Ein brennender Adventskranz war wohl die Ursache für den Brand in einem Erlanger Altenheim vor einigen Tagen. "Das wäre der Super-GAU", beschreibt Johanna Auerbeck vom Vitanas Seniorencentrum St. Anna in Höchstadt ihre Sorge gerade in der Adventszeit.

Brennende Kerzen ohne beständige Aufsicht sind viel zu gefährlich und gibt es im Seniorencentrum St. Anna in Höchstadt nicht. "Nur bei den gemeinschaftlichen Feiern unter laufender Aufsicht", erklärt Johanna Auerbeck. In der Stadt Coburg wurden brennende Kerzen in öffentlichen Gebäuden der Gefahr wegen per Verordnung untersagt. Aus Vernunftgründen handelt die Centrumsleiterin ohnehin so. "Das kann man nicht auf die leichte Schulter nehmen", fügt Auerbeck an.

Gerade in Altenheimen ist es sehr warm. Auch der Christbaum wird deshalb erst am Montag aufgestellt, damit er nicht so schnell austrocknet. Die Angehörigen, die ohnehin sehr vernünftig handeln würden, bittet sie, auf das Anzünden von Kerzen auf den Adventskränzen oder Gestecken zu verzichten. In den Fluren sind die Kränze ohne Kerzen und wenn, dann wurden LED-Kerzen verwendet. "Wir nehmen die flackernden LED-Kerzen. Das ist eine echte Verbesserung", sagt die Leiterin, die sich noch an die eher klobigen Kerzenvorgänger erinnert. Wenn doch irgendwo eine Kerze ist, wird rigoros gehandelt und einfach der Docht abgeschnitten.


Vernunft setzt sich durch

Den Eindruck, dass die Leute im Umgang mit den Kerzen in der Weihnachtszeit vernünftiger geworden sind, kann Wolfgang Glotz, Kommandant der Höchstadter Feuerwehr, bestätigen. "Die Brände sind stark zurück gegangen, die Hauptaufgabe der Feuerwehr besteht eher in der technischen Hilfeleistung", sagt Glotz. Wenn der Spielmannszug nach Weihnachten die Christbäume einsammelt, sind auf manchen Bäumen Wachsspuren zu sehen. Es wird also noch immer mit echten Kerzen am Baum gefeiert.

Aber durch umfangreiche Aufklärungsarbeit wurden die Leute sensibilisiert und handeln vorsichtig, vor allem in öffentlichen Gebäuden, wo ein Kranz schnell unbeaufsichtigt sein kann, weil man beispielsweise zum Kopierer muss. Auch Zugluft durch geöffnete Türen würde reichen, um die Gefahr zu steigern. "Wir weisen gerade jetzt auf diese Dinge hin, Kleinigkeiten, die oft untergehen", sagt Glotz über die Brand-schutzeinweisungen, die die Feuerwehrleute auch im betreuten Wohnen geben, wo die Gefahr eines brennenden Adventsgestecks noch höher ist.

Selbstverständlich gelte ebenfalls für den privaten Bereich, sachgemäß und vorsichtig mit Kerzenlicht umzugehen und Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. "Einfach eine Gießkanne in die Nähe stellen oder einen Topf mit Wasser griffbereit halten", nennt Glotz einfache Tipps, die schnell umsetzbar sind. Zugleich dient das als Luftbefeuchter, nennt er einen weiteren Vorteil des Wassers in der Nähe des Adventskranzes.

Sorgen bei brennenden Kerzen macht sich auch Dekan Kilian Kemmer aus Höchstadt. Dabei denkt der katholische Geistliche vor allem an die Osternacht, wenn die Gottesdienstbesucher eng nebeneinander, jeder mit seiner Kerze, in der Bank sitzen. "Für große Gottesdienste bitten wir die Feuerwehr um Hilfe", sagt Kemmer. Diese Feuerwehrleute sind nicht in Uniform im Gottesdienst, sondern selbst Besucher, sind aber auf der Hut und wissen, wo die Feuerlöscher sind und wie sie im Brandfall mit den Brandschutzdecken operieren müssten.


Einschalten statt anzünden

Eine Anekdote kann Kemmer er erzählen. Als er zur Adventszeit die Adventskränze, die vor dem Altar lagen, gesegnet hatte, zündeten die Ministranten alle ersten Kerzen an. Nur bei einer blieb die Kerze aus, bis eine Erzieherin des Kindergartens kam und das LED-Licht einschaltete. Im Kindergarten wurde aus Vernunftgründen ebenfalls auf echte Kerzen verzichtet und stattdessen LEDs gewählt.

Für Kemmer gehört die echte Kerze dennoch zur Kirche. "Ich bin das Licht der Welt", nennt Kemmer die Worte Jesus. Der Docht der brennenden Kerze, der das Wachs verzehrt, steht für Kemmer als Symbol für die Hingabe und die verzehrende Liebe Christi. Eine Liebe, die leuchtet und wärmt. Das sind für Kemmer die positiven Eigenschaften des Kerzenfeuers.