Sind die Weisendorfer mit ihrer Verwaltung überaus zufrieden oder haben sie kein Interesse an ihrer Marktgemeinde? Bei der Bürgerversammlung im Sitzungssaal des Rathauses blieben viele Stühle leer, nur 19 Bürger interessierten sich für den Bericht von Bürgermeister Heinrich Süß (UWG), und auch der Marktgemeinderat war nur mit sechs Mitgliedern eher schwach vertreten.
So gab es am Ende des durchaus positiven Berichtes nur wenig Fragen. Dieter Goebel ärgert sich über die Verkehrssituation im Ort, insbesondere über den ruhenden Verkehr. Gehsteige und teils auch Grundstückszufahrten würden rücksichtslos zugeparkt, und scheinbar werde in den Fahrschülern nicht mehr beigebracht, dass Autos auch über einen Blinker verfügen und dass in Kreuzungsbereichen keine Fahrzeuge abgestellt werden dürfen.
Der Fragesteller ärgert sich zudem darüber, dass in den nicht gerade breiten Straßen auch noch Wohnmobile abgestellt werden. Indirekt stellte Goebel in diesem Zusammenhang auch die Stellplatzsatzung in Frage, denn die Leute hätten zwar eine Garage, aber bis zu drei Autos. Der Bürgermeister konnte dem Fragesteller wenig Hoffnung machen, die Gemeinde könne nur mit Verbotsschildern reagieren.
Dies betreffe auch die Situation am alten Friedhof und auf dem Marktplatz, insbesondere bei Beerdigungen. "Mit dem Umbau des Marktplatzes wird zwar eine Entspannung eintreten, aber das Parkproblem bei Beerdigungen auch nicht lösen", erklärte der Bürgermeister. Es wurde auch die Außenbestuhlung des dortigen Lokales kritisiert, denn deswegen habe der Beerdigungsunternehmer bei der Zufahrt Schwierigkeiten. Der Bürgermeister erklärte, dass auf dem Festplatz genügend Parkplätze zur Verfügung stehen, aber die Leute würden ganz einfach den vierminütigen Fußmarsch bis zum Friedhof scheuen. Die Gemeinde werde trotzdem reagieren und am Reuther Weg mit einem Schild auf den Festplatz hinweisen, denn es seien überwiegend Ortsfremde, die ihre Autos im Ortskern abstellen.


Reuther warten auf Radweg

Dem Reuther Alfred Vahrmann ging es um den geplanten Fuß- und Radweg in den Weisendorfer Ortsteil. Er wundert sich, dass trotz der über dreijährigen Planung noch keine Ausschreibung stattgefunden habe. Bürgermeister Süß konnte den Fragesteller beruhigen, die Ausschreibung werde in den nächsten Wochen erfolgen und die Baumaßnahme werde im kommenden Jahr durchgeführt. Aufgrund der Grundstücksverhandlungen und der geplanten Buswendeanlage am Waldfriedhof habe sich die Planung verzögert, aber jetzt sei alles in trockenen Tüchern, versicherte der Bürgermeister.
"Die Umgehungsstraße ist faktisch vom Tisch", beantwortete Heinrich Süß eine entsprechende Frage. Sie sei zwar noch Flächennutzungsplan enthalten, aber vom Staatlichen Bauamt kam eine klare Aussage, denn es wurde die Ortsdurchfahrt saniert und ausgebaut und damit entfalle eine Umgehungsstraße.
Aus dem Bericht des Bürgermeistes ging hervor, dass zum 30. Juni 6529 Menschen in Weisendorf ihren Hauptwohnsitz haben und Einwohnerzahl gegenüber dem Vorjahr um 72 auf 6785 Einwohner gestiegen sei. In der Gemeinde wohnen derzeit 505 ausländische Bürger aus 66 Nationen.
"In diesem Zusammenhang ist die Tatsache hervorzuheben, dass im Markt Weisendorf ein natürliches Bevölkerungswachstum vorherrscht. Dies bedeutet, dass in unserer Gemeinde mehr Kinder geboren werden als wir Sterbefälle haben und wir somit nicht vom Zuzug aus anderen Orten unser Wachstum an Einwohnern bekommen", erklärte der Bürgermeister.
Auf Nachfrage erklärte das Gemeindeoberhaupt, dass derzeit 42 Asylbewerber in der Gemeinde ihren Wohnsitz in drei Objekten haben. "Der Markt Weisendorf wird das Objekt Hauptstraße 7 und 9 im Rahmen des Förderprogramms ,Leerstand nutzen - Lebensraum schaffen‘ modernisieren. Für anerkannte Flüchtlinge steht somit finanzierbarer Wohnraum zur Verfügung. Ein entsprechender Zuschussantrag für die Planungen ist bereits gestellt", sagte der Bürgermeister.


Seniorenanteil bei 13,5 Prozent

Das Durchschnittsalter in Weisendorf beträgt derzeit 41,6 Jahre, darunter sind 715 Kinder im Alter bis zehn Jahre, 783 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen elf und 20 Jahren. Den Großteil bilden 4367 Erwachsenen im Alter zwischen 21 und 65 Jahren, dazu kommen 920 Senioren, ein Anteil von rund 13,5 Prozent.
Zum Ende des Jahres wird die Pro-Kopf-Verschuldung nur noch einen Euro betragen, und trotz vieler Investitionen sei 2017 eine Zuführung vom Verwaltungs- in den Vermögenshaushalt von voraussichtlich knapp 740 000 Euro möglich.
Auch den ÖPNV und die Umgestaltung des Schlossparkes hob Süß in seinem Bericht hervor, so wird der Schlosspark samt seinem Spielplatz sehr gut angenommen und die Gemeinde werde den eingeschlagenen Weg weitergehen. Es sollen weitere Flächen im Zentrum umgestaltet werden, unter anderem soll der Badweiher insgesamt attraktiver gestaltet werden.
Auch zum Energieplan und dem Ergebnis der Energieagentur nahm Heinrich Süß Stellung: Das Ergebnis habe alle positiv überrascht, denn derzeit werden im Markt Weisendorf schon 67 Prozent des Strombedarfs und knapp 30 Prozent des Wärmebedarfs regenerativ erzeugt. "Somit ist das Ziel des bayerischen Energiekonzepts schon erreicht und unser eigenes Ziel in Sicht", freute sich der Bürgermeister.
Dieses Ziel will der Markt Weisendorf zweigleisig erreichen, indem mehr Energie regenerativ erzeugt, aber vor allem auch weniger Energie verbraucht wird.