein. Fünfzig Prozent der gezeichneten Anteile seien bereits einbezahlt. 13,5 Millionen der insgesamt 20,5 Millionen Gesamtkosten haben die Sparkassen Höchstadt und Neustadt/Aisch bereit gestellt. Höchstadts Direktor Herbert Fiederling bezeichnete den Spatenstich daher als einen "großen Tag für Mühlhausen". Es handle sich wahrscheinlich um die bislang größte Investition in der Marktgemeinde.
Fiederling zeigte seine Freude darüber, dass das Projekt von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung unterstützt wird. "Durch diese Anlagen sind wir auf 18 Jahre miteinander verbunden", sagte der Sparkassendirektor. Das sei allerdings nur der Finanzierungszeitraum, wandte Erich Wust ein. Tatsächlich sollen die Windkraftanlagen länger laufen. Denn erst danach sei "das Sahnehäubchen" für die Gesellschafter zu erwarten.
Für Bau und Infrastruktur zeichnet als Generalunternehmer die Firma Juwi mit Firmensitz in Wörrstadt (Rheinland-Pfalz) verantwortlich. Deren Projektmanager Maximilian Nowak ist guter Dinge, dass Anfang Dezember das erste Windrad in Betrieb geht. Er rechnet ab Oktober mit der Errichtung und plant für ein Windrad sieben Tage ein. Als spannendsten Moment bezeichnete Nowak den Zeitpunkt, an dem die Großkräne für die 140 Meter hohen Windräder eintreffen. Nowaks Wunsch "gut Wind" wäre durchaus geeignet, in den Sprachgebrauch der Marktgemeinde aufgenommen zu werden.
"Ein ehrgeiziges Projekt - das war uns von Anfang an klar", betonte Vizebürgermeister Gerhard Kreß (FW), der den im Urlaub weilenden Klaus Faatz (CSU) vertrat. Kreß wünscht sich eine unfallfreie Bauphase und, "dass alles gut über die Bühne geht".
Zum Spaten griff auch Dieter Emmerich, eines der Vorstandsmitglieder von Ewerg, der im März gegründeten Erlanger Bürgerenergiegenossenschaft. Deren Mitglieder haben zusammen 200 000 Euro in die Mühlhausener Anlage investiert.