Zu der Geburtstagsfeier reisten sogar einige ihrer alten Freundinnen aus Würselen nach Franken. Überhaupt gefällt es der agilen Seniorin ausgesprochen gut in Hemhofen: "Hier kann ich schön die Enten füttern".

Doch die alte Dame interessiert sich noch für viel mehr, war sie doch in Würselen als "Grüne Dame" für kranke Menschen unterwegs. Auch hier will sie im Altenheim aktiv werden und hat bereits die ersten Fühler ausgestreckt. Sie ist gerne mit Menschen zusammen, kann gut auf sie zugehen und sie ansprechen.

Johanna Sommer wurde als Johanna Neusser in Schlesien geboren, im Kuhländchen. Der Vater arbeitete in einer Hutfabrik und fuhr Rennen in Monaco: "Das gab aber damals noch keine Lorbeeren", erinnert sich Johanna Sommer schmunzelnd. Sie hatte eine schöne, aber strenge Kinderzeit, in der sie die Volks- und Bürgerschule besuchte und Schneiderin lernte. Dann kam der Krieg. Sie wurde in Plzen als Horcherin ausgebildet und musste die Flugzeuge am Himmel orten: "Da hab ich immer mit der Hand an der Türklinke gesessen, weil ich solche Angst gehabt habe." Kurz vor Kriegsende wurden die Frauen entlassen und zurück nach Hause geschickt: "Das war mein Glück, sonst wäre ich in Gefangenschaft geraten."

Doch kurze Zeit später verlor sie ihr Zuhause endgültig, als sie Schlesien verlassen musste, wie so viele Deutsche und nur das hatte, was sie auf dem Leib trug. In Pirna kam sie in ein Auffanglager, schlief im Sportanzug im Heu, bevor es weiter nach Plauen ging, wo sie ihre Meisterprüfung absolvieren konnte: "Ich habe zu der Zeit schon fünf Lehrlinge ausgebildet", erzählt Johanna Sommer stolz und verriet, dass sie - wenn sie noch einmal wählen dürfte - lieber Lehrerin geworden wäre.

1952 überquerte sie illegal die Grenze von Ost nach West, landete in Detmold, lernte in Aachen ihren ersten Mann kennen und bekam zwei Kinder: Cordelia und Harald. Weil ihr Mann als Akquisiteur arbeitete, zogen sie immer wieder um, wohnten einige Jahre in Bonn und auch fünf Jahre in Nürnberg. Immer wieder stellte sie sich auf Neues ein, arbeitete, als die Kinder nicht mehr ganz klein waren, und lernte so viel dazu, wie es nur immer ging.

Diese Neugier hat sich Johanna Sommer bis heute bewahrt, kaufte ein Keyboard, um darauf zu lernen. Sehr diszipliniert achtet sie sowohl auf ihre Figur, als auch auf ihre elegante Erscheinung: "Wenn das Alter mal drückt, dann muss man einfach dagegenhalten", ist ihr Rezept. Ob sie Gehirnjogging macht oder im Ort unterwegs ist, sie hat eine positive Einstellung zum Leben: "Man muss bereit sein, immer zu lernen", konstatiert die elegant gekleidete Dame, die jetzt einen neuen Lebensabschnitt beginnt, 500 Kilometer von ihrem bisherigen Wohnort.