Zur Abschlussveranstaltung mit Überreichung der Urkunden hatte Sandra Hammer von Karpfenland Aischgrund Höchstadts neue Stadt- oder Gästeführer zusammen mit ihren Dozenten, der Bierkönigin Dorothea I, der Karpfenkönigin Katrin I. und einigen Gästen am vergangenen Samstag Nachmittag ins Kellergewölbe des Höchstadter Schlosses eingeladen.

Den ganzen Tag über waren die 17 angehenden Stadtführer schon unterwegs, um ihre Prüfung in Form einer Führung abzulegen und nun freute man sich auf den gemütlicheren Teil. Der begann jedoch mit einer Überraschung. Der altgediente Fachmann, Stadtführer und Museumsleiter Sebastian Schmidt lud die Gruppe erst einmal in den Schlosshof zu einer kleinen historischen Sonderführung ein.


Überraschungsgast im Schlosshof

Er zeigte die Wappen, den Fürstenbau, wo früher die Kemenaten waren und alle bewunderte den Schwedenbrunnen als plötzlich der ehemalige Schlossherr Hermann von Stahleck (Reinhard Grasse) mit seiner Gemahlin Gertrud aus einem Seiteneingang stürzte. Beide fühlten sich nämlich auf ihrem Anwesen gestört. Er und seine Gattin erzählten den Störenfrieden jedoch gerne von ihrem aufregenden Leben sowie über Stadt, Burg und Tal.
Sandra Hammer freut sich, dass nun insgesamt 19 Gästeführer Einheimischen aber auch Besuchern die Schönheiten und die Historie der Stadt zeigen und erklären können. Besonders stolz ist sie auf den Beitrag zur Integration, denn ab 12. Februar werden Shadi Assad (Syrien), Hussam Abdulkareem und Bashar Hatim Ali (Irak) ihre erste Führung für ihre Landsleute in arabischer Sprache geben. "Ihr habt jetzt alle einen Koffer voller Erfahrungen gesammelt. Die sollen sich setzen und dann gebt ihr sie weiter!", empfahl Hammer den Absolventen.
Bürgermeister Gerald Brehm bedankte sich bei Sandra Hammer, ihrer Mitarbeiterin Roswitha Kremer-Zipprath, aber auch beim Heimatverein für die gelungene Darstellung im Schlosshof. Stolz ist er auch auf die vielen Ehrenamtlichen, die als Referenten ihr Wissen beim Lehrgang weiter gegeben haben.

An neun Schulungstagen wurden die Stadtführer in verschiedene Sachgebiete eingeweiht. Angefangen mit den Höchstadter Brauereien erkundeten sie das Heimatmuseum und das Spix Museum. Auch die Teichwirtschaft, Aischgründer Karpfen und Natur am Teich, der Besuch der Georgskirche und mehr standen auf dem Stundenplan. Weiter ging es mit Präsentationstechniken und der inhaltlichen und organisatorischen Vorbereitung und Gestaltung von Stadtführungen, Wirtschafts- und Wirtschaftsentwicklung, Landwirtschaft, Wandern und Radfahren, Naturschutzgebiete und dazwischen immer wieder praktische Übungen.

"Ihr habt hier ein nachahmenswertes Pilotprojekt", sagt Heinz Schuster, Gästeführer aus Nürnberg. "Es werden Asylbewerber integriert und das ist in Deutschland einmalig", freute sich der Dozent und gleichzeitig Absolvent des Lehrgangs. Er nannte die Stadtführer eine Visitenkarte Höchstadts.
Dekan Kilian Kemmer beglückwünschte die Teilnehmer zu ihrer bestandenen Prüfung. "Gebt die Liebenswürdigkeit mit Leidenschaft und Inbrunst weiter", riet er ihnen.

Einige der Dozenten gaben ihren Schülern dann noch nützliche Tipps mit auf den zukünftigen Weg, bevor die beiden Königinnen nach kurzen Glückwünschen zusammen mit Bürgermeister Gerald Brehm und Sandra Hammer die Zeugnisse nebst Namensschildern überreichten. Hammer hofft auf eine langfristige und blühende Zusammenarbeit zwischen Stadt und Gästeführern. Mit einem leckeren Buffet endete der sicher auch anstrengende und erlebnisreiche Tag.


Stolze Stadtführer in Höchstadt

Friederike Schmidt aus Adelsdorf fand die Ausbildung anspruchsvoll. "Ich bin stolz, dass ich bestanden habe. Es ist eine völlig andere Konzentrationsaufgabe als zu Hause. Man muss sich dafür interessieren und viele Hausaufgaben erledigen. Ich war mir gar nicht klar, dass es so vieles gibt, das ich noch nicht wusste.
Den Hl. Nepomuk hab ich noch nie bewusst gesehen! Mir liegen die Stadtführungen mehr als die Bustouren. Ich freue mich auf die erste öffentliche Führung am Ostersonntag."
Hussam Abdulkareem kommt aus dem Irak und er ist begeistert von der Ausbildung. "Jetzt weiß ich ganz viel über Höchstadt, kenne die Gebäude, die Geschichte und kann sie meinen Freunden, die hier eine neue Heimat gefunden haben, in ihrer Muttersprache weitergeben. Die Ausbilder haben uns alles in Englisch erklärt und ich gab es meinem Kollegen Bashar auf Arabisch weiter. Hussam war in seiner Heimat Dozent für Wirtschaft an einer Universität und er wohnt seit vier Monaten in Gremsdorf.