Ganz in blau betritt der Angeklagte den Gerichtssaal. In seinem Dress schaut der 52-Jährige ein bisschen wie ein Bilderbuch-Sträfling aus. Wie aus dem Lehrfilm hatte sich der gelernte Schweißer laut Anklageschrift auf Einbrüche auf Tankstellen in Franken spezialisiert.

Meistens hat der Mann mit einem Pflasterstein die Eingangstür der Tankstelle mitten in der Nacht eingeworfen und ist dann durch das kleine Loch in der Glasscheibe in den Innenraum gekrabbelt. Zuvor hatte der Mann meistens die Alarmanlage mit Gewalt zerstört. Danach ist er auf Shopping-Tour gegangen.


Zigaretten bevorzugt

Besonders gerne klaute der Serien-Einbrecher Zigaretten. Die Glimmstängel wanderten freilich gleich stangenweise in den großen Einbrecher-Beutel. Aber selbst Schokoriegel und Spirituosen ließ der Einbrecher bei seinen nächtlichen Diebestouren nicht links liegen. Insgesamt soll der Angeklagte in zahlreiche Tankstellen-Shops in und um Nürnberg eingebrochen sein.

Bei der ersten Aktion in einer OMV-Tankstelle in Nürnberg im Sommer 2014 ließ der Angeklagte immerhin Zigaretten im Wert von 5000 Euro mitgehen. Frei nach dem Motto "Never change a winning team" ist er eine Woche später in die selbe Tankstelle des gleichen Mineralölunternehmens eingestiegen. Selbst beim dritten Versuch hatte er es erneut auf die OMV-Tankstelle in der Regensburger Straße abgesehen. Diesmal sollen ihm allerdings nächtliche Discogänger die Diebestour versalzen haben.

Am 11. Januar diesen Jahres ist der Angeklagte nach Herzogenaurach gefahren. Auch dort geht er nach der bewährten Methode vor. Um kurz vor zwei Uhr in der Nacht schmeißt er die gläserne Eingangstür mit einem Pflasterstein ein und gelangt durch das Loch in den Innenraum der Tankstelle.

Insgesamt soll der Täter rund 30.000 Euro erbeutet haben. Bei den Einbrüchen entstand ein Sachschaden von insgesamt über 15.000 Euro.


Nur ein Ladendiebstahl?

Der Angeklagte aus Ungarn streitet die Taten ab. Insbesondere mit den Tankstellen-Einbrüchen will der Mann mit dem märchenhaften Namen Zakatosch (Name geändert) nichts zu tun gehabt haben. Lediglich der unerlaubte "Einkauf" in einer Norma-Filiale räumt er ein. Im Februar habe er Lebensmittel und Kosmetikartikel im Wert von 19,95 Euro ohne zu bezahlen aus dem Supermarkt gestohlen. Eine Ladendetektivin hatte den Mann dabei ertappt.

"Wie groß sind Sie?", fragt der Richter. "Einen Meter und 55 Zentimeter", antwortet der Angeklagte. Sicher kann der sich vorstellen, warum der Richter ihn das fragt. "Auf den Überwachungsvideos ist immer eine sehr kleine Person zu sehen", sagt der Richter.

Der Angeklagte behauptet, er sei immer nur auf nächtlichen Touren unterwegs gewesen, um Pfandflaschen vor Bars und Discos einzusammeln. Einmal habe er, das gibt er zu, eine Tankstelle mit eingeschlagener Scheibe zufällig entdeckt. Dann sei er eben durch das Loch gekrabbelt und habe ein paar Süßigkeiten mitgehen lassen.
Freilich wisse er, dass man ihm die Geschichte nur schwer abnehmen könne. Schließlich sei er einschlägig vorbestraft. Wegen Einbruchsdelikten sei er schon in Ungarn hinter schwedischen Gardinen gesessen. "Bitte schließen Sie mich an einen Lügendetektor an", bittet der Angeklagte den Richter.

Der will freilich von einem Lügengerät noch nichts wissen. Viel lieber möchte er in allen Einzelheiten wissen, warum er die Einbrüche auf die Tankstellen nicht begangen haben will. Schließlich habe die Polizei allein schon bei den ersten drei Einbrüchen auf die OMV-Tankstelle in der Regensburger Straße die DNA-Spuren des Angeklagten sicherstellen können. Dies, sagt der Mann aus Ungarn, könne er sich beim besten Willen auch nicht erklären.

Insgesamt hat das Landgericht Nürnberg-Fürth sechs Verhandlungstage angesetzt. Am Ende könnte dem Angeklagten eine Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren drohen.