Seit mehr als zehn Jahren baut die Familie Haberkamm die Sonderkultur Kren an. Auf ihrem Bauernhof in Fetzelhofen informierten sich jetzt Horst Krehn, Behördenleiter und Bereichsleiter Landwirtschaft des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Fürth, Landrat Alexander Tritthart (CSU), Kreisbäuerin Evi Derrer und ihre Stellvertreterin Agnes Eger sowie Lonnerstadts Bürgermeister Stefan Himpel (FW) über den Stand der Meerrettichernte.
Der 43-jährige Werner Haberkamm, eigentlich gelernter Schreiner, hat vor acht Jahren den Hof der Eltern übernommen. Kren ist aus unserer Küche nicht mehr wegzudenken und auch "als gesundes Gewürz gut einsetzbar", meint Bäuerin Renate Haberkamm. Man könne viele Speisen mit Kren würzen wie Kartoffelsuppe und Eintopf, das Schnitzel auf einer Seite mit Kren bestreichen und mehr. Manche mischen sogar Marmelade mit Kren, die auch auf dem Hofladen im Angebot ist.
Im Kren steckt Vitamin C, das Doppelte wie in der gleichen Gewichtsmenge einer Zitrone. Außerdem enthält er ätherische Öle. Kren wirkt kreislauf- und verdauungsfördernd, senkt den Blutdruck und enthält viele antibiotische Substanzen. Er ist das Antibiotikum aus dem Garten. "Tee angereichert mit Kren wärmt von innen heraus",erklärt die Bäuerin der Runde.
Vom fachgerechten Reiben der Wurzel wie mit der Kartoffelreibe, einer Saftzentrifuge, dem Reiben im Mixer oder mit dem Fleischwolf erzählt Renate Haberkamm. Die ätherischen Öle solle man nicht einatmen, also am besten unter der Dunstabzugshaube oder im Freien bei Wind bearbeiten.
Krenanbau ist sehr arbeitsintensive und fast reine Handarbeit. Nach der Ernte mit oft selbst umgebauten Maschinen werden die Meerrettichwurzeln einzeln geputzt und alle seitlichen Ausleger abgeschnitten. Das Grünzeug wird weggefräst, aber der "Erdmantel" außenherum bleibt und wird nicht abgewaschen. Dann wandert die Wurzel ins Kühlhaus, wo man sie fast 20 Jahre bei 0 bis +2 Grad unbedenklich lagern könnte. Gute Wurzelteile werden aufgehoben und im Frühjahr kommen sie als Stecklinge ins Beet. Der fertige Kren wird bei Haberkamms noch von Hand abgedeckelt, er ist also nur begrenzt haltbar. Deshalb wird am Hof nur ein Mal die Woche Meerrettich - natürlich maschinell - gerieben.
Die Arbeit der Krenbauern ist schon recht aufwendig. Zur Bewirtschaftung von einem Hektar Meerrettich müssen ungefähr 1000 Stunden aufgewendet werden, dann gibt es eine Ernte von zehn Tonnen Kren pro Hektar und Jahr. Haberkamm hat heuer 1,7 Hektar mit 13 000 Pflanzen angebaut.
Ohne Zwischenhandel - Haberkamms sind Direktvermarkter - sind sie mit ihrem Ertrag immer zufrieden. Renate denkt gerne an die Zeit zurück, als sie Vorträge über Kren gehalten hat. Man findet sie heute noch auf Märkten wie dem Bauernmarkt in Nürnberg, dem Osterbrunnenmarkt in Heiligenstadt, auf der Poppenreuther Kerwa und mehr. "Je weiter weg vom Anbaugebiet umso besser", meint sie schmunzelnd.