"Wir zählen bis zehn", sagt Birgit Malzer vom Kindergartenteam der Villa Kunterbunt. So lange halten die Kleinen die Füße im kalten Wasser. Sicher nicht ganz einfach - ein Kind von drei oder vier Jahren in eine Wanne mit kaltem Wasser steigen zu lassen. In der kalten Jahreszeit und wenn es zuvor die Füße im wohlig temperierten Wasser hatte.

Für die Kleinen im Wachenrother Kindergarten sind solche Wechselbäder ganz selbstverständlich. Denn die Villa Kunterbunt ist ein Kneipp-Kindergarten. Der erste und vermutlich auch der einzige im Landkreis Erlangen-Höchstadt, der einmal wöchentlich mit den Kindern Kneipp'sche Anwendungen praktiziert. Und das so selbstverständlich, dass die Kinder den Schülern der Bamberger Caritas-Fachakademie für Sozialpädagogik zeigen können, wie Kneipp in der Praxis funktioniert.

Margit Reif, die stellvertretende Leiterin des Kindergartens, ist zugleich die Kneipp-Beauftragte. Im Team der Einrichtung ist sie diejenige, die seit 1999 und damit schon am längsten kneippt. Schon im Jahr 2000 hat die Kneipp'sche Gesundheitslehre in der Villa Kunterbunt Einzug gehalten und 2007 wurde die Einrichtung als Kneipp-Kindergarten zertifiziert.

Ein Handtuch gibt es nicht


Die Prinzipien von Pfarrer Kneipp bauen auf fünf Säulen auf, wie Margit Reif erklärt: Bewegung, Wasser, Heilkräuter, Ernährung und Lebensordnung.

16 Studierende der Fachakademie aus Bamberg konnten sich in Wachenroth davon überzeugen, dass Kneipp'sche Prinzipien auch mit Kindern umzusetzen sind. Für die künftigen Erzieherinnen und Erzieher - auch ein junger Mann war darunter - war "Learning by doing" angesagt. Gemeinsam mit ihren kleinen "Lehrmeistern" stiegen sie in die Wännchen mit warmem (orange) und kaltem (blau) Wasser. Danach hieß es Wasser abstreifen, denn bei Kneipp-Anwendungen gibt es kein Handtuch. Dass sie danach schnell in die dicken Socken kommen müssen, wissen die Kinder längst.

Ein "Fühlweg" kann sich anschließen: Die Kinder gehen über Kisten mit unterschiedlichsten Materialien, um Steine, Kastanien und anderes mehr zu erfühlen. "Im Sommer machen wir das alles im Freien", sagt Birgit Malzer. Die bunten Wännchen seien ideal, um auch im Winter in den Räumen des Kindergartens kneippen zu können.

Das Ganze soll in Ruhe und sehr ausgeglichen ablaufen, erklärt Margit Reif. Andrea Krafft, Lehrkraft an der Fachakademie, stellt fest, "dass die Kinder von dieser Ganzheitlichkeit erfasst werden". Für die Studierenden sei es wichtig, die Kinder in Aktion zu sehen."Schauen, was den Kindern gut tut", nennt ihre Kollegin Doris Müller das. Es sei wichtig, nach der Anspannung wieder zu entspannen und für sich zu sorgen. Weil es in Bamberg keine Einrichtung gebe, die Kneipp so aktiv und lebendig betreibt, habe sich die Fachakademie die Wachenrother Kita ausgesucht. Man spüre, dass die Erzieherinnen das auch wirklich leben, immer wieder erneuern und ergänzen, finden die Lehrerinnen. Dadurch bleibe Kneipp spannend.

Margit Reif bringt das auf den Punkt: "Wir kneippen mit Freude! In der heute sehr hektischen Zeit brauchen auch die Kinder Momente, um zu lernen, sich selbst zu spüren."