Ein reißender Fluss, unerwartete Stromschnellen, ein tosender Wasserfall direkt vor den Augen und man selbst mittendrin - was für die meisten Menschen ein absoluter Alptraum wäre, ist für die Teilnehmer des Train-Projektes Gott sei Dank nur ein Spiel. Fest steht aber: Alleine kommt hier keiner ans Ziel. Denn bei der "Flussüberquerung", bei der die Teilnehmer sich gemeinsam den Weg über die "Steine" aus Pappe ebnen müssen, kommt es darauf an, als Team zu funktionieren.
"Das ist eine klassische Gruppenübung, bei der der Umgang miteinander, Rücksichtnahme und Teamfähigkeit trainiert werden", erklärt Sozialpädagogin Maren Wala. Gemeinsam mit Integrationsbegleiter Lutz Tamaschke leitet sie das dreitägige Train-Projekt bei den Barmherzigen Brüdern in Gremsdorf, das bereits im dritten Jahr durchgeführt wird.
Dabei arbeiten acht Menschen mit Behinderung, die neben ihrer Arbeit in den Werkstätten auch einer Tätigkeit im freien Arbeitsmarkt nachgehen, zusammen mit acht Auszubildenden. Nachdem in den vergangenen Jahren die Azubis der Sparkasse Höchstadt und die der Martin Bauer Group zu Gast bei den Barmherzigen Brüdern waren, sind es in diesem Jahr acht Schaeffler-Azubis aus Höchstadt und Herzogenaurach, die sich freiwillig für das Train-Projekt gemeldet haben. Train steht dabei für die Kerngedanken hinter der Aktion: Training, Respekt, Arbeit, Inklusion und Nachhaltigkeit.
Am Mittwoch, dem ersten Projekttag fanden neben der "Flussüberquerung" noch einige Team- und Kennenlernspiele statt, um den Azubis und den Menschen mit Behinderung den Zugang zueinander leichter zu machen. Morgens herrschte noch ein wenig Reserviertheit, doch bereits am Mittag war die Stimmung merklich aufgelockert und die Teilnehmer konnten schon das erste Feedback geben. Für Alexandra Stern und Martin Krüger, die in den Werkstätten arbeiten, ist es schon das zweite Mal, dass sie bei dem Programm mitmachen. "Man erfährt viel Neues", sagt Martin. "Auch, wie andere Menschen arbeiten. Über die Zusammenarbeit können wir viel Neues lernen", fügt Alexandra hinzu.


Hemmschwellen überwinden

Während Initiator Lutz Tamaschke anfangs dachte, dass die Aktion nur ein Gewinn für die Menschen mit Behinderung sei, hat er seine Meinung inzwischen grundlegend geändert. "Es ist eine Bereicherung für beide Seiten." Denn auch die Schaeffler-Auszubildenden können aus dem Projekt einiges mitnehmen. "Sie können hier ihre Hemmschwellen überschreiten", findet Ausbilder Jürgen Kliemann, der die Azubis zu den Barmherzigen Brüdern begleitet hat.
Sandra Langer, die sich in der Ausbildung zur Industriekauffrau befindet, hatte vorher noch nie mit Menschen mit Handicap zu tun. "Hier bei den Barmherzigen Brüdern erkennt man, dass es eigentlich gar nicht so viele menschliche Unterschiede gibt, wie man vorher vielleicht dachte", sagt sie. Auch bei Ina arbeiten Menschen mit Behinderung. "Hier haben wir die Möglichkeit, den richtigen Umgang mit ihnen zu lernen", sagt Sandra.


Gegenbesuch bei Schaeffler

Der 19-jährige Adrian Büttner, der ein duales Studium im Maschinenbau absolviert, ist der Aktion gegenüber ebenfalls positiv gestimmt. "Es ist eine super Sache", findet er. "Im normalen Alltag hat man wenig Kontakt mit Menschen mit Behinderung. Durch das Projekt hat man die Möglichkeit, mit ihnen in Kontakt zu treten und sich überzeugen zu lassen von ihrer Herzlichkeit und Offenheit."
Nachdem die Auszubildenden am Mittwoch Einblick in die Werkstätten erhalten hatten, bekamen auch die Beschäftigten der Werkstätten am Donnerstag eine Führung im Höchstadter Schaeffler-Werk. Neben Infos über die Firma standen auch leichte Übungen wie Feilen und Bohren auf dem Programm. Den Abschlusstag verbringen die 16 Teilnehmer am Freitag bei der Umweltstation Lias-Grube in Unterstürmig, wo zusammen ein Mittagessen zubereitet wird. Dass das Projekt aber nicht nur drei Tage lang währt, sondern dass das "N" in Train, das für Nachhaltigkeit steht, durchaus gerechtfertigt ist, zeigt sich darin, dass viele ehemalige Teilnehmer nach den gemeinsamen Tagen bis heute den Kontakt gehalten haben.