Akute Gefahr für ein großes Fischsterben besteht wohl nicht, aber es gibt Spielregeln, an die man sich halten muss. Hans Leuchs, Sachgebietsleiter Umweltschutz beim Landratsamt Erlangen-Höchstadt, besteht auf diese Spielregeln, wenn er sich mit einer Weiherkette beim Lonnerstadter Ortsteil Fetzelhofen beschäftigt.

Die Weiher gehören der Gemeinde. Zwei davon hat sie seit Jahren an den Angelverein Greiendorf verpachtet. Weil in den vergangenen Jahren größere Teile des Ufers weggespült worden waren, sahen sich die Greiendorfer Angler gezwungen zu handeln. Von Bürgermeister Stefan Himpel (FW) bekamen sie grünes Licht, um die Uferbefestigung auszubessern und die Weiherdämme zu reparieren.

"Seit eineinhalb Jahren haben wir die Probleme mit der Uferbefestigung", sagt Johannes Lang, Vorsitzender der Anglerfreunde. Dann sei eine Firma aus Heßdorf auf die Angler zugekommen und habe angeboten, passendes Material zu liefern und auch kostenlos einzubauen. Lang bekam sogar ein Zertifikat vorgelegt, wonach das Erdmaterial für den Weiherdammbau geeignet sein sollte.

War es aber nicht. Zwischen 600 und 800 Kubikmeter waren bereits angeliefert und weitgehend eingebaut, als der Lonnerstadter Gemeinderat Horst Gäck (SPD) - der beruflich Firmen in Umweltfragen berät - auf die Arbeiten aufmerksam wurde. Gäck verständigte seine ehemaligen Kollegen von der Abteilung Umweltschutz im Landratsamt. Die Arbeiten wurden eingestellt, das Material untersucht.

Der Aushub stammt aus dem Straßenbau, enthält fünf Prozent Asphalt-Anteile und Kohlenwasserstoffe, die die zulässigen Grenzwerte übersteigen. Für Sachgebietsleiter Leuchs "ganz klar Abfall". Der sei zwar weder hochgiftig, noch sei es eine Umweltkatastrophe. Allerdings gebe es Richtlinien, an die man sich bei der Verwendung solchen Materials halten müsse.


Nur für trockene Baustellen

Ein Bamberger Fachbüro erstellte ein Gutachten. Danach darf dieser Aushub "nur in hydrogeologisch günstigen Gebieten" verwendet werden, als Unterbau auf trockenen Baustellen. Für einen Weiher sei das Material obendrein zu sandig, meint Leuchs. Aus den Asphaltbrocken könnten Schadstoffe ausgewaschen werden.

Bürgermeister Himpel geht jetzt davon aus, dass die Heßdorfer Firma den Aushub auf ihre Kosten wieder abholt. Er habe ebenso wie die Angelfreunde angenommen, dass sich die Firma - bei der am Freitag niemand zu erreichen war - an die Vorschriften hält.

"Unser Verein wollte nur das Beste für die Fische", sagt Vorsitzender Lang. Die 150 Mitglieder möchten auch wieder Ruhe am Weiher, in dem derzeit Karpfen, Zander, Hechte, Schleien und Rotaugen überwintern. Um sie nicht in ihrer Winterruhe zu stören, soll der Straßenaushub erst später beseitigt werden, allerdings noch vor der nächsten Brutzeit der Vögel. Ob der Verursacher vom Landratsamt einen Bußgeldbescheid bekommt, sei noch nicht entschieden, sagt Hans Leuchs. Man wolle erst den ordnungsgemäßen Rückbau abwarten.

Gemeinderat Gäck macht weder den Anglern, noch der Gemeinde einen Vorwurf. Er hält der Firma vor, hier eine "günstige Entsorgung von Material" genutzt zu haben. Gäck spricht von einer Masche, die bei vielen Firmen der Branche üblich sei.

Heftige Kritik löste Gäcks Vorgehen bei seinem Fraktionskollegen im Gemeinderat, Hermann Popp, aus. Wie ein Sheriff sei Gäck aufgetreten, sagt Popp. Der Aushub sei ja nur für den Wegebau gedacht gewesen. An den Ufern wäre er noch durch eine Lehmschicht und Steine abgedeckt worden. Popp fürchtet jetzt hohe Kosten auf die Gemeinde zukommen.