Am letzten Wochenende passierte etwas Erstaunliches. Meine Tochter nahm morgens Anlauf, sprang ins Bett und mir auf den Bauch. Es ertönte ein "Aua" und ein skeptischer Blick in Richtung Bauch."Papa, Du bist gar nicht mehr so dick!" Abgesehen davon, dass ich der Meinung bin, dass ich nie dick war, sondern eher kräftig gebaut bin, war ich überrascht. Immerhin war dieses neunjährige Wesen nicht ganz unschuldig an den Planungen einen Marathon zu laufen. Und nun dieses Kompliment.

Dachte ich, denn wie Mädchen in diesem Alter so sind, kam gleich hinterher: "Aber für 42 Kilometer ist es immer noch zu viel! Das schaffst Du nicht mehr!" In einem hat sie Recht, es sind seit dieser Woche nur noch 30 Tage bis zu dem Lauf. Ich finde die 96 Kilogramm (Startgewicht 111) durchaus tragbar.

Der Ernst der Lage wurde mir dann noch mal bewusst, als der Brief der Frankfurt-Marathon-Organisatoren im Briefkasten lag. Die Anmeldung war erfolgt - es gab keinen Grund mich abzulehnen. Startnummer 7025, Altersklasse M40, Startzeit 10.10 Uhr im Rosbacher Block. Nett ist der Hinweis: "Kommen Sie so früh wie möglich zum Start. Unnötige Hektik und Nervosität behindern Sie nur in der Erbringung Ihrer persönlichen Bestleistung, für die Sie monatelang trainiert haben." Na ja, zwölf Wochen halt...

Schneller Lauf


Die letzten Tage gehen vermutlich schnell rum, Grund genug sich mal mit Frankfurt auseinanderzusetzen. Im Internet unter www.bmw-frankfurt-marathon.com findet sich alles Spannende zu diesem Lauf. Die Streckenkarte zeigt auf, wie die rund 15 000 Starter kreuz und quer durch Frankfurt laufen, ohne sich in die Quere zu kommen, oder andere Läufer auszubremsen. Die möglichen Abkürzungen habe ich mir schon mal angezeichnet. Ja, auch in diesem Falle weiß ich, dass es sich um einen alten Marathonwitz handelt, der mir nicht zusteht.

Weniger hilfreich ist der Verweis darauf, dass Frankfurt zu den schnellsten Strecken weltweit gehört. Der Kenianer Wilson Kipsan erzielte 2010 in der Zeit von 2:04:57 einen neuen Streckenrekord. Mit dieser Bestzeit ist der BMW Frankfurt Marathon zum viertschnellsten Marathon der Welt aufgestiegen. Auch der Streckenrekord der Damen fiel im Jahr 2010. Caroline Kilel, ebenfalls aus Kenia, verbesserte den Streckenrekord auf 2:23:25. Die Strecke verläuft hauptsächlich auf breiten Durchgangsstraßen. Sie ist sehr flach, 27,8 Meter Höhendifferenz verteilen sich auf die Laufstrecke. Davon ist eine Unterführung laut mancher Kommentatoren, die größte Hürde.
Rein touristisch betrachtet biete die Strecke vor allem in der Innenstadt imposante An- und Aussichten. Wobei ich nicht wirklich daran glauben mag, dass der Marathonläufer an sich dies wirklich wahrnimmt. Vielleicht gibt es daher auch die exakt beschriebenen Abschnitte im Internet zu finden, um zumindest im Nachhinein die Strecke nochmals zu visualisieren.

Die ersten Kilometern führen durch die Innenstadt der deutschen Börsenmetropole mit ihrer beeindruckenden Skyline, dann geht es über Umwege in den Stadtteil Höchst, wo der älteste deutsche Stadtmarathon im Jahr 1981 aus der Taufe gehoben wurde. Nach einigen Kilometern durch die Frankfurter Innenstadt geht es wieder Richtung Messeturm und der dortigen Festhalle. Über einen roten Teppich geht es dort hinein, wo Messen sind, wo Konzerte von Weltkünstlern stattfinden. Auf einem roten Teppich laufe man unter dem Jubel von bis zu 8000 Zuschauern ein. Ob diese Erkenntnis wiederum eher beruhigend ist, ist für mich nur schwer einzuschätzen.
Beim Rennen selber wird der Läufer mit isotonischen Getränken (zum Schluss gibt es sogar Cola) und Schwämmen versorgt. Das mit den Schwämmen ist mir noch nicht klar, da ich davon ausging, dass ich nach dem Lauf duschen darf. Nein, im Ernst, diese sind ebenfalls zur Erfrischung da und sollen auch dazu dienen Salz aus dem Gesicht zu wischen.

Nochmals zurück zur Tochter; die kam auch zur Erkenntnis, dass der Lauf ganz schön lange dauern könnte, denn sie bemerkte so ganz nebenbei: "Wenn Du dünner wärst, bräuchtest Du nicht so lange und wir müssten nicht einen halben Tag doof rumstehen!" Tja, Motivation ist alles.

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