Das "Pölnitz-Marterl" kann hinsichtlich seines Alters mit den ältesten Bodendenkmälern in bayerischen Wäldern zwar nicht mithalten: Mehr als 3000 Jahre sind die vielerorts gefundenen Grabhügel alt. Dennoch ist der Bildstock im Wald oberhalb von Schlüsselfeld ein Denkmal im wahrsten Sinn des Wortes: Er lädt zum Nachdenken und Verweilen ein. Ganz im Sinne der Ausstellung "Denkmal im Wald", die am Dienstag im Beisein vieler Gäste im Schlüsselfelder Stadtmuseum eröffnet wurde.
Was dem Pölnitz-Marterl an Alter fehlt, kann es durch eine Sage wett machen: An der Stelle im Wald soll einst ein junges Paar mit der Kutsche verunglückt sein, erzählt der Volksmund. Was natürlich nicht zu belegen sei, wie Bürgermeister Georg Zipfel (FW) betont. Zudem habe der verstorbene Altbürgermeister Georg Obermaier bei seinen Heimatforschungen herausgefunden, dass das Marterl früher einen anderen Namen trug. Fest steht, dass das Denkmal liebevoll gepflegt wird, wie der Schmuck mit frischen Frühlingsblumen beweist.
Viele Denkmäler im Wald gebe es in der Umgebung von Schlüsselfeld nicht, stellte Museumsleiter Friedel Auer bei der Ausstellungseröffnung fest. Der Bürgermeister freute sich dennoch, die überörtliche Wanderausstellung an Land gezogen zu haben. "Die Ausstellungsmacher müssen unser Museum gekannt haben", sagte Zipfel bei der Eröffnung. Museum und Ausstellung wären wie füreinander geschaffen.
Verantwortlich für die Ausstellung "Denkmal im Wald" zeichnet das Zentrum Wald-Forst-Holz in Weihenstephan, unterstützt von den Bayerischen Staatsforsten und der Forstverwaltung sowie vom Landesamt für Denkmalpflege. Schautafeln im Obergeschoss des Stadtmuseums klären über die unterschiedlichsten Denkmäler im Wald auf, an denen der unbedarfte Spaziergänger oft achtlos vorüber geht. "Denkmäler sind Symbole der Erinnerung, Orte, an denen die Vergangenheit ein Gesicht bekommt", heißt es in der Begleitbroschüre.
Vorgeschichtliche Grabhügel, keltische Viereckschanzen, Höhlen, Burgruinen und Wegespuren zählen ebenso dazu wie Bildstöcke und Grenzsteine, aber auch einfache Wegspuren. Die Ausstellung diene dazu, Kultur und Natur zusammenzuführen und das kollektive Bewusstsein für die Denkmäler zu stärken, sagte Heinrich Förster, dessen Heimatbehörde in Weihenstephan die Initiative zur Ausstellung ergriffen hat. In seinem Einführungsvortrag machte Förster deutlich, was alles einst im Wald betrieben wurde und Spuren für die Nachwelt hinterlassen hat. Die Aura sei an solchen Orten zu spüren.

Erziehung zur Nachhaltigkeit

"Denkmäler sind das Gedächtnis unserer Kultur. Sie schaffen Beziehungen und Identität", betonte Förster. Wald habe aber auch viel mit Vorausdenken zu tun. Hier würden heute die Bäume für die Dachstühle noch ungebauter Häuser gepflanzt. "In den Buchenwäldern wächst das Holz für unsere Urenkel!" Der Wald erziehe alle, die mit ihm zu tun haben, vom unbewussten zum bewussten Umgang, vom Verbrauchen zum nachhaltigen Nutzen: "Man pflanzt, was man nicht erntet und erntet, was man nicht gepflanzt hat."
Einfache Unwissenheit ist laut Förster der schlimmste Grund für Schäden an den Denkmälern. Ein Freizeitnutzer wisse nicht, dass der Hügel, über den er gerade sprintet, aus der Bronzezeit stamme. Deshalb sei eine solche Ausstellung notwendig.
Museumsleiter Friedel Auer hat die Ausstellung, die vor allem durch große Schautafeln aufklärt, mit einigen Fundstücken angereichert. Die Ausstellung im Schlüsselfelder Stadtmuseum kann jeweils an den Sonntagen von 10 bis 16 Uhr oder nach Vereinbarung mit Friedel Auer unter der Telefonnummer 09552/1763 besichtigt werden.