Die Maikundgebung des DGB in Herzogenaurach stand unter dem Motto "Die Arbeit der Zukunft gestalten wir", und das ganz im Zeichen des Mindestlohnes. "Den jetzt klagenden Arbeitgebern sei ins Stammbuch geschrieben: Den gesetzlichen Mindestlohn gibt es deshalb, weil ihr über Jahre die Löhne gedrückt und den billigen Jakob gemacht habt. Jetzt müsst ihr mit dem Mindestlohn leben", rief Lisa Mongs unter dem Beifall der rund 120 Kundgebungsbesucher. Die 2. Bevollmächtigte der IG Metall Erlangen war die Hauptrednerin bei der Maikundgebung in den Weihersbachanlagen.

Neben Lisa Mongs konnte Ortskartellvorsitzender Thomas Mölkner auch Landrat Alexander Tritthart, Bürgermeister German Hacker (SPD) und die SPD-Bundestagsabgeordnete Martina Stamm-Fibich begrüßen. Am 1. Mai vor einem Jahr war es der erste offizielle Auftritt des damals neu gewählten Landrates gewesen. Tritthart ging beleuchtete in seinem Grußwort besonders die Asylpolitik und wies darauf hin, dass derzeit 500 Flüchtlinge und Asylsuchende im Landkreis betreut werden.

Mehr Flüchtlinge erwartet

"Das ist ein Thema, das uns sehr bewegt", erklärte der Landrat und sagte voraus, dass eine neue Flüchtlingswelle auf Deutschland und damit auf den Landkreis zurollt. "Wir müssen jetzt alle an einem Strang ziehen" und Tritthart bat auch die Gewerkschaft um Unterstützung und sowohl auf die Politik, als auch auf Arbeitgeber einzuwirken, damit die Flüchtlinge im Zeichen des Fachkräftemangels schnell in den Arbeitsmarkt integriert werden.

Ähnlich argumentierte Bürgermeister Hacker, der aber auch auf das gescheiterte Bürgerbegehren zur Stadtumlandbahn einging und eine Lösung der Verkehrsproblematik einforderte. So sei Herzogenaurach nicht nur ein wichtiger Arbeitsstandort in der Metropolregion mit über 20 500 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen, sondern müsse auch täglich nahezu 16 000 Einpendler verkraften.

Thomas Mölkner forderte eine solidarische und gerechte Arbeitswelt sowie einen politischen Wandel in Europa ein. So sei der Mindestlohn nur der erste positive Schritt gewesen, dem weitere folgen müssten. In Mittelfranken sei in den letzten zehn Jahren die prekäre Beschäftigung um 30 Prozent gestiegen. "Egal ob Werkverträge, Leiharbeit, Minijobs oder Teilzeitarbeitsverhältnisse, es müssen klare Regelungen her", forderte Mölkner. Er kritisierte, dass die Bundesregierung den Konflikt den Gewerkschaften überlasse und die politischen Vertreter sich aus der Verantwortung stehlen würden.

Lisa Mongs ging mit der Politik und den Arbeitgebern etwas härter ins Gericht. Das Mindestlohngesetz zeige die Schludrigkeit der bisherigen Arbeitszeiterfassung auf. Mons erteilte außerdem der Rente mit 67 eine klare Absage und verwies auf die Einkommen, die nicht ausreichen, um den Lebensunterhat zu bestreiten. Die Rednerin sagte auch immer stärker werdende Altersarmut voraus. "Wenn selbst Durchschnittsverdiener 33 Jahre ununterbrochen arbeiten müssen, um die Grundsicherung zu erreichen, dann stimmt was nicht in unserem Land", kritisierte die Rednerin die Pläne zu Verlängerung der Lebensarbeitszeit.

Nach den mehr als einstündigen Reden intonierte schließlich die Band "Marshall and Friends" das Lied "Brüder, zur Sonne, zur Freiheit" und die "Worker Wheels" aus Erlangen informierten über ihre sozialen Projekte.