Über den Köpfen von etwa 50 schnatternden Grundschülern schwebten 50 Heißluftballons an der Decke der Aula in der Wilhelm-Pfeffer-Schule (Förderzentrum) in Herzogenaurach. Die Ballons samt Körben und teils mit Piloten sowie großformatige Bilder waren das Ergebnis eines dreitägigen Workshops von Grundschülern des Förderzentrums und der Klasse 2a der Aurachtaler Grundschule. Mit einem kleinen Fest feierten die Schüler der beiden Schulen die Vernissage, an der auch Lehrkräfte, Eltern und Mitglieder des Elternbeirates teilnahmen.
Seit der Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen durch die Bundesrepublik Deutschland ist die Inklusion auch ein Thema der Schulen geworden. Die Wilhelm-Pfeffer-Schule in Herzogenaurach unterrichtet, soweit es möglich ist, behinderte und nicht behinderte Schüler in Freundesklassen. Es ist das Anliegen des Förderzentrums, dieses System gemeinsam mit Partnerschulen weiter auszubauen.
Bei der Vernissage in der Aula des Förderzentrums freute sich stellvertretende Schulleiterin Ulrike Greenwood über den Besuch aus Aurachtal. An drei Vormittagen war die Klasse 2a aus Aurachtal im Förderzentrum zu Gast, um gemeinsam mit den Grundschülern der Wilhelm-Pfeffer-Schule an einem Kunstprojekt zu arbeiten und gemeinsam zu spielen und singen.

Angelehnt an das Bilderbuch von Sue Scullard "Miss Harriets Ballonfahrt um die Welt" wurde das gemeinsame Kunstobjekt gefertigt. Die berühmte Ballonfahrerin und furchtlose Entdeckerin Miss Harriet beteiligte sich an einer Ballonwettfahrt. 67 Ballonfahrer machen sich auf den Weg nach Paris, um von dort aus 23 000 Meilen hinter sich zu bringen.

Der Blick aus dem Korb

Auf dieser Reise, die die Ballonfahrer unter anderem nach Deutschland, Arabien, Indien, Borneo, Hawaii und New York führt, warten überall spannende Abenteuer auf Miss Harriet und ihre Nichte Rebekka sowie den Neffen Wilhelm - zum Beispiel hohe Berge, Feuer speiende Vulkane, Eisberge, Dschungel, Wüsten und Wolkenkratzer. Also lautete die Aufgabe in den Workshops, dass auch der Blick aus dem Korb eine Rolle spielt, und so waren bei der Vernissage auch großformatige Bilder mit Bergen, Seen, Wäldern und Wüsten zu sehen.

Für Ulrike Greenwood waren die Projekttage ein Erfolg, denn die Grundschüler der Wilhelm-Pfeffer-Schule waren konzentriert dabei und hatten viel Spaß. "Das Schönste ist: Sie gehen offen aufeinander zu und selbstverständlich miteinander um." Auch Petra Herbert, Klassenlehrerin der 2a aus Aurachtal, äußerte sich ähnlich. So habe es anfangs zwar für kurze Zeit etwas Berührungsängste gegeben, die aber nach kurzer Zeit vorbei waren. Beim gemeinsamen Basten und Spielen sei viel gelacht und sogar Freundschaften seien geschlossen worden. "Das war sowohl für die Kinder als auch für uns eine neue positive Erfahrung, und wir alle haben dazugelernt", erzählte Petra Herbert. Die Grundschüler würden die etwas älteren Förderkinder als "ganz normale Menschen" ansehen, "die zwar ihre Grenzen haben, aber keine bemitleidenswerten Geschöpfe sind". Sowohl für Ulrike Greenwood als auch für Petra Herbert soll diese Zusammenarbeit nicht die einzige gemeinsame Aktion bleiben.