An der Bushaltestelle am Kellerberg steht um 12.40 Uhr eine kleine Gruppe junger Schüler und freut sich auf den schulfreien Nachmittag. Die ersten ernsthaften Gedanken an das Abitur sind wohl noch Jahre entfernt. Anders sieht es auf der anderen Straßenseite aus.


Volle Konzentration

In der Aischtalhalle sitzen 89 Abiturienten und grübeln über den Matheaufgaben, die das Kultusministerium zusammengestellt hat. Der Jogginghosenanteil ist hoch, einige Schüler haben sogar ihre Schuhe ausgezogen. Entspannt, aber auch konzentriert: Auch kurz vor dem Ende der Bearbeitungszeit herrscht absolute Stille. Einige sind offensichtlich bereits fertig, so mancher tippt hektisch noch die letzten Zahlen in den Taschenrechner. Um 13 Uhr ist es dann geschafft.

Als einer der ersten verlässt Peter Willaczek die Halle, in der Hand einen Muffin: "Der war eigentlich für zwischendurch, aber ich hatte einfach keinen Hunger. Alles, was ich gegessen habe, war Kaugummi." Zu große Aufregung? "Es ging, nur ein bisschen", sagt Peter. "Für mich ist es auch ganz gut gelaufen. Ich bin eigentlich nicht schlecht in Mathe."

Die vier Stunden Arbeitszeit waren für ihn ebenfalls kein Problem: "Ich konnte alles noch einmal durchgehen. Was alles abgefragt wurde, habe ich jetzt aber schon direkt verdrängt." Liegt der Fokus etwa schon auf der nächsten Prüfung am kommenden Dienstag? "Nein, heute mache ich gar nichts mehr", erklärt er.

Doch während Peter sich langsam auf den Heimweg macht, sitzen in einem Teil der Halle, der kurz vor 13 Uhr abgetrennt wurde, noch einige Mitschüler. Sie haben sich für eine andere Bearbeitungsvariante entschieden, die es seit 2014 gibt. Für einen Teil der Prüfung haben sie bewusst auf die erlaubten Hilfsmittel wie Taschenrechner oder Formelsammlung verzichtet. Dafür erhalten sie 30 Minuten mehr Zeit und 15 Minuten Pause.


Gemeinsamer Aufgabenpool

Eine Neuerung gibt es in diesem Jahr ebenfalls: Nicht nur im Fach Mathematik, sondern auch in Deutsch, Französisch und Englisch, sind in das Abitur jetzt Aufgaben aus einem Aufgabenpool integriert, der gemeinsam mit allen anderen Bundesländern entwickelt und abgestimmt worden ist. Laut dem Kultusministerium sei das ein wichtiger Schritt auf dem Weg hin zu mehr Vergleichbarkeit der Bildungsarbeit in ganz Deutschland.

Für Peter und seine Mitschüler war die Neuerung spürbar: "Diese Aufgaben waren vom Grundprinzip deutlich leichter. Bei manchen hat man sich schon gefragt, was die im Abitur verloren haben. Dafür waren einige andere sehr schwer."