Chiara Herold und Luise Lorenz berichten aus Kaya: Seit zwei Monaten sind wir nun in Kaya. Mittlerweile haben wir uns gut in die afrikanische Kultur eingelebt, können Smalltalk in der Landessprache Mòoré halten und meistern die chaotischen Verkehrsverhältnisse in Kaya.
Nachdem uns bei der Anreise zunächst die armen Lebensverhältnisse der Menschen einen kleinen Kulturschock versetzt hatten, haben wir sehr schnell gemerkt, was für ein aufgeschlossenes und lebensfrohes Volk die Burkinabes sind. Hier in Burkina Faso nutzen die Menschen jede Gelegenheit zum Tanzen aus, nach dem Motto: "Wenn das Essen und die Stimmung passen, wieso soll man dann nicht tanzen?" (Zitat Alizata Dabiré-Sawadogo, Hochkommissarin, die in Juni 2014 in Herzogenaurach war).
Den Frauen und Männern in Afrika scheint das Rhythmusgefühl schon in die Wiege gelegt, was wir bei unserer Arbeit im Waisenhaus "Oasis des enfants" sehr schnell merkten. Noch nie zuvor hatten wir dreijährige Kinder gesehen, die sich zu "Frère Jacques" (Bruder Jakob) so gut im Takt bewegen konnten wie hier.
Wir stellen immer wieder fest, was für eine große Rolle die Musik im Leben der Afrikaner spielt. Aus fast jedem schattigen Plätzchen hört man die Menschen singen und trommeln. Wer spontan die Lust empfindet, setzt sich dazu und spielt Gitarre, tanzt oder trinkt einen Tee mit. Dabei ist jeder willkommen. Seitdem wir uns zwei "Gembes" gekauft haben und ein Trommellehrer schnell gefunden war, sind wir Teil des afrikanischen Lebens geworden. Zusammen mit Freunden aus Kaya wird einmal pro Woche musiziert.
Es ist beeindruckend, was für eine rhythmische Musik die Menschen hier spontan kreieren. Vor allem von der Musik Bob Marleys lassen sich die Musiker inspirieren und sehen das Leben eher "doucement doucement" (sachte, sachte).
Dass sich die Uhr in Afrika anders dreht als in der Heimat, bekamen wir schnell zu spüren. Unser zusammen mit der Stadt Herzogenaurach detailliert ausgetüftelter Zeitplan wurde hier spontan umorganisiert. Das lag zum einen an technischen Problemen, zum anderen an den unterschiedlichen Auffassungen bezüglich Pünktlichkeit und Terminvereinbarungen. In Afrika können sich Treffen schon einmal um ein paar Stunden verschieben, was sich durch alltägliche Probleme wie platte Reifen oder schlechte Straßenverhältnisse erklären lässt.

Großes Interesse an Deutschland

Im Endeffekt hat jedoch alles gut geklappt, und wir konnten die Zeit hier gut nutzen, um die von Herzogenaurach unterstützten Projekte zu besuchen. Dazu gehörten unter anderem: Ocades (burkinische Caritas), das Waisenhaus (evangelisch), die katholische Schwesterneinrichtung SIC, ein Gymnasium und die Grundschule Tiwéga. Es war beeindruckend zu sehen, wie diszipliniert die Kinder lernen, obwohl zum Teil über 80 Schüler in einem kleinen Klassenzimmer bei 40 Grad saßen.
Auch das große Interesse der Jugendlichen an uns und der deutschen Kultur hat uns sehr gefreut. Die Schüler im Gymnasium löcherten uns mit Fragen über das Leben in unserer Heimat. Vor allem an dem Leben der Jugendlichen in Deutschland, deren Hobbys, Musikgeschmack und der bayrischen Ess- und Bierkultur.
Sehr viel diskutiert wurde über die Frage, ab welchem Alter man heiraten sollte, da es zu diesem Thema sehr große Unterschiede in den zwei Kulturen gibt. In Burkina Faso wird deutlich früher geheiratet. Viele Mädchen, die das Gymnasium abschließen, waren bereits verlobt und sehr erstaunt darüber, dass wir es nicht sind.
Bei SIC wurden wir sehr herzlich aufgenommen und haben mit den Mädchen dort gewebt, genäht sowie traditionell afrikanisch gekocht. Vor allem das Batiken und Tanzen dort hat uns sehr gut gefallen. Die kirchliche Organisation betreut Mädchen im Alter von 15 bis 21, die vor der Zwangsehe geflohen sind.
Wir sind gespannt auf die noch anstehenden Projekte und werden die verbleibende Adventszeit mit Guaven und Papaya statt Lebkuchen und Glühwein verbringen.