Ab sofort ist das Höchstadter Storchen-TV wieder in Betrieb. Rund um die Uhr werden Bilder vom "Alten Rathaus" in das Foyer der Kreissparkasse und alle Welt übertragen. Ein Angebot, das sich seit sechs Jahren ungebrochener Beliebtheit erfreut.
"Ich freue mich jedes Jahr darüber, wenn wir im März zusammenkommen, um den Storchen-Fernseher in Betrieb zu nehmen", sagt Herbert Fiederling. Der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Höchstadt/Aisch ist im Taubertal aufgewachsen. "Dort gibt es keine Störche. Deshalb erlebe ich, wenn Verwandte zu Besuch sind, immer wieder, welch eine Besonderheit es ist, mit Störchen in der Stadt zusammenzuleben. Alle Besucher sind davon begeistert."
In der Tat gehören Störche in Höchstadt zum gewohnten Stadtbild - und zwar das ganze Jahr über. "Denn seit einigen Jahren überwintern die Vögel bei uns", erzählt Storchenexperte Edmund Lenz. Das klingt im ersten Moment ungewöhnlich, ist es aber gar nicht mehr. "Auch Brutpaare in Lonnerstadt, Mailach, Gremsdorf oder Adelsdorf haben schon in Mittelfranken überwintert. Der Nachwuchs wandert aber trotzdem in den Süden", sagt Lenz.
Warum die Großvögel zum Überwintern nicht mehr regelmäßig in wärmere Gefilde ziehen? Diese Frage hört Edmund Lenz oft - eine eindeutige Antwort hierfür gibt es jedoch nicht. "Mal ist es eine Verletzung, mal eine Krankheit, welche die Vögel am Ziehen hindert. Sind sie dann einmal hier geblieben, dann bleiben sie in der Hälfte aller Fälle auch in den Folgejahren hier."
Störche sind in starkem Maße von ihrer Umwelt abhängig. Deshalb freuen sich Storchenfans wie Herbert Fiederling oder Edmund Lenz darüber, dass es im Aischgrund immer mehr Tiere gibt. Insgesamt 40 Brutpaare wurden 2012 gezählt, drei davon allein in Höchstadt. Möglich wird diese Entwicklung, weil den Tieren hierzulande gute Brutmöglichkeiten geboten werden.
"Die Errichtung einer sturmsicheren Grundlage geht dabei richtig ins Geld", weiß Edmund Lenz aus eigener Erfahrung. "Um die 1500 Euro kostet ein Konstruktion wie auf der Alten Mälzerei. Und die musste ich aus eigener Tasche bezahlen, weil es schnell gehen musste." Zuschüsse für solche Vogelschutz-Projekte gibt es zwar vom Landratsamt - aber nur, wenn diese vorher beantragt und genehmigt werden. Dies ist in der Praxis jedoch nicht immer möglich. "Dabei spüren wir eine große Verbundenheit der Bürger mit den Störchen", ergänzt Herbert Fiederling. Spürbar wird dies in der Kundenhalle der Höchstadter Sparkasse - wo sich bereits kurz nach Inbetriebnahme des speziellen Storchen-TV-Gerätes einige Passanten versammeln, um mit den im noch schneebedeckten Nest stehenden Tieren mitzufühlen.
Das Interesse lässt sich aber auch mit Zahlen belegen: Über 4000 Interessenten haben beispielsweise das Storchen-Tagebuch verfolgt. Dieses wird auf der Webseite der Kreissparkasse Höchstadt geführt und informiert über aktuelle Ereignisse im Nest auf dem Alten Rathaus.
Dank moderner Technik gewährt die Höchstadter Storchen-Cam rund um die Uhr Einblick in den Vogel-Alltag. In seltenen Fällen sieht man dann auch Storchenvater Lenz bei der Arbeit. "Dabei greifen wir kaum ein. Nur zu Jahresbeginn wird das Nest einmal aufgepolstert - dann gehen wir nur noch ins Nest, wenn das Regenwasser nicht abfließen kann und direkte Gefahr droht."
Besonders interessant sind die Live-Bilder in der Kundenhalle der Sparkasse - aber auch die mehrmals pro Minute aktualisierten Fotos auf der Webseite sind gefragt. "Natürlich vor allem dann, wenn die süßen kleinen Küken geschlüpft sind" so Fiederling. Im letzten Jahr gab es viel zu sehen - kamen doch drei gesunde Storchenbabys zur Welt und schafften im Spätsommer dann den Abflug gen Süden. "Ein besonders gutes Jahr. In der Regel kann man davon ausgehen, dass nur eines der Jungen durchkommt", erklärt Lenz.
Auch wenn es inzwischen in Bayern 200 Brutpaare gibt, ist der Storchen-Experte deshalb beunruhigt. "Zum dauerhaften Artenerhalt reicht das noch nicht aus." Deshalb spricht er sich vehement dafür aus, Starkstromleitungen vogelsicher zu machen. "Dies ist gesetzlich inzwischen vorgeschrieben. Aus Kostengründen wird es von den Versorgern leider immer noch nicht gemacht." ez