Jan M. fühlt sich geschmeichelt. Das Job-Center, Wolfgang Alt und vor allem Gerhard Pfister haben dem 38-jährigen Jan M. (Name von der Redaktion geändert) einen Neustart ermöglicht. Vor zwei Tagen hat er einen Arbeitsvertrag für die nächsten 24 Monate unterschrieben. Damit zählt die Bundesagentur für Arbeit in Forchheim - Stadt und Landkreis - einen Langzeitarbeitslosen weniger. Wenn es nach Wolfgang Alt vom Job-Center geht, sollen Jan noch weitere Wiedereinsteiger folgen. Auch im Landkreis Erlangen-Höchstadt.

Im Rahmen eines Bundesprogramms, das durch den europäischen Sozialfonds (ESF) und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales unterstützt wird, soll in den nächsten zwei Jahren unter anderem 15 Langzeitsarbeitslosen aus Erlangen-Höchstadt, die über 35 Jahre alt sind, eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vermittelt werden.

Auch mit den Kreisen Bamberg (Stadt und Landkreis insgesamt 45 Plätze) und Forchheim (20 Plätze) wird zusammengearbeitet, insgesamt 2,911 Millionen Euro werden dafür in die Hand genommen - zum Beispiel für die Übernahme der Lohnkosten der Neubeschäftigten sowie für Stellen der Betriebsakquisiteure. Am Schreibtisch von Wolfgang Alt läuft alles rund um das Förderprogramm zusammen. Am Telefon oder direkt bei einem Betriebsbesuch fängt alles an. Mal sitzt er in Höchstadt im Büro, mal in Forchheim.

Alt ist dafür verantwortlich, Unternehmen im Landkreis zu finden, die Menschen eine zweite Chance geben, die sich seit mindestens zwei Jahren wohl nicht mehr nach einem Weckerklingeln und anderen Arbeitsstrukturen haben richten müssen. Diese bekommen durch das ESF-Programm nicht nur einen Arbeitsvertrag, sondern auch einen Coach an die Seite gestellt, der sie einarbeiten und begleiten soll.

"Der Anfang war gewöhnungsbedürftig", sagt Jan M. ganz ehrlich. Dieser liegt nun auch schon wieder einige Monate zurück. Er ist nicht sofort mit der ESF-Maßnahme zurück in den Vollzeit-Berufsalltag gestartet, sondern fand schon davor eine Arbeitsgelegenheit, einen 1,50-Euro-Job. Für diese Aufwärmphase ist Jan M. genauso dankbar wie für die Chance, sich in den nächsten zwei Jahren im Unternehmen beweisen zu dürfen.


Motivation ist alles

Dass er morgens nicht im Bett liegen bleibt, sondern so aufsteht, dass er die über zehn Kilometer aus seinem Wohnort zur Arbeitsstätte radeln kann, spricht für seinen "Eigenantrieb". Eine entscheidende Grundvoraussetzung der Maßnahme: "Das ist eine absolut freiwillige Sache", bekräftigt Alt.

Auch die Höchstadter Unternehmen sollen von sich aus - möglicherweise mit ein bisschen Überzeugungsarbeit - teilnehmen: Alt spricht einen "Appell an das soziale Gewissen" aus. Weiß aber auch, dass schlechte Erfahrungen oder Vorurteile die Suche nach Betrieben - gerade in der freien Wirtschaft - in der Anlaufphase schwierig machen.

So ist er aktuell noch auf der Suche nach Firmenchefs im Höchstadter Raum, die sich vorstellen können, einen Erwachsenen wieder Arbeit zu geben. Gerhard Pfister vom Gebrauchtwarenhof in Forchheim hat nicht lange überlegt: "Meine Sichtweise ist sicher ein bisschen anders", sagt der Chef, der schon vielen Arbeitslosen einen Job geben konnte.

Er weiß, dass in der heutigen Arbeitswelt oft alles auf Zeit und Produktivität hinausläuft, findet aber auch, dass es sich lohnt, nicht nur auf's Geld zu schauen. Wichtig sei ihm aber auch gewesen, dass Schlüsselqualifikationen wie Pünktlichkeit und Verlässlichkeit vorhanden sind - dass eben nicht jeden zweiten Tag eine neue Krankmeldung kommt und der Mitarbeiter ausfällt. Bei Jan M. war ihm klar, dass es ein angenehmer, eher ruhiger Typ ist. "Er überlegt sich die Dinge, die er tut."

Seine Schulzeit hat Jan M. mit dem Qualifizierenden Hauptschulabschluss beendet. Seine Traumberufe gingen immer in Richtung Gastronomie oder Handwerk - in beiden Bereichen hat er gearbeitet. Als letztes packte er als Schreinergehilfe an. Befristete Verträge und schließlich private Turbulenzen haben ihn vor gut zwei Jahren aus dem Arbeitsalltag gerissen.

Dass es oft gesundheitliche Probleme sind, die Menschen am Arbeiten hindern - der eine kann nur eine Stunde stehen, der andere darf nicht zu lange auf einen Bildschirm schauen - hat Alt in den letzten Wochen erfahren. "Es gibt ganz viele Gründe", sagt er. Manchmal seien es sogar mehrere Hemmnisse auf einmal, die der Betriebsakquisiteur bei der Suche nach einem idealen Arbeitsplatz beachten muss.

"Die Schlüsselqualifikationen müssen da sein. Dann hat ein Arbeitsloser gute Chancen, wieder Fuß zu fassen", sagt Pfister, der als erster Unternehmer im Kreis teilnimmt und 18 Monate vom Job-Center bei den Lohnkosten unterstützt wird. Vor allem aber hofft er, dass die Chance für Jan M. ein Sprungbrett sein kann.