Die positiven Meinungen überwogen am Mittwochabend, als der Stadtrat den Bebauungsplan für das Märktezentrum in den Klingenwiesen per Satzungsbeschluss festzurrte. Dort entstehen mehrere Märkte, ein Hotel und weitere kleine Läden. Auch die in früheren Debatten angesprochenen Befürchtungen für die Innenstadt wurden angesprochen, führten letztlich aber nur zu zwei Gegenstimmen.

Bürgermeister German Hacker (SPD) begrüßte die mit dem Vorhaben verbundene Entzerrung des Stadtgebiets, denn bisher liegt der Schwerpunkt an Märkten im Stadtnorden. "Ich halte das für einen Gewinn", sagte er. "Herzogenaurach kann das problemlos verkraften."

Schutz des Einzelhandels

Im Gutachten sei der Schutz des Einzelhandels in der Innenstadt nämlich klar nachgewiesen, ergänzte das Stadtoberhaupt. Die Verkaufsfläche würde gegenüber dem schon in den Klingenwiesen genehmigten Bestand lediglich um vier Prozent zunehmen. Hacker bezeichnete die Entwicklung als moderat und verträglich.

Der gleichen Ansicht war SPD-Fraktionsvorsitzender Curd Blank. Eine "halbtote Fläche" werde wieder mit Leben erfüllt, sagte er und fand die Planungen "ganz vorbildlich", denn die "Industriebrache" sei ihm schon lange ein Dorn im Auge gewesen. Maximilian Maydt (Grüne) begrüßte es, dass man nicht auf der grünen Wiese bauen müsse, sondern das Areal ja schon vorhanden und versiegelt sei. Dritter Bürgermeister Georgios Halkias (Grüne) war zwiegespalten. Als Inhaber eines Geschäftes in der Innenstadt müsse er eigentlich dagegen stimmen, denn das Vorhaben "wird einen starken Einfluss auf uns haben." Aber durch den Bürgerwunsch gezwungen, müsse er als Stadtrat zustimmen.

Zwei Nein-Stimmen

Nicht zustimmen wollten hingegen Christian Polster (CSU) und Manfred Welker (Freie Wähler). Für Welker "ist die Schmerzgrenze erreicht", die Nachteile für die Innenstadt seien größer als der Nutzen. Polster hielt an seiner Kritik aus einer früheren Sitzung fest. Für ihn ist das Projekt zu groß dimensioniert. Früher gab es in den Klingenwiesen einen Baumarkt, der für die Innenstadt keine solchen Auswirkungen gehabt habe wie die jetzigen Planungen. Deshalb zweifelte er das Gutachten an. Auch wenn er die Reaktivierung des Areals grundsätzlich begrüße, wolle er mit seiner Ablehnung doch ein Zeichen setzen. Durch so ein Zentrum werde auch der Strukturwandel im Bereich des Handels beschleunigt.

Kritisch äußerten sich des Weiteren Franz-Josef Lang und Walter Drebinger (beide CSU). Lang bedauerte, dass man das Vorhaben nicht ablehnen könne, da es ja schon aus früheren Jahren ein Sondergebiet dort gebe. Die Sorgen sollte man aber dennoch ernst nehmen und vor allem auch auf die "Baustelle Innenstadt" schauen. Außerdem forderte er genau zu kontrollieren, ob die erlaubten Flächen für das Randsortiment auch eingehalten würden. Drebinger merkte an, dass man eine Begrenzung auf zehn Prozent Randsortiment jetzt leider nicht mehr fordern könne. Aber man habe das Angebot ja schon im Vorfeld auf ein "gesundes Maß" begrenzt. Generell äußerte er sich froh, dass sich auf den Klingenwiesen nun endlich was tue.

Spätestens nach der Sommerpause sollen dort die Bagger rollen, wie Projektleiter Hermann Schimek kürzlich gesagt hatte. Fertigstellung soll Ende 2016 sein. Die bestehenden Gebäude werden teilweise abgerissen, teilweise saniert. Geplant sind ein E-Center von Edeka (2500 Quadratmeter Verkaufsfläche) und die Norma (1030 m2) . Beide Betreiber sind dort schon vorhanden, jedoch deutlich kleiner. Dazu kommen ein Drogeriemarkt von Rossmann (660 m2 ) und Biomarkt von Ebl (500 m2 ). Ein Novina-Hotel mit 108 Zimmern, ein Fitnesscenter, Gastronomie und eine Apotheke runden das Bild ab.