Die Gefahren scheinen erstmal weit weg. Naturkatastrophen, Massenerkrankungen, nukleare Unfälle oder terroristische Anschläge - Ereignisse, die wir hauptsächlich aus den Nachrichten oder dem letzten Kinobesuch kennen. Dass diese Dinge auch direkt bei uns vor der eigenen Haustüre passieren könnten, daran denken die wenigsten. Die Katastrophenschutzbehörde des Landkreises Erlangen-Höchstadt aber zum Glück schon.

Hochwasser, Sturm und Unwetter

Denn jede Kreisverwaltung ist verpflichtet, einen Katastrophenschutzplan zu erstellen. Darin sind für die unterschiedlichsten Schadenslagen eigene Einsatzkräfte, Hilfspersonal, Behörden, Dienststellen, öffentliche Einrichtungen und Geräte aufgeführt - um einen optimalen Einsatz im Katastrophenfall sicherzustellen. Doch welche Gefahr von allen ist für Erlangen-Höchstadt eigentlich die wahrscheinlichste? "Von Hochwasser, Sturm und Unwetter gehen wir bei uns im Landkreis am meisten aus", erklärt Matthias Görz, Leiter des Sachgebiets "Öffentliche Sicherheit" im Landratsamt.

Was passiert also, wenn einmal Lebensmittel und Getränke nicht jederzeit verfügbar sind? Wenn Straßen überflutet und nicht passierbar sind oder starker Schneefall die Versorgung von Geschäften unmöglich macht? "Eine Notbevorratung gibt es im Landkreis nicht", erklärt Landrat Alexander Tritthart (CSU). Stattdessen rät der Bund jedem einzelnen Bürger, selbst Lebensmittel, Getränke und Medikamente für eine Woche im Vorrat zu haben und auch einen Energieausfall mit ein paar Tipps zur Selbsthilfe zu überbrücken. "Es sind ganz einfache Dinge, die jeder Haushalt bevorraten sollte, was jedoch leider nicht mehr selbstverständlich ist, da viele Menschen sich einfach auf die Behörden verlassen", bedauert Görz.

Es gab im Landkreis aber auch schon mal andere Zeiten, bei der nicht nur Naturereignisse, sondern auch eine militärische Bedrohung in Betracht gezogen wurde. "Nach Ende des Kalten Krieges sah man davon allerdings ab", betont Tritthart.

In Höchstadt unterhielt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe immerhin bis 1997 ein Sanitätsmittellager und bis 1999 ein Hilfskrankenhaus mit ABC-Schutzfunktion für circa 500 Personen. Gebraucht wurde der Atomschutzbunker, der sich unter der Ritter-von-Spix-Schule befindet und heute leer steht, aber Gott sei Dank nie. Ob es im Falle des Falles auch heute noch die Möglichkeit eines Unterschlupfs geben würde? "Nein, einen Schutzraum gibt es im gesamten Landkreis nicht", sagt Görz.

Verteilung von Jodtabletten

Doch was passiert heute bei einem nuklearen Unfall? Das nächste Kernkraftwerk steht in Grafenrheinfeld. Bei einer dortigen Störung gibt es im Landkreis einen Katastrophenschutz-Sonderplan, der die Verteilung und Ausgabe von Kaliumjodidtabletten festlegt. "Die Tabletten sind allerdings nicht im Landkreis bevorratet", so Tritthart. Auch mit der geplanten Stilllegung des Kernkraftswerks Ende des Jahres ändert sich vorerst nichts: "Eine neue Richtlinie, die derzeit erarbeitet wird, soll als Handlungsanleitung in der Umgebung kerntechnischer Anlagen dienen", erklärt Görz.

Ende Juni bekommt der Landkreis vom Bund außerdem ein Fahrzeug zugewiesen, in dem zum einen Ausstattung zur Dekontamination transportiert wird und das zum anderen zur hygienischen Reinigung der Einsatzkräfte und kontaminierten Zivilpersonen dient. "Außerdem kann es bei chemischen, biologischen und radiologischen Kontaminationen zur Entgiftung, Entseuchung und Entstrahlung eingesetzt werden", erläutert Tritthart. Im Rahmen der Übergabe am Standort Herzogenaurach wird eine zweitägige Schulung der vorgesehenen Besatzung stattfinden.

Sollte eine Evakuierung nötig sein, beispielsweise bei einem Bombenfund, werden zunächst die Transportmöglichkeiten aus dem Landkreis eingesetzt. Namen und Telefonnummern von Busunternehmen und Taxen befinden sich im Katastrophenschutzplan des Landkreises. Die Versorgung erfolgt durch Einsatzeinheiten oder Schnelleinsatzgruppen des Regionalverbands des Arbeiter-Samariter-Bunds sowie des Kreisverbands des Bayerischen Roten Kreuzes. Auch für den Fall eines flächendeckenden Stromausfalls soll nun eine Handlungsanweisung herausgegeben werden. Einzelne Planungen hierzu haben bereits begonnen.

Regelmäßige Übungen

Doch trotz aller Vorsorge, eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Darauf weist auch der Landrat hin. In regelmäßigen Übungen auf lokaler und regionaler Ebene wird das Zusammenspiel von Einsatzkräften und Krisenstäben trainiert. Im Landkreis finden neben Schulungen und vieler kleinerer Übungen auch jährlich zwei Katastrophenschutz-Stabsrahmenübungen statt, um auf den Ernstfall vorbereitet zu sein. Solche Übungen sind alle drei Jahre vorgeschrieben. Zuletzt gab es 2013 außerdem eine Katastrophenschutz-Vollübung, an der mehr als 800 Einsatzkräfte beteiligt waren.