Hunde, die bellen, beißen nicht, sagt zumindest der Volksmund. Doch woran hält sich eine Stadtverwaltung, wenn es um die rechtliche Frage geht: Wie gefährlich ist ein Hund?

Genau damit hat sich der Höchstadter Stadtrat in seiner letzten Sitzung beschäftigt. Anlass war ein Antrag des CSU-Stadtrates Franz Rabl. Er forderte eine Änderung der Anleinpflicht, die in der Verordnung der Stadt "über das freie Herumlaufen von großen Hunden und Kampfhunden" festgelegt ist.

Rabl fordert eine erweiterte Anleinpflicht für große Hunde. Bisher sind diese nur in bestimmten Gebieten an die Leine zu nehmen. Es gebe den verstärkten Wunsch in der Bevölkerung nach mehr Sicherheit.


Sicher vor bissigen Hunden

Zweiter Bürgermeister Günter Schulz (SPD) sieht ebenfalls Handlungsbedarf: "Es geht nicht um eine generelle Anleinpflicht. Aber eine Erweiterung der Verordnung um ,große Hunde' wäre gut für das Sicherheitsgefühl der Bürger." Erst kürzlich habe es einen Fall eines bissigen Hundes gegeben.

Ende Oktober war auf dem Pausenhof der Realschule eine 13-jährige Schülerin von einem Hund gebissen worden. Wie die Polizei damals mitteilte, hatte es sich bei dem "mittelgroßen Mischlingshund" um einen "Wiederholungstäter" gehandelt. Die Halterin wohnt in der Nachbarschaft der Schule. Sie hatte bereits Auflagen für das Gassigehen bekommen.

Andreas Hänjes (SPD) zieht daraus den Schluss, dass nicht große Hunde generell ein Problem seien, sondern viel mehr Halter, die die Auflagen nicht erfüllen.

"Man kann große Hunde nicht über einen Kamm scheren", warf auch Josef Beßler (JL) in die Runde. Trotzdem sei es "nicht ohne", was er als Jäger mitbekomme. "Das Problem ist nicht in der Stadt, sondern draußen auf Wegen und Wiesen." So habe er schon erlebt, dass frei laufende Hunde in brutaler Weise Wild reißen. Oft könnten sich die Besitzer nicht vorstellen, welche Seite im lieben Haustier schlummere. "Ganz verkehrt" sei Rabls Antrag daher nicht.

Bürgermeister Gerald Brehm (JL) holte die Diskussion zurück auf den Boden der juristischen Tatsachen: "Eine pauschale Anleinpflicht geht nicht." Eine faktische Gleichsetzung von Kampfhund und großen Hunden sei nicht rechtens. Selbst wenn der Stadtrat eine Änderung beschließe, ihm sei verboten, dies so durchzusetzen.


Ein Recht auf Auslauf

Rabls Formulierunsgvorschlag würde bedeuten, dass überall Leinenpflicht gelten würde, so Brehm. Gerade große Hunde bräuchten aber Auslauf. Dieser werde den Haltern rechtlich zugesichert. Und Auslauf heiße: unangeleint.

"Wir haben beim Anleinen von großen Hunden bisher alles ausgenutzt, was rechtlich möglich ist", so Brehm. Er sehe persönlich die bisherige Lösung als praktikabel.

Mit drei Gegenstimmen wurde Rabls Antrag abgelehnt. Damit gilt die Leinenpflicht wie bisher. Die Räte einigten sich aber darauf, dass sich die Verwaltung juristisch beraten lässt. Es solle geprüft werden, wie man eine Leinenpflicht für große Hunde in der Verordnung umfassender verankern könnte.


Leinenpflicht: Das sagt die Verordnung in Höchstadt

Ist-Regelung Die Hundehaltungsverordnung der Stadt Höchstadt, auch gültig für Ortsteile, regelt das Gassigehen im Detail. Der Passus von Paragraf 1 "Leinenpflicht" lautet: "Zur Verhütung von Gefahren für Leben, Gesundheit und Eigentum sind Kampfhunde jederzeit auf allen Straßen, Wegen und Plätzen im gesamten Stadtgebiet an der Leine zu führen. Das gleiche gilt für große Hunde in ausgewiesenen Fußgängerzonen, verkehrsberuhigten Breichen und im näheren Umkreis von Schulen, Kindergärten und Spielplätzen."

Soll-Regelung Rabl stellte den Antrag auf Änderung. Der Passus hätte gelautet: "Zur Verhütung von Gefahren für Leben, Gesundheit und Eigentum sind Kampfhunde und große Hunde jederzeit auf allen Straßen, Wegen und Plätzen im gesamten Stadtgebiet an der Leine zu führen."

Was ist ein großer Hund? Mindestens 50 Zentimeter Schulterhöhe nennt die Verordnung. Erwachsene Tiere der Rassen Schäferhund, Boxer, Dobermann und Deutsche Dogge gelten stets als große Hunde.


"Es gibt kein Hundeproblem"

"In Höchstadt gibt es kein Hundeproblem", sagt Polizeichef Jürgen Schmeißer. Aber es gebe Einzelfälle, die sehr ernst zu nehmen seien. Konkret seien es in den letzten Jahren drei Hunde gewesen, die gegenüber Menschen aggressiv wurden.

Es gebe Halter, die ihre Hunde nicht im Griff hätten. Die Auflagen für bissige Hunde reichen von der dauerhaften Anleinpflicht über den Maulkorb bis hin zur Wegnahme des Hundes. Der Halter eines beißenden Hundes müsse sich wegen einer mittelbaren Körperverletzung haftungs- und strafrechtlich verantworten. Kurse für die Hundeschule könne man nicht verhängen. Man könne niemanden zum finanziellen Aufwand verpflichten, so Schmeißer. Außerdem komme es stark darauf an, wie der Halter nach dem Kurs mit dem Hund umgeht.