Die Bürger haben gesprochen: Die Wachenrother Windräder sollen nicht gebaut werden. Das Bürgerbegehren "Sag Ja zu 10 H" war mit 582 Ja-Stimmen (bei 454 Nein-Stimmen) erfolgreich.

Ihm stand ein Ratsbegehren für den Bürgerwindpark gegenüber, dem 512 Bürger ihr Ja gaben. 552 aber stimmten mit Nein. Die Stichfrage war bei diesem eindeutigen Ergebnis nicht notwendig. 1721 Stimmberechtigte der 2200-Einwohner-Gemeinde waren aufgerufen, zur Urne zu gehen. 1082 hatten ihre Stimme abgegeben. Die Wahlbeteiligung lag somit bei 62,9 Prozent.


Kein Jubel, aber Beifall

Dazu hatten ganz wesentlich die Stimmberechtigten des Wahllokals im Weingartsgreuther Kronensaal beigetragen. Wie Wolfgang Knorr von der Interessengemeinschaft hören ließ, lag dort die Wahlbeteiligung einschließlich Briefwahl bei 72,5 Prozent. In Wachenroth waren die Wähler nicht so eifrig, was zumindest schon auf ein sehr knappes Ergebnis schließen ließ.

Die Spannung stieg als kurz nach 19 Uhr die ersten Bürger aus dem Weingartsgreuther Wahllokal im Rathaus eintrafen. Unter ihnen Erich Weichlein, Sprecher der Bürgerinitiative und etliche seiner Mitstreiter. "Es schaut gut aus", antwortete Weichlein zuversichtlich auf die Frage, wie es in Weingartsgreuth so gelaufen sei.

Kurz nach 19.30 Uhr gab dann Abstimmungsleiter Markus Schramm im Sitzungssaal des Rathauses das vorläufige Ergebnis bekannt. Jubel brach daraufhin zwar nicht aus, Beifall war von den Gegnern der Anlagen jedoch schon zu hören. Die Gemeinde ist jetzt erst einmal ein Jahr lang an dieses Ergebnis gebunden.

"Ich habe mit einem knapperen Ergebnis gerechnet", sagte Weichlein im anschließenden Interview. Ja, jetzt gebe es im Weingartsgreuther "Bunker" eine "After-Wahl-Party", freute er sich. Nach eigenen Worten hat ihn der Kampf gegen die Windräder zwar nicht die Nerven gekostet, wohl aber viel Zeit.


Kampf um 10H geht weiter

Etwa ein Dutzend Leute hätten mit ihm zusammen im "engeren Kreis" gearbeitet. Ihnen und ihren Familienangehörigen wolle er großen Dank sagen, denn sie hätten in den letzten Wochen auf einiges verzichten müssen. Sein Dank galt auch den Wahlhelfern, die für die Bürgerentscheide eine Sonderschicht einlegen mussten.

Jetzt stehe als nächstes das Windrad im gemeindefreien Gebiet an, betonte Weichlein. "Wir haben versucht, den Leuten die 10H-Regelung näher zu bringen." Auch für dieses Windrad müsse eine Freistellung von 10H beantragt werden. Das sei jedoch erst möglich, wenn man wisse, wo genau die Anlage stehen werde und wie hoch das Windrad sei.

Demokratischen Gepflogenheiten entsprechend, erwarte er und die Interessengemeinschaft, dass die Gemeinde bei diesem Windrad auf der 10H-Regelung besteht.

Kommentar von Sabine Memmel: Zwei Hoffnungen nach dem Bürgerentscheid

Viel Wind um die Windkraft - für Erich Weichlein und seine Mitstreiter hat es sich gelohnt. Sie haben ihr Ziel erreicht. Zugegeben, das Ergebnis hätte eindeutiger ausfallen können. Die Gegner des geplanten Windparks haben zwar die Mehrheit bekommen. Viele Bürger sprachen sich aber auch für die Windräder aus.
Nach dem gestrigen Wahlsonntag bleibt deshalb zweierlei zu hoffen: Zum einen, dass die vergangenen Wochen, in denen so viel gestritten und diskutiert wurde, keinen Spalt in der Gemeinde hinterlassen, der den Ort in zwei verfeindete Lager trennt. Zum anderen, dass das Ergebnis des Bürgerentscheids auch von den Befürwortern der Windräder nun ohne Wenn und Aber akzeptiert wird. Projekant Erich Wust deutete bei der FT-Podiumsdiskussion an, auch bei einem Nein der Bürger zum Windpark nicht locker lassen zu wollen.
Das wäre aber vermutlich keine gute Idee. Besser das Votum der Wachenrother anerkennen und nicht den Groll der Bürger auf sich ziehen.