Hans Heller hatte nachgezählt: 65 Leute drängelten sich am Kirchweihmontag gegen 11 Uhr vormittags in der kleinen Braustube. Darunter 64 Mannsbilder und eine Frau. Sie alle ließen sich den traditionellen Kirchweihmontag auf der Martinikirchweih, der so genannten kalten oder auch Wirtshaus-Kerwa, nicht entgehen. Ingo Singer an der "Quetschn" und der "Tuba-Peter" Peter Persin sorgten für Stimmung, mit fränkischer Volksmusik und natürlich Kerwasliedla und manch anderem Blödsinn.

Irgendwann begrüßte Singer auch die einzige Frau in der Männerwirtschaft. Brigitte Richter nahm das gelassen. Sie komme jedes Jahr am Martinimontag hierher, die Stimmung sei prächtig und die Herren der Schöpfung verhielten sich auch wahrlich ritterlich. Die zweite Frau des Vormittags konnte das sicher bestätigen. Gitti Adler, geborene Heller, gehört als die Stamm-Bedienung überhaupt zum Inventar und kennt ihre Pappenheimer schließlich schon lange.


Pflicht-Termin

Zweimal im Jahr, so resümierte Gast Bernhard Welker, müsse er unweigerlich zum Heller: am Faschingsdienstag und am Martinimontag. So nahm es der Rentner auch gestern, und erinnerte sich gern an die inzwischen genau 50-jährige Tradition seines Montags-Frühschoppens. Damals war er Lehrling und man traf sich noch im Weißen Hahn. An die Zeit, als die Martinikirchweih noch die richtige Herzogenauracher Kerwa war, denkt auch Heiner Krämer gern zurück. Er kenne die Frühschoppen-Tradition in der Hauptstraße schon seit 1957. Als es in der Innenstadt noch viele Wirtshäuser gab. Den Walfisch beispielsweise, den Heubeck oder die Glasn Sofie.

"Und der Schorsch", sagt er, mit Blick auf das Bild des Heller-Vaters Georg, "der war damals dabei". Und darin waren sich viele, wenn nicht sogar alle Gäste einig: "Hoffentlich geht's noch viele Jahre", sagte Gerhard Freudenberger.

Ohne Musik, aber ebenso traditionell, feierte die Belegschaft der Stadt. Seit der Zeit des Bürgermeisters Hans Maier ist es verbrieft, dass der Kirchweihmontag frei ist und die Mitarbeiter die Möglichkeit haben, im Vereinshaus auf Kosten der Stadt ein paar fröhliche Stunden zu verbringen.

Ebenso traditionell finden sich dort die Kartler ein; meist sind es die älteren Herrschaften, die immer am gleichen Tisch sitzen. So wie Norbert Lukaszcyk oder Heiner Kaltenhäuser, oder als aufmerksame Tischnachbarn Dieter Krapp oder Erich Fuchs. 117 Rentner hatte die Stadt eingeladen, ebenso 302 aktuelle Mitarbeiter. Um die 250 sind auch gekommen, berichtet Mitorganisator Robert Bretting.


Mit 89 zum Frühschoppen

Zu den Rentnerinnen zählt auch Ingeborg Kukula.Inzwischen ist die ehemalige Mitarbeiterin des Bauamts schon länger im Ruhestand, als sie aktiv war. Und trotz ihrer 89 Lenze geht sie, seit vielen Jahren immer begleitet von ihrer früheren Kollegin Dorothea Kolberg, zum Martini-Montag. Und dort gönnen sich die beiden dann Bratwürste.

Später dann zog es auch ein paar Stadt-Bedienstete und Rentner hinüber zum Heller. Wer rechtzeitig dran war, bekam auch die Kerwasliedla mit, die Ingo Singer gegen Mittag anstimmte. Jeder durfte mitsingen und seine eigenen Strophen zum Besten geben. Wenn es etwas derber wurde, war das auch wurschd, denn schließlich ist Kerwa. In diesem Sinne: "...A Gsichd hot er gmacht wie a Kälbla, wenns brunst..."