Mit 30 in Rente - wer träumte da nicht davon? Sebastian Fochler, Volker Hack und Andreas Freymann aus Vestenbergsgreuth genießen dieses Privileg. Nach 16 Jahren bei den "Junggesellen", den Kerwasburschen des Teeortes, war es am Wochenende ihre letzte Kirchweih, die sie aktiv mitgestalteten.
Ab dem nächsten Jahr werden sie nur noch genießen und zuschauen, wie gut es ihre Nachfolger machen. "Kein Problem", sagt der Andy. "Es sind genügend Junge nachgewachsen, und sie machen ihre Sache hervorragend. Die Organisation heuer ist prima gelaufen und sie werden es auch ohne unsere Hilfe schaffen."
Die Bezeichnung "in Rente gehen" dient übrigens einer feinen Unterscheidung: Würden die drei heiraten, so wäre ihre Zeit bei den "Junggesellen" ebenso vorbei. Da sie aber noch keineswegs in den Stand der Ehe treten, sondern eben ihren Platz freiwillig den Nachrückenden überlassen, werden sie jetzt quasi Privatiers und sind somit dem Rentenstand zuzurechnen. Sollte es allerdings mal irgendwo haken, sind sie selbstverständlich jederzeit bereit, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Heuer waren sie jedenfalls noch richtig mit dabei beim Organisieren, Vorbereiten und Durchführen der Kerwa. Die "Junggesellen" machen das alle Jahre ganz alleine in Vestenbergsgreuth ohne die Unterstützung eines anderen Vereins. "Ohne unsere Gönner und Sponsoren aus dem Ort liefe allerdings nichts", sagt Andy, "wir sind ihnen sehr dankbar dafür."

Gute Unterstützung, fleißige Hände

Die gute Unterstützung und die fleißigen Hände der rund 26 "Junggesellen" brachten denn auch heuer wieder eine Kirchweih zustande, die sehr gut besucht war und alle Gäste erfreute. Beim sonntäglichen Umzug - zuerst gedachten die Burschen, wie es die Tradition vorgibt, am Kriegerdenkmal der Toten - standen so viele Zuschauer am Straßenrand wie schon lange nicht mehr. "Es ist Tradition", agte eine Besucherin. "Außerdem", so fügte sie schmunzelnd hinzu, "kriegt man ja oft während des Jahres gar nicht alles mit, was im Ort so passiert. Sieht man dann, was die Burschen auf die Wagen geladen haben, erfährt man doch die eine oder andere Neuigkeit."

Wenig Politisches

Auf kommunalpolitischen Spott musste sie heuer allerdings verzichten. Im Gegensatz zu sonst beschränkten sich die Themen der "Junggesellen" auf gesellschaftliche Ereignisse, die Tagesgespräch gewesen waren. Ein gestohlenes Stromkabel nach der letzten Kirchweih - "Keine Ahnung, was die Diebe damit wollten" - , kleine Unannehmlichkeiten der Altburschen im vergangenen Jahr auf einer Nachbarkirchweih und manch anderes, was der eine oder andere so angestellt hatte, fanden jedenfalls ihren Platz im Spottkabinett. Das Aufstellen des 25 Meter langen Baumes ging heuer ohne Probleme vonstatten. Es hatte auch keiner versucht, ihn zu schälen. Die Flacheisen, die seit zwei Jahren nach einem bösen Kerwastreich als Schutz vor solch gefährlichem Tun am Stamm angebracht werden, haben wohl ihre Schuldigkeit getan.

Großen Anklang fand auch der kleine Gaudiwettbewerb, der heuer am Freitagabend zum ersten Mal veranstaltet wurde. Sechs Vereine kämpften in verschiedenen Kirchweih-Disziplinen gegeneinander - darunter auch Freunde aus der Lutherstadt Wittenberg, die eine enge Verbindung zu den "Junggesellen" pflegen. Die Heirat eines jetzigen Altburschen mit einer Dame aus dieser Stadt hat dieses Band begründet, das seither aufrechterhalten wird. Gewonnen hat den Wettbewerb übrigens der Stammtisch "Siebenschlucker". Das war jedoch eigentlich Nebensache - der Spaß an der Freude ging vor. Eine schöne Kirchweih war es also und alle freuen sich auf das nächste Jahr.