Ein Berg ohne Bäume - das ist wie Bier ohne Schaum oder Bratwurst ohne Senf. Nach einem aktuellen Gutachten müssen über 100 Bäume auf dem Gelände der Bergkirchweih in den nächsten Jahren sukzessive gefällt werden.

Die Diagnose ist erschreckend. Umfangreiche Untersuchungen sind zu dem Schluss gekommen, dass viele der schönen alten Baumriesen unheilbar krank sind. In den Bierkellerbereichen werden die Hälfe der Altbäume in 20 Jahren fehlen. Nicht nur in Rathaus dürfte der "Horror-Befund" Schockwellen ausgelöst haben. Für Freunde der Bergkirchweih muss sich diese Nachricht wie ein Alptraum anhören. Der Berg gehört zur Erlangen wie die Lederhosen zu Bayern. In der Hugenottenstadt haben sie für das zweitgrößte Volksfest im Freistaat sogar eine eigene Jahreszeit eingeführt. Schließlich machen die Bäume den besonderen Charakter des Volksfestes aus. In Erlangen hockt man nicht im Festzelt wie auf dem Oktoberfest in München. Auf dem "Berg" wird unter dem geschlossenen Dach der majestätischen Baumkronen auf den Bänken im Freien getanzt, getrunken und gelacht. Dieser Anblick wird verschwinden. Die durch und durch grüne Atmosphäre wird sich erheblich verändern. Es wird kahle Stellen geben, weil es dauert, bis neue Bäume nachwachsen können. Erst langfristig wird damit gerechnet, den malerisch-durchgrünten Baumbestand wieder zu erreichen.


350 Bäume am Berg

Dieses Vorhaben könne nur dann gelingen, wenn die Bäume bessere Lebensbedingungen bekommen. Derzeit gibt es auf dem Festgelände insgesamt noch rund 350 Großbäume. Aus Sicherheitsgründen müssen genau 118 Altbäume gefällt werden. Zum Glück müssen die Holzfäller nach der erschütternden Diagnose nicht heute oder morgen anrücken. Bis 2036 müssen die Bäume aber definitiv gefällt werden. Aussicht auf Heilung besteht nicht. Einen Fahrplan für die Abholzung hat die Stadt bereits gemeinsam mit Roland Dengler, einem Sachverständigen für Vegetationstechnik, Bäume und Bodenanalytik aus Lauf bei Nürnberg, festgelegt. Der Experte macht zahlreiche Faktoren für den schlechten Gesundheitszustand der Baumriesen verantwortlich. Neben der Bodenverdichtung und Überfüllung, den Anfahr- und Wurzelschäden hätten Abgrabungen und Bodenerosionen den Bäumen der Garaus macht. Der Mensch hat seine sauerstoffspendenden Freunde offensichtlich häufig mehr als frevelhaft behandelt. Der Baum-Experte macht beispielsweise auch das Einbringen von Fetten und Ölen für das Baumsterben auf dem Berg mitverantwortlich.

Die Stadt muss nicht nur aus ästhetischen sondern auch aus sicherheitspolitischen Gründen handeln. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn ein mächtiger Ast aus 20 Metern auf Bergbesucher krachen würde. Auf dem Annafest ist so ein "Horror-Unfall" im Jahr 2005 traurige Wirklichkeit geworden, als ein Sturm einen Ast losriss und einen Mann dabei tötete und eine junge Frau an den Rollstuhl fesselte. In Erlangen hat bereits ein Baumgutachten im Jahr 2008 auf den schlechten Baumzustand auf dem Berg hingewiesen. Eigentlich sollte die nächste Untersuchung erst zehn Jahre später im Jahr 2018 erfolgen. Doch ein gravierender Vorfall hatte in Erlangen alle Beteiligten aufgeschreckt. Die Alarmglocken schrillten im Herbst letzten Jahres, als ein Ast einer genauso stolzen wie vollbelaubten Eiche plötzlich abbrach und aus 20 Metern aus heiterem Himmel auf den Boden fiel.


Gesamtkonzept soll entwickelt werden

In einer Sitzung des Planungsausschusses warnte Oberbürgermeister Florian Janik (SPD) in dieser Woche davor, die Hände in den Schoss zu legen. Wenn man jetzt nichts unternehme, habe man einen "kahlen Berg". Dann müssten die Erlanger das berühmt-berüchtigte Bergbier in der prallen Sonne trinken. Damit es soweit nicht kommt, wird der Stadtrat nächsten Donnerstag die Verwaltung wohl damit beauftragen, ein Gesamtkonzept für die Entwicklung des Bergkirchweihgeländes zu entwickeln. Danach steht auch fest, wie viel das Ganze kosten soll. Gleichzeitig soll eine Stelle für einen Berg-Manager geschaffen werden, der im nächsten Jahr seine Arbeit aufnehmen soll.

Wichtigster Punkt des Konzepts dürfte freilich die Neupflanzung von Bäumen sein.CSU-Stadtrat Jörg Volleth sieht darin Konfliktpotenzial mit Wirten und Schaustellern. Schließlich müssen junge Bäume geschützt werden, um wachsen zu können. Bislang werde auf dem Berg jeder Quadratmeter wirtschaftlich genutzt. Zahlreiche kleine Bauwerke wie Mauern und Treppen erschweren den Bäumen zusätzlich das Leben auf dem Berg. Das Gesamtkonzept soll sowohl den Lebensraum für die Bäume verbessern als auch die Sicherheit für die Besucher des Volksfestes erhöhen. Gäste, Wirte und Schausteller werden sich in den nächsten Jahren wohl rücksichtsvoller gegenüber der Natur verhalten müssen, um den Charakter der Bergkirchweih langfristig zu bewahren.


Vorgesehene Baumfällungen:

2016: 1 Fällung
2016 bis 202:14 Fällungen
2021 bis 2026: 19 Fällungen
2026 bis 2031: 32 Fällungen
2031 bis 2036: 52 Fällungen
Insgesamt: 118 Fällungen

Schon jetzt kann sicher davon ausgegangen werden, dass sich der Altbaumbestand bei derzeitiger Schadenslage um mindestens 38 Prozent reduzieren wird. In den Bierkellerbereichen werden 50 Prozent der Altbäume in 20 Jahren fehlen. Es wird befürchtet, dass das Baumsterben durch den Klimawandel noch erhöht wird.