Die Eisenteile stammen höchst vermutlich aus einer Bewehrung, den Metallmatten, die man beim Betonieren verwendet. Mit einer Flex oder mit einem anderen Metall schneidenden Werkzeug wurden sie zerkleinert, bevor sie ihren Weg auf das Maisfeld nördlich von Medbach gefunden haben.

Wie genau sie dort hingekommen sind, das muss nun die Polizei aufklären. Vor allem die Frage, wer auf einem Maisfeld Metallteile in den Boden steckt, wissend, dass diese den Maishäcksler bei der Ernte schwer beschädigen können. Der Landwirt hatte das Teil noch bemerkt, bevor es vollends in die Maschine geraten konnte.


Waren Biogasgegner am Werk?

Das Hauptaugenmerk bei den Ermittlungen liege auf Gegnern von Biogasanlagen, sagt Jürgen Schmeißer, Polizeichef von Höchstadt. Es sei zu vermuten, dass sich die Tat gegen den Maisanbau zur Gewinnung von Strom richtet. Seit langem ist manchen Menschen der Mais, der für Biogasanlagen angebaut wird, ein Dorn im Auge. Ackerflächen werden dazu verwendet, Energie statt Nahrungsmittel zu produzieren. Auf dem Weltmarkt würde dann den ärmeren Ländern Getreide weggekauft, so der Vorwurf. Nahrungsmittel verbrennen: Für manche ist das moralisch verwerflich.

Doch wer geht soweit und wird zum straffälligen Saboteur? Schmeißer schätzt, dass der oder die Täter genau wissen, was sie tun: "Es wurden Vorbereitungen für die Tat getroffen, bei denen man schon ein bisschen Bescheid wissen muss." Die Polizei bittet die Bevölkerung um Hinweise auf verdächtige Beobachtungen an dem Feld nördlich von Medbach. Schmeißer weist darauf hin, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt: "Wir haben quasi jedes Jahr mindestens einen solchen Fall im Raum Höchstadt." Letztes Jahr etwa habe es zwei Fälle auf Maisfeldern bei Lonnerstadt gegeben. Dass es sich keinesfalls um eine Bagatelle handelt, betont Robert Ort. Der Vorsitzende des Bauernverbands Erlangen-Höchstadt wurde selbst Opfer einer solchen Aktion. Schon vor 18 Jahren - lange vor dem Biogas-Boom - habe er Metallteile auf einem seiner Felder gefunden, die Schaden anrichten sollten.


Lebensgefährliche Geschosse

"Der Sachschaden kann in die Zehntausende gehen. Viel schlimmer ist aber, dass Lebensgefahr für die Landwirte besteht", sagt Ort. Ein solcher Eisenstab könne mit Wucht die Verkleidung des Häckslers durchstoßen und zu einem lebensgefährlichen Geschoss werden. "Nicht umsonst herrscht bei Mähmaschinen an Straßenrändern ein Abstandsgebot." Da neben einem Maishäcksler immer ein Traktor herfahren muss, bestehe für den Fahrer im Fall von umherfliegenden Metallstücken äußerste Gefahr. "Und dann reden wir von Tötung", sagt Ort.

Dass in Medbach Gegner von Biogas-Mais am Werk waren, müsse nicht zwangsläufig der Fall sein. Es gebe viele Möglichkeiten. Konkurierende Landwirte "oder einfach Maisgegner", sagt Ort. Bis zu drei Meter hoch kann in guten Jahren eine Maispflanze wachsen. Das finde nicht nur Freunde, sagt Ort vom Bauernverband.


Nicht jeder Mais wird verheizt

Angenommen, die Tat richtet sich gegen Mais für Biogas: Es hätte "den Falschen" getroffen, sagt Schmeißer. Denn der Medbacher Mais werde nicht verheizt, sondern ganz gewöhnlich verwendet. Der Landwirt nutze den Mais ausschließlich als Futter für seine Kühe.