Mit ihrem Blütenhonigfest machten die Höchstadter Imker einmal mehr auf die Sonderstellung von Bienen aufmerksam. "Das Fest mit einem Tag der offenen Tür hat bei uns lange Tradition", erklärt Vereinsvorsitzender Hannes Neumeier.

Seit dem Jahr 2000 ist das Vereinsgelände mit einem Lehrbienenhaus am Galgenberg in Höchstadt-Süd zu finden. 83 Imker zählt der Verein, der seit 1896 besteht. Mit steigender Tendenz, wie Neumeier berichtet. "Vor allem in letzter Zeit haben wir großen Zuwachs bekommen", freut sich der Höchstadter.

Den Grund für diese Entwicklung sieht er in einem gesteigerten Umweltbewusstsein: "Das Bedürfnis nach naturbelassenen Produkten steigt. Viele Menschen wollen diese sogar selbst erzeugen". Wie komplex, zeit- und kostenintensiv das Hobby der Imkerei in Wirklichkeit ist, könnten sich jedoch die wenigsten vorstellen.

Um Theorie und Praxis miteinander zu vereinen, bietet der Höchstadter Imkerverein allen Neuimkern eine Bienenpatenschaft an. "Interessierte können so testen, ob das Ganze wirklich etwas für sie ist", erklärt Neumeier.
Er selbst steht den Höchstadter Imkern seit mehr als 30 Jahren vor und freut sich, seine langjährige Erfahrung an den Vereinsnachwuchs weiterzugeben. Immerhin weiß er genau: "Imkerei basiert im Wesentlichen auf Erfahrung". Schließlich gestalte sich jedes Jahr anders und je nach äußeren Umständen träten jährlich neue Probleme im Rahmen der Bienenzucht auf. So sei bei den Imkern im Raum Höchstadt beispielsweise im vergangenen Winter durchschnittlich die halbe Völkerzahl gestorben.

Varroamilbe bedroht die Völker

Die Folge: Frische Völker müssen gekauft und mit ihnen ein Neustart gewagt werden. Als Hauptursache für diese dramatische Entwicklung vermuten Experten die so genannte Varroamilbe. Sie ist vergleichbar mit einer Zecke und hat den gleichen Brutzyklus wie Bienen. Weil sie als Parasit an Bienen lebt, sind die Honiglieferanten zum Absterben verurteilt.

"Außerdem haben diese Milben Sekundärerreger an sich, die Bienen infizieren und dafür sorgen können, dass der Nachwuchs beispielsweise ohne Flügel zur Welt kommt", erklärt Hannes Neumeier.

Ebenfalls nicht zu unterschätzen sei die Negativwirkung von Gifteinträgen aus Pflanzenschutzmitteln. "Insekten werden so flächenweise vernichtet. Aber gegen die immense Lobby der Pharmakonzerne kommt man eben nicht an", kritisiert Neumeier. Er berichtet, dass sich auf dem Höchstadter Vereinsgelände aktuell Hunderttausende Bienen tummelten. Das größte Volk bestehe aus 50 000 Tierchen.

Dass in der Bevölkerung großes Interesse an der Bienenzucht besteht, machten die Besucherzahlen am Sonntagnachmittag deutlich. Kaum ein leerer Platz war auf dem großen Außengelände zu finden. Bei Kaffee und Kuchen informierten sich die Gäste nicht nur über die Bienenhaltung, sondern auch über die Herstellung von Honig.

Doch auch der direkte Kontakt mit den Tieren sollte nicht zu kurz kommen. Wer es sich zutraute, durfte die vollbesetzte Wabe eines Bienenvolkes selbst in die Hand nehmen und das geschäftige Treiben von etwa 2000 Bienen auf Augenhöhe betrachten. Besonders die Augen mussten dabei aber auch geschützt werden. "Bienen werden von Glänzendem angezogen. Deshalb solltet ihr im Notfall eure Augen unbedingt mit den Händen verdecken", riet Hannes Neumeier den überwiegend jungen Zuschauern dieses kleinen Spektakels.

Sie erfuhren auch, dass etwa 80 Prozent der blühenden Pflanzen von Bienenbestäubung abhängig sind und die Tiere deshalb einen unverzichtbaren Bestandteil des Ökosystems darstellen. Auch erläuterte der Experte den Unterschied zwischen Bienen und Wespen, der für Laien trotz offensichtlicher Merkmale oft nur schwer auszumachen sei. Mit etwas Glück konnten die Besucher auch die auffällige Bienenkönigin im Gewusel entdecken und einen Größenvergleich zu den Arbeiterinnen und Drohnen anstellen.


Nicht nach den Bienen schlagen

Besonders wichtig sei es in jedem Fall, niemals nach den Bienen zu schlagen, sagt Hannes Neumeier. Diese gingen in einem solchen Fall nämlich in Angriffshaltung. Im Endeffekt seien sie aber weitaus weniger gefährlich als ihr Ruf: "Die Bienen sind gar nicht so stechwütig wie viele denken".

Als Highlight stand an diesem Nachmittag noch das Bienenwettfliegen auf dem Programm. Je drei Flugbienen wurden hierfür farbig markiert und freigelassen. Für die Besucher galt es zu erraten, welche "Rennbiene" sich als erste ihren Weg in das Flugloch ihres Heimat-Bienenstocks bahnt.