Dass die Teichwirtschaft im Aischgrund nicht "museal" ist, sondern noch recht eifrig praktiziert wird, darüber klärte am Donnerstagnachmittag der Mühlhausener Teichwirt Walter Jakob bei einem Kurzbesuch Daniela Ludwig auf. Die aus Kolbermoor stammende tourismuspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion war von der Weiherlandschaft spontan begeistert und versprach, sich in Berlin für die Region einzusetzen.

Daniela Ludwig musste eingestehen, erstmals im Aischgrund Station zu machen. Eingeladen vom Großenseebacher Bundestagsabgeordneten, dem Staatssekretär Stefan Müller (CSU), verspeiste sie im Gasthaus Scheubel in Gremsdorf auch ihren ersten Aischgründer und war von dem gebackenen Karpfen sehr angetan.

Im Tourismusbüro von Karpfenland Aischgrund in der Oberen Brauhausgasse in Höchstadt berichtete Stefan Müller, dass man seit zwölf Jahren daran arbeite, den Aischgrund attraktiv zu machen. "Eine Kulturlandschaft, die ihresgleichen sucht", sagte der Parlamentarier. Was für die Kultur prägend ist, sollte auch für den Tourismus nutzbar sein. Müller könne sich gut vorstellen, beispielsweise Übernachtungsgäste aus Erlangen für einen Tagesausflug in den Aischgrund zu locken.

Das Karpfenland-Tourismusbüro in Höchstadt läuft noch bis Juni als Förderprojekt der EU. Dass es auch danach weitergeht, davon sind eigentlich alle überzeugt. Wer es wie weiter finanziert, ist aber noch nicht geklärt. Müller will der Frage nachgehen, was der Bund jetzt machen könne.

Ministerien einbinden

Die Tourismus-Sprecherin der Unionsfraktion will Kontakt mit dem Wirtschaftsministerium aufnehmen und prüfen, ob es Fördermöglichkeiten gibt. Auch das Landwirtschaftsministerium könnte mit eingebunden werden, meint Daniela Ludwig. Jedenfalls sollten die Kosten für das Tourismusbüro auf mehreren Schultern verteilt werden. Ludwig: "Wir wollen eine dauerhafte Perspektive und nicht von Förderprogrammen abhängig sein. Sowas wie den Aischgrund gibt es europaweit nicht mehr."

Die Politikerin aus Oberbayern findet es toll, wie professionell der Aischgrund vermarktet wird. Es wäre schade, wenn es in zwei Monaten nicht weiterginge. Ludwig war gleich bei ihrem ersten Besuch vom Karpfenland Aischgrund begeistert. Sie sieht hier ein individuelles Angebot in einer prosperierenden Region, das gefördert werden sollte.

"Wir sind noch nicht angekommen, wo wir hinwollen", stellt Sandra Hammer fest, die mit ihrem Kollegen Helmut Dresel die Tourismuszentrale Karpfenland Aischgrund in den vergangenen zwei Jahren aufgebaut hat. "Aber Tourismus braucht Förderung, sonst geht es nicht."

Das kann ihr die CSU-Bundestagsabgeordnete mit Erfahrungen aus ihrer oberbayerischen Heimat nur bestätigen. Sie empfiehlt den Aischgründern, auch weit über ihren eigenen Tellerrand hinauszuschauen und nicht nur das eigene Gebiet zu sehen.

Bisher habe man vorwiegend Tagestouristen ab 45 aufwärts im Aischgrund, aber auch Familien. Für Aktivitäten wie Reiten oder Angeln habe man Partner gewonnen und sei inzwischen gut vernetzt. Sandra Hammer setzt auf sanften Tourismus: "Wir wollen nicht zehn Busse am Tag." Und schon gar nicht die Reisegruppen, die nur den Preis drücken wollen.

Bisher kommen viele Besucher aus dem Raum Stuttgart und aus der Gegend um Frankfurt. Schon bald werden auch die ersten Busse aus der Schweiz anrollen.

Einer der 35 ausgebildeten Karpfenland-Reiseführer ist Leonhard Thomann. Ihm macht dieser Nebenjob großen Spaß. Als Teich- und Landwirt ist er vom Fach, kann bestens auf die Gäste eingehen und ist auch noch überaus authentisch. Inzwischen hat Thomann "schon über 20 Führungen gehalten". Der Teichwirt aus dem Mohrhofgebiet hat inzwischen auch festgestellt, dass diese Art von Tourismus nichts kaputt macht.